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29.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: VIVA-Studie

Screening auf asymptomatische Gefäßerkrankungen kann Leben retten

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Ein systematisches Dreifach-Screening auf zwei vaskuläre Erkrankungen sowie auf Hypertonie bei älteren Männern hat sich in der dänischen VIVA-Studie als erfolgreich erwiesen. Als Folge der Früherkennung kam es zu einer Abnahme der Mortalität.

Die „Danish Viborg Vascular“ (VIVA)-Studie untersuchte den Einfluss eines Dreifach-Screening-Programms, das abdominelle Aortenaneurysmata, periphere Arterienerkrankungen (PAVK) und Bluthochdruck im Fokus hatte, hinsichtlich Mortalität und Kosteneffektivität. Es kam heraus, dass damit bei niedrigeren Kosten mehr Leben gerettet werden können, als das etwa bei europäischen Krebsfrüherkennungsprogrammen der Fall ist.

Die Untersucher um Studienleiter Prof. Dr. Jes Lindholt aus Odense sammelten für die prospektive randomisierte VIVA-Studie Daten von über 50.000 dänischen Männern, die zwischen 65 und 74 Jahre alt waren. Die Hälfte dieser Kohorte wurde zu dem Screening-Verfahren eingeladen, die andere Hälfte erhielt nur die Standardvorsorgeuntersuchungen. Als Endpunkt waren Todesfälle jeglicher Ursache binnen fünf Jahre definiert, der mittlere Follow-up-Zeitraum betrug 4,4 Jahre.

Zehnminütiger Triple-Check ergab Befunde bei jedem Fünften

Zwei dafür geschulte Krankenschwestern führten bei den Teilnehmern des Screenings eine Ultraschall-Untersuchung der Bauchaorta und eine Blutdruckmessung durch, außerdem ermittelten sie den Knöchel-Arm-Index (ABI). Das dauerte insgesamt ca.10 Minuten.

Überraschend war das Ergebnis mit positiven Befunden bei über 20 % der Untersuchten: Bei 11 % wurde eine PAVK diagnostiziert, bei weiteren 11 % bestand der Verdacht auf einen unbehandelten Bluthochdruck und bei 3 % wurde ein Aortenaneurysma gefunden. Alle Patienten mit einem Befund wurden der weiteren Abklärung und einer adäquaten Therapie zugeführt. Allerdings stellten sich 11,1 % der PAVK-Diagnosen als falsch positiv heraus.

Mortalität signifikant um 7 % niedriger

Am Ende der Follow-up-Zeit hatten in der Screening-Gruppe 149 Personen mehr überlebt als in der Standardgruppe (2.715 vs. 2.566). Das bedeutet: 169 Männer mussten gescreent werden, um ein Leben zu retten, was – verglichen mit den Patienten ohne Screening – einer statistisch signifikanten Reduktion des relativen Mortalitätsrisikos von 7 % entspricht (p = 0,01).

Ein Ergebnis dieser Größenordnung konnte bisher noch kein Screening-Programm für die Allgemeinbevölkerung zeigen, betonte Lindholt. Er erklärt das mit der 2,5-mal häufigeren Behandlung von Aneurysmata und der doppelt so hohen Rate an antithrombotischen und lipidsenkenden Therapien, die infolge der Screening-Ergebnisse zustande kamen.

Die Kosteneffektivität sieht der Koautor und Gesundheitsökonom Prof. Dr. Rikke Sørgaard aus Aarhus gegeben. Mit Zusatzkosten von 148 Euro pro Bürger im Vergleich zur Standardversorgung und geschätzten 6.873 Euro pro Lebensjahr bzw. 7.716 Euro für jedes durch das Screening gewonnene qualitätsadjustierte Lebensjahr liegt die Wahrscheinlichkeit der Kosteneffektivität bei 97 % bzw. 96 %. Etwa 7.000 Euro pro gewonnenes Lebensjahr seien gemäß europäischem Standard nicht viel, so Sørgaard.

Großflächige Anwendung des Screenings ist noch fraglich

In ihrem zeitgleich zur Studienpublikation in Lancet erscheinenden Kommentar zu diesen Ergebnissen äußeren sich Dr. Chadi Ayoub und Dr. Hassan Murad von der Mayo-Klinik, Rochester, USA, allerdings kritisch hinsichtlich einer breiten Implementierung dieses Screenings und fordern weitere Untersuchungen.

Zum einen seien bisher weder Frauen noch andere Ethnien oder Altersgruppen berücksichtigt worden, zum anderen sei die Dreifach-Screening-Kombination bedenklich, da bisher nicht durch randomisierte Studien belegt wäre, dass ABI-Screening bei asymptomatischen Patienten effektiv ist. Das Verhältnis von Benefit zu möglichen Schäden des Screenings durch Überdiagnosen und unnötige Folgetherapien sei noch nicht ausgewogen genug, so die Kommentatoren.

Literatur

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