Nachrichten 22.01.2021

Luftverschmutzung schon nach kurzer Zeit schädlich fürs Herz?

Selbst eine kurzzeitige Exposition gegenüber verschmutzter Luft geht mit einem signifikant erhöhten Risiko einher, an einem Herzinfarkt zu sterben. Bestimmte Schadstoffe sind laut einer neuen Analyse besonders schädlich.

Die mit Schadstoffbelastung assoziierte Morbidität und Mortalität steigt weltweit. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass selbst eine kurzfristige Exposition gegenüber Luftverschmutzung Herzinfarkte begünstigt. Chinesische Forscher fanden jetzt heraus, dass diese auch signifikant mit Todesfällen durch Myokardinfarkte assoziiert ist.

Wie war die Schadstoffbelastung am Todestag?

Das Team um Dr. Yuewei Liu von der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou ermittelte für die Fall-Kontroll-Studie knapp 152.000 Patienten, die zwischen 2013 und 2018 in der Region Hubei an einem Herzinfarkt gestorben waren. Anschließend untersuchten sie, ob diese Personen an ihrem Todestag und am vorherigen Tag Schadstoffen ausgesetzt waren wie Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner als 2,5 µm (PM 2,5), Feinstaub kleiner als 10 µm (PM 10), Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Ozon.

Die Bewertung der Luftverschmutzung basierte auf Daten von Messstationen in der Nähe der Heimatadresse der Verstorbenen. Die Werte von den Tagen, an denen ein Patient verstorben war, wurden mit Kontrolltagen verglichen: War der Todestag ein Freitag im Januar, dienten die anderen Januarfreitage als Kontrollen. Von den Teilnehmern waren 54% männlich und 41% jünger als 75 Jahre gewesen, 98% waren an akutem Myokardinfarkt und 56% im Winter verstorben.

Höhere Luftverschmutzung, mehr Todesfälle

Die Forscher stellten fest, dass eine kurzfristige Exposition gegenüber PM2,5, PM10 und Stickstoffdioxid signifikant mit einem erhöhten Risiko assoziiert war, an einem Herzinfarkt zu sterben. Bis zu einem Wert von 33,3 μg/m3 PM2,5 bzw. 57,3 µm/m 3 PM10 galt: Je mehr Schadstoff, desto höher das Mortalitätsrisiko. Beim Stickstoffdioxid zeigte sich ein nahezu linearer Anstieg. Jede Zunahme um 10 µm/m3, bei den Feinstaubwerten bis zum genannten Grenzwert, ging für PM2,5 signifikant mit einem mehr als vierfachen, für PM10 mit einem fast dreifachen und für Stickstoffdioxid mit einem um 46% erhöhten Risiko für Tod durch Herzinfarkt einher.

Die Assoziation zwischen Stickstoffdioxid und Mortalität durch Herzinfarkt war bei Menschen über 75 Jahre deutlich stärker als bei jüngeren. Es wurde keine entsprechende Assoziation für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid oder Ozon beobachtet. Für alle Fall- und Kontrolltage wurden auch die Durchschnittstemperaturen berücksichtigt, um Verzerrungen zu vermeiden.

Experten empfehlen Reduktion der Schadstoffwerte

Die Ergebnisse tragen zum Verständnis der akuten nachteiligen Effekte der Luftverschmutzung auf die kardiovaskuläre Mortalität bei und unterstreichen die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Reduktion der Luftverschmutzung zu ergreifen, insbesondere für ältere Menschen und Personen mit einem höheren Risiko für Herzinfarkte“, resümieren Liu und Kollegen.

Literatur

Morbach C et al. Prevalence and determinants of the precursor stages of heart failure: results from the population-based STAAB cohort study. European Journal of Preventive Cardiology 2020. https://doi.org/10.1177/2047487320922636


Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

CME-Highlights aus der eAcademy

Mit dem umfangreichen Kursangebot der DGK auf Kardiologie.org haben Sie permanenten Zugriff auf das Fachwissen von führenden Experten und sind immer auf dem neuesten Stand. Testen Sie Ihr Wissen und sammeln Sie CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Vorhofflimmern & TAVI – NOAKs doch bessere Wahl?

Einige Leitlinien favorisieren für Patienten nach einer TAVI eine Behandlung mit VKA, wenn eine Indikation zur Antikoagulation besteht. Registerdaten stellen diese Empfehlungen nun infrage.

Kardiologen fordern Maßnahmen für höhere Corona-Impfquote

Eine vierte Welle der Corona-Pandemie birgt vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen eine große Gefahr. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beobachtet daher den sich verlangsamenden Impffortschritt und die große Zahl Ungeimpfter mit wachsender Sorge.

Neues Herzinsuffizienz-Medikament in der EU zugelassen

In Europa steht nun ein weiteres Medikament zur Behandlung der Herzinsuffizienz zur Verfügung. Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Vericiguat erteilt, wie der Hersteller mitteilt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
eAcademy/© fotolia / Sergey Nivens
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen