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29.04.2016 | Nachrichten

GLP-1-Agonist Semaglutid

Erneut überrascht ein Antidiabetikum mit kardioprotektiver Wirkung

Autor:
Peter Overbeck

In Sachen medikamentöse Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen sorgen momentan vor allem neue Antidiabetika für Schlagzeilen. Mit Semaglutid scheint nun innerhalb kurzer Zeit bereits der dritte Wirkstoff gefunden worden zu sein, der nicht nur den Blutzucker, sondern auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse signifikant senkt.

Die Erwartung, bei Patienten mit Typ-2-Diabetes durch eine Behandlung mit blutzuckersenkenden Antidiabetika innerhalb eines überschaubaren Zeitraums die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse substanziell reduzieren zu können, war lange Zeit eher gering. Doch seit Kurzem mehren sich diesbezüglich die Erfolgsmeldungen.

Den Auftakt machte Ende 2015 der SGLT2-Hemmer Empagliflozin in der EMPA-REG-OUTCOME-Studie, an der mehr als 7.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beteiligt waren. In dieser Studie konnte erstmals überzeugend belegt werden, dass ein antidiabetisch wirkendes Medikament bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Komplikationen signifikant verringert.

Anfang März 2016 informierte dann das Unternehmen Novo Nordisk die Öffentlichkeit über positive „Top-Line“-Ergebnisse der placebokontrollierten LEADER-Studie, in der die kardiovaskuläre Sicherheit des GLP-1-Analogons Liraglutid bei 9340 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulären Risiko über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren untersucht worden war. Der primäre kombinierte Endpunkt setzte sich aus den Ereignissen kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt und nicht-tödlicher Schlaganfall zusammen.

Für diesen Studienendpunkt konnte laut Pressemitteilung sowohl die Nicht-Unterlegenheit als auch die Überlegenheit von Liraglutid im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden. Die detaillierten Ergebnisse sollen bei der Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) im Juni 2016 in New Orleans präsentiert werden.

Nach Liraglutid nun auch Semaglutid

Und nach Empagliflozin und Liraglutid scheint sich auch der GLP-1-Agonist Semaglutid in den Kreis derjenigen Antidiabetika einzureihen, die über den Blutzucker hinaus auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren.

Wieder ist es das Unternehmen Novo Nordisk, dass auch zu Semaglutid erfreuliche „Top-Line“-Ergebnisse zu berichten weiß. Demnach hat sich Semaglutid in der SUSTAIN-6-Studie mit Blick auf kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu Placebo nicht nur als ebenbürtig („nicht unterlegen“), sondern zugleich  als überlegen erweisen. Will heißen: Das Risiko für Ereignisse des primären Studienendpunkts (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) wurde signifikant verringert. Konkrete Zahlen etwa zur Höhe der Ereignisraten und ihrer Reduktion werden ebenso wie im Fall der LEADER-Studie noch nicht genannt.

Studien bei 3300 Patienten mit Diabetes

In der SUSTAIN-6-Studie sind rund 3300 Patienten mit Typ-2-Diabetes knapp zwei Jahre lang mit Semaglutid, das einmal pro Woche subkutan injiziert wurde, behandelt worden. Im Studienverlauf wurden rund 250 kardiovaskuläre Ereignisse registriert. 

Am Phase-III-Forschungsprogramm SUSTAIN, das mehrere Studien umfasst und der klinischen Prüfung der einmal wöchentlich zu applizierenden Semaglutid-Formulierung dient, sind insgesamt rund 7000 Patienten mit Typ-2-Diabetes beteiligt. Auch eine orale Formulierung befindet sich in der Entwicklung. Geplant sei, die Zulassung von Semaglutid in den USA und in der EU im vierten Quartal 2016 zu beantragen, teilt Novo Nordisk mit.
 

Literatur

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