Nachrichten 05.07.2017

Unklare Perikarditis? Krebsrisiko in den ersten Monaten stark erhöht

Eine Perikarditis kann ein frühes Zeichen einer bösartigen Krebserkrankung sein, das ist bekannt. In einer landesweiten dänischen Kohortenstudie über zwei Jahrzehnte ist das Risiko jetzt quantifiziert worden.

Sowohl bei hämatologischen als auch bei soliden Krebserkrankungen ist die Perikarditis keine seltene Komplikation in fortgeschrittenen Stadien. Eine Perikarditis kann aber auch, deutlich seltener, das erste Symptom einer Krebserkrankung sein.

Epidemiologen der Universität Aarhus haben jetzt anhand der in Dänemark zur Verfügung stehenden, nationalen Datenbanken sämtliche Patienten mit einer erstmals diagnostizierten, akuten Perikarditis in den Jahren 1994 bis 2013 ausgewertet. Lediglich Patienten, die bereits Krebspatienten waren, wurden nicht berücksichtigt.

Insgesamt blieben 13.759 Patienten mit neuer, akuter Perikarditis ohne bekannte Krebserkrankung übrig. Bei drei von vier dieser Patienten war die Perikarditis von den Ärzten nicht näher klassifiziert worden, eine von zehn war laut ärztlicher Dokumentation infektiös, bei 16 % handelte es sich um Perikardergüsse und etwa 3 % waren assoziiert mit Autoimmunerkrankungen.

Krebsrisiko um rund 50 % höher

Innerhalb eines medianen Follow-up-Zeitraums von 6,4 Jahren – mit natürlich großer Spannbreite, da Patienten über einen Zeitraum von 20 Jahren eingeschlossen wurden – traten bei 1.550 der Perikarditis-Patienten Krebserkrankungen auf. Zu erwarten wären bei gleichem Alter und gleicher Risikofaktorstruktur 1.070 Erkrankungen gewesen. Das Krebsrisiko war also über den gesamten Zeitraum gerechnet etwa 50 % erhöht (HR 1,5; 95%-KI 1,4–1,5).

Das höchste Risiko hatten Patienten mit Perikarderguss, es war mehr als doppelt so hoch im Vergleich zur Normalbevölkerung. Auch bei Patienten mit autoimmunologischer Erkrankung war das Krebsrisiko zusätzlich erhöht.

Ziemlich deutlich wird, dass die Krebserkrankungen in der Regel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Perikardproblematik stehen. Allein 376 der Krebserkrankungen bei den Perikarditis-Patienten traten in den ersten drei Monaten auf. Das entspricht einem zwölffach erhöhten Risiko (HR 12,4; 95%-KI 11,2–13,7). Anders ausgedrückt: Bei einem von 37 Patienten mit Perikarditis wird innerhalb von drei Monaten eine bösartige Tumorerkrankung diagnostiziert. Meist ist das Lungenkrebs. Aber auch hämatologische Tumore sind stark mit der Perikarditis assoziiert. Insbesondere das Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome ist in den ersten drei Monaten nach Diagnose 30fach und das für myeloische Leukämien knapp 50fach erhöht.

Gut zu wissen: Jenseits des ersten Jahres nach Diagnose der Perikarditis ist das Thema „erhöhtes Krebsrisiko“ nahezu vernachlässigbar. Die Wahrscheinlich einer Krebsdiagnose ist dann statistisch noch 10 % erhöht, was an der Grenze zur Signifikanz ist. Was die dänischen Forscher auch zeigen können ist, dass die Perikarditis einen gewissen prognostischen Wert bei Krebspatienten hat. Lag sie vor, betrug die 1-Jahres-Sterblichkeit 65 %, ohne Perikarditis waren es 70 %.

Literatur

Søgaard KK et al. Pericarditis as a Marker of Occult Cancer and a Prognostic Factor for Cancer Mortality. Circulation. 29. Juni 2017; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.024041

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org