Skip to main content
main-content

27.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Verdacht auf Herzinfarkt

Troponin-Tests: 1-Stunden-Algorithmus erweist sich als sehr sicher

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Bei Herzinfarkt-Verdacht kann heute mit Hilfe hochsensitiver Troponin-Tests innerhalb nur einer Stunde die Diagnose mit großer Sicherheit erhärtet oder ausgeschlossen werden. Dies bestätigen Ergebnisse einer Validierung  in der bislang größten  Studie.

Wenn Brustschmerz-Patienten in eine Notfall-Ambulanz kommen, muss es schnell gehen: Patienten, die tatsächlich einen Nicht-ST-Streckeninfarkt haben, müssen zügig identifiziert und behandelt werden („time is muscle“). Beim Gros der Patienten, bei denen keine kardiale Ursache für die Beschwerden besteht, sollten alternative Ursachen für Beschwerden möglichst früher entdeckt und behandelt werden oder eine frühe Entlassung erwogen werden..

ESC empfiehlt den 1-Stunden-Algorithmus

Früher dauerte diese „Triage“ 3 bis 6 Stunden. Vor 2 ½ Jahren berichtete die Hamburger Arbeitsgruppe um Prof. Stefan Blankenberg über Ergebnisse der BACC-Studie, wonach  die Zeit auf eine Stunde verkürzt werden kann, wenn hochsensitive Troponin-Assays verwendet werden. Diese haben sich mittlerweile durchgesetzt: Auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt in ihren Leitlinien den 1-Stunden-Algorithmus zum Ausschluss eines Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkts (NSTEMI). Allerdings sind Bedenken laut geworden, dass dieser Algorithmus bei Patienten, die sehr früh nach Symptombeginn in der Notaufnahme erscheinen, unsicher sein könnte.

Auf dem europäischen Herzkongress 2017 in Barcelona berichtete nun eine internationale Autorengruppe unter Vorsitz von Dr. Raphael Twerenbold von der Universitätsklinik Basel, dass der 1-Stunden-Algorithmus tatsächlich sehr sicher und effektiv ist – auch bei den „frühen“ Patienten. Die Autoren hatten zwecks  Algorithmus-Validierung die Patientendaten der beiden prospektiven Studien  APACE und BACC ausgewertet.

Ausschlussdiagnose mit hoher Sicherheit

In diesen Studien waren 4350 nicht selektierte Patienten untersucht worden, die mit Symptomen, die an einen Herzinfarkt denken lassen, in den Notfall-Ambulanzen in sechs europäischen Ländern vorstellig wurden. Bei 743 Patienten (17%) wurde letztlich die Diagnose NSTEMI bestätigt.

Bei allen Patienten wurden, in Kombination mit der klinischen Evaluation und einem EKG, sofort sowie nach einer Stunde mit hochsensitiven Essays die Troponin-Werte bestimmt (hs-cTnT Elecsys und hs-cTnI Architect).

Die Qualität der Ausschlussdiagnose nach einer Stunde wurde mit den negativen prädiktiven Werten beurteilt. Dieser beliefen sich auf 99,8% (hs-cTnT) und 99,6% (hs-cTnI). Die Sensitivität lag bei 99,3% und 98,8%, berichtete Twerenbold.

Auch die Effektivität der Tests ist gut

Die positiven prädiktiven Werte betrugen 74,7% (hs-cTnT) und 64,2%  (hs-cTnI), die Spezifitäten jeweils 94,5% und 90,4%. Die Effektivität der Rule-in oder Rule-out-Entscheidungen sei somit hoch gewesen, resümierte Twerenbold.

In einer separaten Analyse ist die Leistungsstärke des  1-Stunden-Algorithmus  in der Subgruppe der  1289 Patienten mit früher Präsentation nach Symptombeginn (early presenters) analysiert worden. Auch in dieser bislang größten untersuchten Population entsprechender Patienten konnten Sicherheit und  Effektivität bestätigt werden, betonte Twerenbold.

Viele Krankenhäuser sind dabei, die Umsetzung der ESC-Empfehlung zu erwägen.  Diese Daten sind ein Grund mehr, bei NSTEMI-Verdacht  auf den 1-Std.-Algorithmus umzustellen.

Literatur

Weiterführende Themen

Das könnte Sie auch interessieren

31.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Ausschlussdiagnose Herzinfarkt jetzt noch schneller

Neueste Kongressmeldungen

14.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Koronare Bypass-OP: Vermeintlich bessere Operationstechnik langfristig ohne erhofften Vorteil

Die Erwartung, dass sich durch beidseitige Verwendung der A. mammaria interna als Bypassgraft  die klinischen Ergebnisse der koronaren Bypass-Operation auf längere Sicht verbessern lassen, ist in der bislang größten Studie zum Vergleich von herzchirurgischen Techniken  der Revaskularisation nicht bestätigt worden.

12.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Shunt-Device bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion erweist sich als sicher

Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraction) ist derzeit ein  erfolgversprechendes katheterbasiertes Therapiekonzept in der klinischen Erprobung. 1-Jahres-Ergebnisse einer Phase-II-Studie sind beim ESC-Kongress vorgestellt worden.

11.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Sartan verlangsamt Aortendilatation bei Marfan-Syndrom

Patienten mit Marfan-Syndrom könnten von einer frühen Irbesartan-Gabe profitieren. In einer randomisierten Studie konnte das Sartan die progrediente Ausdehnung der Aortenwurzel hinauszögern, sowohl alleine als auch ergänzend zu einer Betablocker-Therapie.

Neueste Kongresse

TCT-Kongress 2018

Die Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie, findet vom 21.–25.09. 2018 in San Diego statt. Die Highlights finden Sie hier.

ESC-Kongress 2018

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), der weltweit größte Herz-Kreislauf-Kongress, findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. August in München statt. Ein Highlight sind die Hot-Line-Sessions. Die dort vorgestellten Studienergebnisse könnten die Praxis verändern. In unserem ESC-Kongressdossier können Sie diese und viele weitere spannende Themen nachlesen.

EuroPCR-Kongress 2018

Vom 22 bis 25. Mai 2018 findet in Paris der EuroPCR statt, einer der weltweit wichtigsten Kongresse zum Thema Interventiologie. Viele spannende Studien werden erwartet. Die Highlights haben wir für Sie in diesem Dossier zusammengefasst.

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise