Skip to main content
main-content

30.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Vorsicht bei kardiovaskulären Risiko-Patienten

Ibuprofen erhöht den Blutdruck

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Das frei verkäufliche nicht steroidale Antirheumatikum Ibuprofen scheint weniger sicher zu sein als bisher gedacht. Im Vergleich zu anderen NSAR führt es laut einer beim europäischen Herzkongress vorgestellten Studie zu einer relevanten Blutdruckerhöhung.

„Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko einiger nicht steroidaler Antirheumatika könnte zum Teil auf einem blutdrucksteigernden Effekt beruhen“, berichtete Prof. Frank Ruschitzka von der Kardiologischen Universitätsklinik in Zürich. Bei der Jahrestagung 2017 der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Barcelona hatte er erstmals die Ergebnisse der PRECISION-ABPM-Studie (Prospective Randomised Evaluation of Celecoxib Integrated Safety versus Ibuprofen Or Naproxen Ambulatory Blood Pressure Measurement Trial) vorgestellt.

Doppelblindstudie vergleicht Ibuprofen, Celecoxib und Naproxen

In der Doppelblindstudie waren 444 Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis, bei denen zudem kardiovaskuläre Risikofaktoren bestanden, unter Esomeprazol-Schutz in drei Armen mit Celecoxib (durchschnittliche Dosis: 208 mg/Tag), Ibuprofen (2.030 mg/Tag) oder Naproxen (852 mg/Tag) behandelt worden. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung des 24-Stunden-Blutdruckes nach viermonatiger Therapie.

24-Stunden-Blutdruck steigt um 4 mmHg unter Ibuprofen

Celecoxib hatte nahezu keinen Effekt auf den systolischen und diastolischen 24-Stdunden-Blutdruck (-0,3/+0,1 mmHg). Auch bei Naproxen fielen die Veränderungen moderat aus (+1,6/+0,7 mmHg). Bei Iburprofen waren die Blutdruckveränderungen hingegen durchaus relevant (+3,9/+0,8 mmHg). 23,2 % der Ibuprofen-Patienten entwickelten eine Hypertonie, im Vergleich zu 19 % unter Naproxen und 10,3 % unter Celecoxib.

„Die Ergebnisse sprechen einmal mehr dafür, dass Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren den Arzt konsultieren sollten, bevor sie Schmerzmittel einnehmen“, so Ruschitzka. Auf Schmerzmittel zu verzichten sei aber auch keine Lösung, weil unbehandelte Schmerzen ebenfalls einen kardiovaskulär relevanten Stressfaktor darstellen. Durch die richtige Wahl kann das Risiko aber minimiert werden.

Die PRECISION-ABPM-Studie war eine Substudie der Ende 2016 publizierten viel größeren PRECISION-Studie, die bei über 24.000 Patienten das kardiovaskuläre Nebenwirkungsrisiko der drei Antirheumatika verglichen hatte. Die Studie hatte gezeigt, dass Celecoxib den beiden Vergleichspräparaten nicht unterlegen war. In der On-treatment-Analyse hatte Celecoxib gegenüber Ibuprofen weniger kardiovaskuläre, weniger gastrointestinale und weniger renale Nebenwirkungen verursacht.

Literatur

Weiterführende Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Neueste Kongressmeldungen

14.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Koronare Bypass-OP: Vermeintlich bessere Operationstechnik langfristig ohne erhofften Vorteil

Die Erwartung, dass sich durch beidseitige Verwendung der A. mammaria interna als Bypassgraft  die klinischen Ergebnisse der koronaren Bypass-Operation auf längere Sicht verbessern lassen, ist in der bislang größten Studie zum Vergleich von herzchirurgischen Techniken  der Revaskularisation nicht bestätigt worden.

12.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Shunt-Device bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion erweist sich als sicher

Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraction) ist derzeit ein  erfolgversprechendes katheterbasiertes Therapiekonzept in der klinischen Erprobung. 1-Jahres-Ergebnisse einer Phase-II-Studie sind beim ESC-Kongress vorgestellt worden.

11.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Sartan verlangsamt Aortendilatation bei Marfan-Syndrom

Patienten mit Marfan-Syndrom könnten von einer frühen Irbesartan-Gabe profitieren. In einer randomisierten Studie konnte das Sartan die progrediente Ausdehnung der Aortenwurzel hinauszögern, sowohl alleine als auch ergänzend zu einer Betablocker-Therapie.

Neueste Kongresse

TCT-Kongress 2018

Die Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie, findet vom 21.–25.09. 2018 in San Diego statt. Die Highlights finden Sie hier.

ESC-Kongress 2018

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), der weltweit größte Herz-Kreislauf-Kongress, findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. August in München statt. Ein Highlight sind die Hot-Line-Sessions. Die dort vorgestellten Studienergebnisse könnten die Praxis verändern. In unserem ESC-Kongressdossier können Sie diese und viele weitere spannende Themen nachlesen.

EuroPCR-Kongress 2018

Vom 22 bis 25. Mai 2018 findet in Paris der EuroPCR statt, einer der weltweit wichtigsten Kongresse zum Thema Interventiologie. Viele spannende Studien werden erwartet. Die Highlights haben wir für Sie in diesem Dossier zusammengefasst.

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise