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04.09.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Analyse gepoolter Daten aus zwei Studien

ST-Hebungsinfarkt: Niedrigere Mortalität bei früher Aldosteron-Blockade

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Bei Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) scheint die frühzeitige Gabe eines Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten mit einer deutlichen Reduktion der Sterblichkeit verbunden zu sein, wie eine Analyse gepoolter Daten der Studien ALBATROSS und REMINDER nahelegt.

Hohe Aldosteron-Konzentrationen nach einem Herzinfarkt gehen mit schlechteren Überlebenschancen einher. Eine medikamentöse Aldosteronblockade verringert nachweislich die Sterblichkeit bei schwerer oder symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz sowie dann, wenn der Patient nach einem Herzinfarkt eine Herzschwäche entwickelt.

Ob Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) auch in der Akuttherapie des Herzinfarktes wertvoll sind, untersuchten die Studien ALBATROSS und REMINDER. Beide Studien waren für sich allein zu klein, um einen Effekt auf die Mortalität aufzuzeigen. Die ALBATROSS-Studie hatte STEMI- und NSTEMI-Patienten an Bord, man fand ein potenziell günstiges Signal einer Canreonat/Spironolacton-Behandlung innerhalb von 72 Stunden bei den STEMI-Patienten (Beygui F et al. J Am Coll Cardiol. 2016;67:1917-27).

Die REMINDER-Studie hatte nur STEMI-Patienten rekrutiert und ergab eine klinische Endpunktreduktion durch frühe Eplerenon-Gabe innerhalb von 24 Stunden (Montalescot G et al. Eur Heart J. 2014;35:2295-302).

Für die nun vorgelegte Analyse sind die Daten auf Patientenebene von allen STEMI-Patienten beider Studien (1.229 Patienten aus ALBATROSS und 1.012 Patienten aus REMINDER) gepoolt worden.

Deutliche Reduktion der Mortalität

Die Ergebnisse waren – bei allerdings kleinen Ereigniszahlen – positiv für den primären Endpunkt der Mortalität nach 190 Tagen: Nur 4 der 1.118 (0,4 %) frühzeitig mit MRA behandelten STEMI-Patienten starben, im Vergleich zu 18 von 1.123 (1,6 %) Patienten der Kontrollgruppe (p = 0,006). Auf der anderen Seite entwickelten 37 (3,3 %) der Patienten mit MRA-Therapie eine Hyperkaliämie mit Werten über 5,5 mmol/l, im Vergleich zu 20 (1,8 %) Patienten der Kontrollgruppe (p = 0,03).

„Zwar ist die Evidenz einer gepoolten Analyse zweier Studien nicht so deutlich wie diejenige einer spezifischen prospektiven Studie. Dennoch unterstützen diese Daten die Gabe von MRA in dieser Indikation. Der Nutzen dieser kostengünstigen Therapie sollte weiter untersucht werden“, resümierte Studienleiter Prof. Farzin Beygui, Centre Hospitalier, Universität Caen in Frankreich.

Literatur

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