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29.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Im Vergleich zur Intubation

Herzkreislaufstillstand: Mehr Komplikationen mit Beutel-Maske-Beatmung

Autor:
Veronika Schlimpert

Wider Erwarten ließ sich mit einer Beutel-Maske-Beatmung die Prognose von Patienten mit einem Herzkreislaufstillstand im Vergleich zur Intubation nicht verbessern. Im Gegenteil: In einer randomisierten Studie ging diese Methode mit mehr Komplikationen einher.

Eine Beutel-Maske-Beatmung kann die Atemwegssicherung offensichtlich nicht erleichtern. In der beim ESC-Kongress vorgestellten, randomisierten CAAM-Studie hatten die Anwender damit mehr Schwierigkeiten als mit dem bisher üblichen Verfahren, bei dem ein Endotrachealtubus eingeführt wird. Der Beatmungsbeutel war auch mit mehr Komplikationen verbunden. Die erhoffte Prognoseverbesserung blieb dagegen aus.

Übliche Vorgehensweise nicht ändern

„Wir sollten das Atemwegsmanagement unserer Patienten nicht ändern“, lautete das Fazit des Studienleiters Prof. Frederic Adnet vom Avicenne Hospital, der die Ergebnisse auf einer Hotline-Session beim ESC-Kongress in Barcelona vorstellte. Wie er berichtete, wird in Frankreich und anderen europäischen Ländern die Beutel-Maske-Beatmung als Alternative zur invasiven Atemwegssicherung verwendet. Die Handhabung erscheint leichter und mehrere Beobachtungsstudien deuteten an, dass die Prognose damit besser ist.

Diese angeblichen Vorteile ließen sich in der CAAM-Studie nicht bestätigen. An mehreren Zentren in Frankreich und Belgien wurden mehr als 2.000 Patienten mit einem Herzkreislaufstillstand außerhalb des Krankenhauses nach einem Wiederbelebungsversuch entweder mithilfe eines Beatmungsbeutels künstlich beatmet oder durch eine endotracheale Intubation.

Dieselbe Prognose

Nach 28 Tagen haben 4,2 % der Patienten in der Gruppe mit Masken-Beutel-Beatmung ohne neurologische Einschränkungen überlebt und 4,3 % der Patienten, die einen Endotrachealtubus gelegt bekommen haben. Generell lag die Überlebensrate zu diesem Zeitpunkt bei 5,4 vs. 5,3 %. Bei 34,2 vs. 38,9 % kam es zur Rückkehr eines Spontankreislaufes.

Die Prognose war somit mit beiden Verfahren vergleichbar. Was die Sicherheit betrifft, war die Masken-Beutel-Beatmung allerdings klar unterlegen.

Mehr Schwierigkeiten mit Beatmungsbeutel

Bei 6,3 % der Patienten waren die Anwender nicht in der Lage, die Atemwege durch den Beatmungsbeutel zu sichern, 18,1 % hatten Schwierigkeiten damit. Mit dem Endotrachealtubus war dies bei entsprechend 2,5 % und 13,4 % der Patienten der Fall.

Bei 14,9 % der Patienten kam es während der Masken-Beutel-Beatmung zu einer Regurgitation von Mageninhalt, bei einer endotrachealen Intubation trat diese Komplikation dagegen nur in 7,7 % der Fälle auf.

Eine standardmäßige Anwendung der Beutel-Maske-Beatmung zur Beatmung von Patienten mit einem Kreislaufstilland könne nach diesen Studienergebnissen somit nicht empfohlen werden, kommentierte Adnet in einer ESC-Pressemitteilung.

Auch in der Literatur wird darauf hingewiesen, dass die Handhabung des Beatmungsbeutels ein gewisses Maß an Geschick erfordert, da es schwierig ist, die Maske dicht auf das Gesicht des Patienten zu setzen. Um dadurch entstehende Komplikationen wie Hypoventilation und Regurgitationen zu vermeiden, empfehlen Experten die 2-Helfer-Technik. Ob und wie häufig diese in der vorliegenden Studie zum Einsatz kam, ist den präsentierten Daten allerdings nicht zu entnehmen.

Literatur

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