Nachrichten 10.10.2022

ARNI-Therapie scheint Mitralinsuffizienz zu verbessern

Im Vorfeld einer Mitralklappenintervention sollte die medikamentöse Behandlung optimal eingestellt sein. Denn aktuellen Daten zufolge scheint eine Behandlung mit ARNI den Insuffizienzgrad mancher HFrEF-Patienten tatsächlich reduzieren zu können.

Eine Behandlung mit Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) scheint sich positiv auf den Schweregrad einer Mitralklappeninsuffizienz auszuwirken. Darauf deuten aktuelle Daten der prospektiven PROVE-HF-Studie hin.

Im Rahmen der Studie wurde bei 794 Patientinnen und Patienten mit einer Herzinsuffizienz vom HFrEF-Typ (EF ˂ 40%) eine Behandlung mit Sacubitril/Valsartan begonnen. Die Therapie wurde auf die maximal tolerierbare Dosis auftitriert (im Schnitt 276 mg/Tag). Die meisten Patienten – nämlich 76,4% – erhielten zu Studienbeginn bereits ACE-Inhibitoren (ACEi) oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB). 5,8% der Patienten wiesen vor Behandlungsbeginn eine Mitralklappeninsuffizienz vom Grad 3+ auf, 9,1% hatten sogar einen Grad 4+.

Insuffizienzgrad reduzierte sich bei der Hälfte der Patienten

In den kommenden zwölf Monaten nahm der Patientenanteil mit einer solch ausgeprägten Klappeninsuffizienz unter der ARNI-Behandlung um relativ 44,7% ab: Am Ende waren nur noch 8,4% der Patienten von einem Grad 3–4+ betroffen. Eine Reduktion des Insuffizienzgrades ging mit einem reversen kardialen Remodeling, signifikant reduzierten NT-proBNP-Werten (912 vs. 1512 pg/ml; p=0,01) und einem verbesserten Gesundheitsstatus (erfasst durch den Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Overall Summary Score) einher.

„Obwohl die Mehrheit der Studienteilnehmer im Vorfeld ACEi oder ARB erhalten haben, konnten wir in dieser Analyse einen substanziellen Shift zu einem niedrigeren Mitralinsuffizienz-Grad nach zwölfmonatiger Behandlung mit Sacubitril/Valsartan beobachten, mit einer fast 50%igen Reduktion des 3–4+ Grades“, folgern die Autoren um Dr. James Januzzi von der Harvard Medical School in Boston aus ihren Beobachtungen. Diese Ergebnisse bekräftigten die Bedeutung einer optimalen leitliniengerechten medikamentösen Behandlung im Vorfeld eines geplanten Mitralklappeneingriffes, führen sie die klinische Bedeutung aus. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte (ohne Randomisierung und ohne Kontrollarm), lassen sich die zu beobachtenden Verbesserungen allerdings nicht mit Sicherheit auf die ARNI-Behandlung zurückführen. Es könnten auch andere Faktoren dafür verantwortlich sein, geben die Autoren zu bedenken.

Im Übrigen konnten die Autoren keine Unterschiede zwischen „Respondern“ (Patienten, deren Insuffizienzgrad sich reduzierte) und „Non-Respondern“ (deren Grad bei 3-4+ blieb) in Bezug auf echokardiografische Baselineparameter und klinischen Baselinecharakteristika (inkl. der bisherigen Therapie) feststellen. Beide Gruppen hatten zu Beginn eine vergleichbare linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF), LV-Volumina und einen ähnlichen Mitralinsuffizienz-Schweregrad im Verhältnis zum linksventrikulären enddiastolischer Volumenindex (LVEDVi).

Literatur

JanuzziJ et al. Association Between Sacubitril/Valsartan Initiation and Mitral Regurgitation Severity in Heart Failure With Reduced Ejection Fraction: The PROVE-HF Study. Circulation 2022; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.061693

Highlights

Podcast: Kardiovaskuläre Prävention – zwischen Mythen und Fakten

Neuer Podcast auf Kardiologie.org! In der zweiten Ausgabe mit Prof. Ulrich Laufs geht es um gängige Irrtümer in der kardiovaskulären Prävention, um immer neue Empfehlungen zu Eiern und um die Frage: Statine – ja oder nein?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

TAVI-Mindestmengen braucht es in Deutschland wohl nicht

Der Gemeinsame Bundesausschuss denkt über die Einführung verbindlicher Mindestmenge für TAVI-Prozeduren nach. Eine solche Regelung scheint aktuellen Registerdaten zufolge aber nicht zielführend. Die Autoren raten deshalb davon ab.

Lieferengpass für Digitoxin: DGK zeigt Alternativen zum Herzmedikament auf

Für Digitoxin gibt es fortdauernde Lieferprobleme. Um Ärztinnen und Ärzten im Umgang damit zu unterstützten, veröffentlichte die DGK eine Handlungsempfehlung für den Einsatz alternativer Medikamente bei unterschiedlichen Anwendungsfällen.

Herzgesundheit: Nahrungsergänzungsmittel besser als ihr Ruf?

Der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln für die kardiovaskuläre Gesundheit wird kontrovers diskutiert. In einer Metaanalyse von mehr als 800 randomisierten Studien schienen bestimmte Mikronährstoffe das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren.

Aus der Kardiothek

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

Hätten Sie es erkannt?

Intravaskuläre koronare Bildgebung mittels optischer Kohärenztomografie eines 46-jährigen Patienten nach extrahospitaler Reanimation bei Kammerflimmern. Was ist zu sehen?

Modell Herz/© Thomas Demarczyk / Getty Images / iStock
Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org
Kardio-Quiz Oktober 2022/© PD Dr. Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen