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04.09.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Kakaoprodukt im Test

Die Schokoladenseite des Herzens

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Dunkle Schokolade, mit Olivenöl angereichert, könnte für Herz und Gefäße gesundheitlich von Vorteil sein. Anhaltspunkte dafür fanden italienische Forscher um Dr. Rossella Di Stefano von der Universität in Pisa in einer kleinen randomisierten Studie.

Dass Kakaoprodukten wie dunkler Schokolade kardioprotektive Eigenschaften zugeschrieben werden, ist nicht neu. Verantwortlich dafür sollen u.a. darin enthaltene Flavonoide sein. Auch natives Olivenöl und Äpfel – beide reich an Polyphenolen – wirken sich günstig auf die Gesundheit aus, wenn sie auf dem Speiseplan stehen.

Für gesunde Gefäße spielen auch endotheliale Progenitorzellen (EPC), die im Knochenmark gebildet werden, eine wichtige Rolle. Sie sorgen für Reparaturen an den Gefäßwänden und eine reibungslose Endothelialfunktion. Bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren ist die Menge der zirkulierenden EPC allerdings reduziert.

Neue Schokosorte auf dem kardiovaskulären Prüfstand

Italienischen Forscher haben nun untersucht, wie sich der Verzehr von dunkler Schokolade mit einem Kakaoanteil von 70 % und angereichert mit 10 % nativem Olivenöl oder mit 2,5 % getrockneten roten Panaia-Äpfeln (die besonders viele Polyphenole und Antioxidanzien enthalten sollen), auf die EPC-Konzentration im Blut sowie auf die Atherosklerose-Progression auswirkt.

Dazu wurden 30 gesunde Probanden (Durchschnittsalter 51 ± 9 Jahre), die mindestens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren (Rauchen, Dyslipidämie, Bluthochdruck und/oder kardiovaskuläre Erkrankungen in der Familienanamnese) haben mussten, randomisiert. Über 28 Tage bekamen sie täglich 40 g der dunklen Schokolade, die entweder Olivenöl oder getrockneten Apfel enthielt. Nach 14 Tagen erfolgte ein Wechsel der Sorte (Cross-over).

Von allen 26 Teilnehmern, die bis zum Ende dabei blieben, wurden vor und nach der Schokoladenverzehrperiode Blut- und Urinproben gesammelt und ausgewertet. Die Menge zirkulierender EPCs wurde mittels Flusszytometrie bestimmt. Neben Alter, Geschlecht und Raucherstatus wurden BMI, Blutdruck, Glykämie- und Lipidprofil erfasst. Der Level der Stoffwechselparameter Carnitin und Hippurat diente als Maßstab für die Progression der Atherosklerose.

Mehr endotheliale Progenitorzellen und höheres HDL-Cholesterin

Nach vier Wochen zeigte sich, dass die mit getrocknetem Apfel angereicherte Schokolade außer einem nicht signifikanten Rückgang der Triglyzeride keine ausgeprägten Effekte herbeiführen konnte, was auch an der geringen Menge des Apfelzusatzes liegen könnte, so Di Stefano.

Die olivenölhaltige Variante der Dunkelschokolade führte dagegen zu einem signifikanten Anstieg der EPCs (174 ± 99 vs. 125 ± 96 mit Apfelschokolade; p < 0,05) und senkte auch die Carnitin- und Hippuratwerte (-14,5 bzw. -22 %), respektive das atherosklerotische Risiko. Zudem waren nach Genuss der Olivenöl-Schokolade ein signifikanter Anstieg des HDL-Cholesterinwertes und eine moderate Senkung des diastolischen Blutdrucks zu verzeichnen.

Täglich eine kleine Portion dunkle Schokolade, die mit natürlichen Polyphenolen aus nativem Olivenöl angereichert ist zu essen, erhöhe die Menge der zirkulierenden EPCs und könne langfristig positive Effekte auf das kardiovaskuläre Risiko haben, resümierte Di Stefano.

Den Sponsor der Untersuchung, den toskanischen Hersteller dieser neuen Schokoladenvariante „Toscolata Olio“ aus Arezzo, wird das freuen – denn eine Tafel davon kostet 11 Euro. Ob aber 40 g Schokolade, lebenslänglich täglich gegessen, nicht irgendwann auch negative metabolische Effekte haben könnten, wurde nicht besprochen.

Literatur

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