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29.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: „Real-world“-Analyse

Aortenstenose und älter als 90 Jahre: Auch da ist TAVI eine Therapieoption

Autor:
Peter Overbeck

Auch für Patienten, die 90 Jahre oder älter sind und eine schwere Aortenstenose entwickeln, kann die Implantation einer Transkatheter-Aortenklappe noch eine gute Therapieoption sein, wie Ergebnisse einer Analyse von „Real world“-Daten nahelegen.

Die Lebenserwartung in der Bevölkerung nimmt zu – auch in Deutschland. Deshalb verwundert nicht, dass unter den Patienten mit schwerer Aortenstenose die Zahl derjenigen zunimmt, die 90 Jahre und älter sind.

Die minimalinvasive Transkatheter-Aortenklappen-Implantationen (TAVI) hat sich gerade bei älteren und häufig multimorbiden Risikopatienten mit Aortenstenose als Therapieverfahren bewährt. Über Sicherheit und Effektivität dieser Methode speziell bei hochbetagten Patienten weiß man allerdings noch relativ wenig. In klinischen Studien war diese Altersgruppe nur als kleine Minderheit vertreten.

Eine Beobachtungsstudie brasilianischer Kardiologen liefert dazu nun neue Erkenntnisse. Dr Adriano Caixeta, interventioneller Kardiologe am Hospital Israelita Albert Einstein in São Paulo, hat die Ergebnisse beim Kongress der Europäischen Kardiologie-Gesellschaft ESC in Barcelona präsentiert.

Basis der Analyse bildeten die Daten von 819 Patienten mit schwerer Aortenstenose, die zwischen 2008 und Februar 2015 einer TAVI unterzogen und in ein brasilianisches Multicenter-Register aufgenommen worden waren.

Von diesen Patienten waren 735 jünger als 90 alt, während 84 (10,2 %) diese Altersgrenze schon überschritten hatte. Der Altersunterschied zwischen beiden Gruppen betrug im Schnitt 12 Jahre (80,1 vs. 92,4 Jahre). Im Vergleich zu den jüngeren waren die älteren Patienten kränker, ihr Risiko im Fall einer Operation war dementsprechend signifikant höher (STS-Risikoscore 13,19 vs. 9,87 %; p < 0,001).

Auf kürzere Sicht waren die Behandlungsergebnisse in der Gruppe der älteren Patienten schlechter: Zum Zeitpunkt 30 Tage nach TAVI war die Rate für die Gesamtmortalität in dieser Altersgruppe signifikant höher als bei den jüngeren Patienten (15,6 vs. 8,4 %; p = 0,04).

Nach einem Jahr war dieser Unterschied dagegen verschwunden, die Mortalitätsraten waren bei den jüngeren und älteren Patienten nahezu gleich (21,8 vs. 20,9 %). Und auch zum Zeitpunkt nach zwei Jahren differierten beide Gruppen nach wie vor nur geringfügig (30,7 vs. 27,3 %). Erst in der Folgezeit war in der Gruppe der über 90-Jährigen ein relativer Anstieg der Mortalität im Vergleich zur jüngeren Altersgruppe zu beobachten.

Nach Einschätzung von Caixeta sprechen diese Ergebnisse dafür, dass eine katheterbasierte Aortenklappen-Implantation auch bei betagten Patienten mit Aortenstenose sicher und effektiv ist und nicht als „aussichtslos“ qualifiziert werden kann.

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