Nachrichten 28.08.2017

Vorhofflimmern bei Herzinsuffizienz: Katheterablation senkt Sterberisiko

Die Katheterablation von Vorhofflimmern könnte bei bestehender Herzinsuffizienz zur Standardtherapie werden. Wie sich in der CASTLE-AF-Studie herausstellte, sinkt das Sterberisiko der Patienten nach der Prozedur im Vergleich zur medikamentösen Therapie deutlich.

Die Katheterablation könnte sich auch Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz als Standardtherapie etablieren. In der beim ESC-Kongress präsentierten randomisierten CASTLE-AF-Studie mit knapp 400 Patienten ließ sich durch eine Pulmonalvenenisolation nicht nur die Vorhofflimmern-Last wirksam reduzieren. Auch das Sterberisiko der Patienten und die Rate an herzinsuffizienzbedingten Klinikeinweisungen gingen in der Folge deutlich zurück.

„Die Studie hat das Potenzial, das Management von Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu verändern“, wird der Koautor Prof. Johannes Brachmann vom Klinikum Coburg in einer Pressemitteilung der ESC zitiert.

Evidenz gestärkt

Bisher wurde die Katheterablation hauptsächlich bei Patienten mit Vorhofflimmern und normaler Herzfunktion angewandt. In den letzten Jahren deutete sich aber zunehmend an, dass die Intervention auch bei Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion eine hohe Erfolgsrate verspricht. So hatte die 2016 publizierte Studie von Di Biase et al. die gute Wirksamkeit der Intervention bei dieser schwer zu behandelnden Patientenpopulation erstmals an einer größeren Patientenzahl belegen können.

Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz reduziert

Die CASTLE-AF-Studie schreibt diese Erfolgsgeschichte nun fort. Prof. Nassir Marrouche von der Universität Utah Health in Salt Lake City hat die Ergebnisse auf einer ESC-Hotline-Session vorgestellt.

Nach einem mittleren Follow-up von 37,8 Monaten zeigte sich, dass die Sterblichkeit und die Rate an Klinikeinweisungen aufgrund einer sich verschlechternden Herzinsuffizienz  - der primäre Endpunkt – durch eine Katheterablation um 38% deutlich im Vergleich zur Standardtherapie gesenkt wurden (28,5 vs. 44,6%)­. Die Gesamtsterblichkeit ging um 47% zurück (13,4 vs. 25%), die kardiovaskuläre Mortalität um 51%. Auch die Häufigkeit von kardiovaskulär bedingten Klinikeinweisungen nahm um 28% ab.

Vorhofflimmern-Rezidive seltener

Im Studienverlauf waren Vorhofflimmern-Rezidive bei den Patienten, die eine Katheterablation erhielten, seltener als in der Standardtherapie-Gruppe. Auch die  linksventrikuläre Auswurffraktion verbesserte sich nach dem Eingriff deutlicher, nach 60 Monaten war der Unterschied statistisch signifikant.

 Insgesamt wurde in der multizentrischen Studie bei 179 Patienten aufgrund von paroxysmalen oder persistierenden Vorhofflimmern eine Radiofrequenz-Ablation vorgenommen. 185 Patienten erhielten eine nach den AHA/ACC- und ESC-Leitlinien von 2006 leitliniengerechte medikamentöse Vorhofflimmern-Therapie. Hierbei sollte, wenn möglich, ein Sinusrhythmus angestrebt werden.  

Mehrere Ablationen waren erlaubt

Alle Patienten hatten eine linksventrikuläre Auswurffraktion von ≤ 35% und eine NYHA-Klasse ≥ 2. Zu beachten ist auch, dass alle Teilnehmer bereits als Primär- oder Sekundärprävention einen ICD/CRT-D mit Homemonitoring-Funktion implantiert bekommen haben, was das Sterberisiko der Patienten in beiden Gruppen beeinflusst haben könnte.

Einschlusskriterium war zudem das Versagen oder eine bestehende Intoleranz von mindestens einem Antiarrhythmikum oder die Ablehnung des Patienten, ein solches Medikament zu nehmen.

Die hohe Erfolgsrate der Katheterablation ist sicherlich auch dem Umstand zu verdanken, dass den behandelnden Kardiologen erlaubt war, weitere Ablationen vorzunehmen, wenn sie dies für nötig hielten.

Literatur

Hot Line: Late-Breaking Clinical Trials 1 „Catheter ablation versus standard conventional treatment in patients with left ventricular dysfunction and atrial fibrillation: the CASTLE-AF trial”, ESC-Kongress, 27.08.2017 in Barcelona

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