Nachrichten 17.04.2020

Nach Herzinfarkt: Reduziert Yoga kardiale Komplikationen?

Für Patienten, die nach einem Myokardinfarkt Rehabilitation benötigen, kann ein Yoga-basiertes Programm eine hilfreiche Option sein, etwa wenn sie keinen Zugang zu konventionellen Rehabilitationsmöglichkeiten haben.

In Hinblick auf den Mangel an kardiovaskulären Rehabilitationsprogrammen in einkommensschwachen Ländern und die weltweit reduzierte Verfügbarkeit von Ärzten aufgrund der COVID-19-Pandemie untersuchten indische Forscher ein alternatives Modell für die Rehabilitation nach Herzinfarkten.

Ihr Ergebnis: Eine Yoga-basierte Rehabilitation verbesserte den selbstbewerteten Gesundheitszustand der Teilnehmer. Mehr Probanden aus der Yoga-Gruppe konnten im Vergleich zu Kontrollpersonen wieder ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen. Bezüglich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) entdeckten die Forscher jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Studie mit fast 4.000 Teilnehmern

Die Arbeitsgruppe um Dr. Dorairaj Prabhakaran vom Zentrum für die Kontrolle chronischer Krankheiten in New Delhi rekrutierte für ihre Studie fast 4.000 Patienten, die kurz zuvor einen Herzinfarkt gehabt hatten, aus 24 medizinischen Zentren in Indien. Nach dem Zufallsprinzip erhielten diese entweder ein auf Yoga-basierendes Rehabilitationsprogramm oder eine verbesserte Standardversorgung mit Beratungsgesprächen.

Das Yoga-CaRe-Programm umfasste wöchentliche Sitzungen von rund 75 Minuten mit sanften Übungen einschließlich Meditation, Entspannungs- und Atemkontrolltechniken, gefolgt von Gesprächen über Lebensstil und psychosozialen Themen.

Die Teilnehmer wurden im Schnitt 22 Monate nachbeobachtet. 14% davon waren weiblich, das Durchschnittsalter betrug 53 Jahre. MACE trat bei 131 Patienten (6,7%) in der Yoga-Gruppe und 146 Patienten (7,4%) in der Gruppe mit der erweiterten Standardversorgung auf. Das Yogaprogramm schien die kardialen Komplikationen um weitere 10% relativ zu reduzieren, jedoch war dieses Ergebnis nicht signifikant (Hazard Ratio 0,90; p = 0,41). 

Yoga förderte Rückkehr zum Alltag

Der selbstbewertete Gesundheitszustand der Patienten war in der Yoga-Gruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe, mit 77 vs. 75,7 Punkten auf der Europäischen Skala für Lebensqualität (bereinigte durchschnittliche Differenz: 1,5; p = 0,002). Zudem konnten mehr Personen aus der Yoga- als aus der Vergleichsgruppe zu ihren Alltagsaktivitäten zurückkehren (88.3 vs. 87.0; Differenz: 1,3; p = 0,039). Keine Unterschiede gab es bei der Tabakentwöhnung und der Adhärenz der Teilnehmer.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Yoga-Programm einige Vorteile bietet, besonders für Patienten, denen keine konventionelle Rehabilitation zur Verfügung steht. Das könnte an den ähnlichen Kernzielen von klassischer und Yoga-basierter Rehabilitation liegen, so Prabhakaran und Kollegen. Beides sei ein strukturiertes Trainings- und Unterstützungsprogramm zur physischen und psychischen Stärkung, das das Gesundheitsbewusstsein verbessern und den Krankheitsverlauf verlangsamen könne.

Eine Limitation der Studie ist, dass es sich ausschließlich um indische Herzinfarkt-Patienten handelte, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht generalisierbar sind. Da Yoga dort grundsätzlich einen höheren Stellenwert hat, ist es fraglich, ob die Therapie von deutschen Patienten genauso gut angenommen würde.

Literatur

Prabhakaran D et al. Yoga-Based Cardiac Rehabilitation After Acute Myocardial Infarction. Journal of the American College of Cardiology 2020. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2020.01.050

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen