Skip to main content
main-content

27.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Teufelskreis durchbrechen

Vorhofflimmern: Bessere Prognose mit früher Risikofaktoren-Kontrolle

Autor:
Veronika Schlimpert

Bei ausgewählten Patienten, die sowohl an persistierendem Vorhofflimmern wie auch einer Herzinsuffizienz leiden, kann eine frühe aggressive Behandlung von Risikofaktoren zusätzlich zur Rhythmuskontrolle die Progression der Erkrankung offenbar wirksamer aufhalten als die übliche Standardtherapie. Eine solche „Upstream“-Therapie hat sich in der RACE 3-Studie als wirksam erwiesen.

Die Progression von Vorhofflimmern lässt sich offenbar wirksamer hinauszögern, wenn zusätzlich zur Rhythmuskontrolle begleitende Risikofaktoren möglichst früh behandelt werden. Für die Wirksamkeit einer solchen „Upstream“-Therapie spricht die aktuell beim ESC-Kongress vorgestellte RACE 3-Studie mit 245 Teilnehmern.

„Die RACE 3-Studie könnte dazu beitragen, dass die Kontrolle von Risikofaktoren bei Patienten mit Vorhofflimmern in Zukunft mehr ins Blickfeld rückt, um deren Prognose zu verbessern“, lautet das Fazit von Isabel van Gelder aus Groningen, die die Studie auf dem ESC-Kongress in Barcelona vorstellte. Und eine solche Behandlung sollte offenbar möglichst früh einsetzen.

Frühes Intervenieren soll kardialem Remodelling entgegenwirken

In der prospektiven offenen Studie wurden nämlich Patienten eingeschlossen, die milde bis moderate Symptome oder Anzeichen einer Herzinsuffizienz aufwiesen und noch nicht lange an persistierendem Vorhofflimmern litten (länger als sieben Tage, aber weniger als sechs Monate).

Die Idee dahinter war, möglichst früh in der Entstehung der Rhythmusstörung einzugreifen und damit den Teufelskreis zu durchbrechen, in welchem Vorhofflimmern kardiale Umbauprozesse fördert, die dann wiederum die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigen.

Statine, MRA, ACE-Hemmer und Lebensstilintervention

Bestandteile der „Upstream“-Behandlung waren Statine, Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA), ACE-Hemmer und/oder Angiotensin-Rezeptorblocker und eine kardiales Rehabilitationsprogramm, welches ein angeleitetes moderates Bewegungsprogramm (2- bis 3-mal die Woche), eine Ernährungsberatung und -intervention sowie eine intensive Beratung hinsichtlich der Therapieadhärenz beinhaltete.

Statine werden pleitrope Effekte auf Entzündungsprozesse und oxidativem Stress nachgesagt, die das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern könnten. Körperliches Training soll sich auf das kardiale Remodelling positiv auswirken. Und auch bei Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) geht man davon aus, dass sie durch ihre hämodynamischen Effekte und hemmenden Wirkung auf die kardiale Fibrosierung strukturellen Umbauprozessen entgegenwirken.

Eine solche Intervention wurde bei 119 Patienten mindestens drei Wochen vor der elektrischen Kardioversion on top zu einer leitliniengerechten Vorhofflimmern- und Herzinsuffizienz-Behandlung begonnen und für 12 Monate weitergeführt. Die Kontrollgruppe (126 Patienten) erhielt in dieser Zeit die übliche Standardtherapie.

Jeweils knapp 30 % der Teilnehmer wiesen bereits eine linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF) von < 45 % auf. Die restlichen Patienten hatten eine LVEF ≥ 45 % und eine NYHA-Klasse II–III oder herzinsuffizienzbedingte erhöhte NT-proBNP-Werte, echokardiografische Anzeichen einer linksventrikulären Dysfunktion oder Hinweise für eine strukturelle Herzerkrankung. Es handelte sich also um eine sehr ausgewählte Patientenpopulation.

Mehr Patienten im Sinusrhythmus mit aggressiver „Upstream“-Therapie

Ein Jahr nach der elektrischen Kardioversion befanden sich 75 % der Patienten in der Interventionsgruppe die meiste Zeit im Sinusrhythmus (6/7 der auswertbaren Zeit). In der Standardgruppe war dies bei 63 % der Patienten der Fall. Mit der aggressiven „Upstream“-Therapie ließ sich die Wahrscheinlichkeit für den Erhalt des Sinusrhythmus somit um 70 % steigern (Odds Ratio: 1,765; p = 0,021)

Damit sei die Überlegenheit dieser Strategie belegt worden, schlussfolgert van Gelder. Darüber hinaus wurden kardiovaskuläre Risikofaktoren wie der Blutdruck positiv beeinflusst. Der NT-proBNP-Spiegel nahmen signifikant ab. Die Zahl der erforderlichen antiarrhythmischen Medikamente und elektrischen Kardioversionen war in beiden Gruppen vergleichbar.

Aber: Kein Einfluss auf kardiales Remodelling

Auf Parameter des kardialen Remodellings habe die Behandlung allerdings keinen Einfluss gehabt, berichtete van Gelder. Bekanntermaßen würden die pathologischen Umbauprozesse im Herzen schon früh, deutlich vor der ersten Vorhofflimmern-Episode, einsetzen. „Obwohl wir früh begonnen haben, waren wir wahrscheinlich nicht früh genug dran.“

Eine frühe Kontrolle von Risikofaktoren inklusive einer Rhythmuskontrolle hält die Kardiologin trotzdem für eine sinnvolle Strategie, um den Sinusrhythmus in Patienten mit erst kurz andauerndem Vorhofflimmern und milder bis moderater Herzinsuffizienz aufrechtzuerhalten. „Die wichtige Botschaft aus dieser Studie ist, dass wir die Patienten früh behandeln müssen.“

Literatur

Weiterführende Themen

Neueste Kongressmeldungen

14.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Koronare Bypass-OP: Vermeintlich bessere Operationstechnik langfristig ohne erhofften Vorteil

Die Erwartung, dass sich durch beidseitige Verwendung der A. mammaria interna als Bypassgraft  die klinischen Ergebnisse der koronaren Bypass-Operation auf längere Sicht verbessern lassen, ist in der bislang größten Studie zum Vergleich von herzchirurgischen Techniken  der Revaskularisation nicht bestätigt worden.

12.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Shunt-Device bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion erweist sich als sicher

Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraction) ist derzeit ein  erfolgversprechendes katheterbasiertes Therapiekonzept in der klinischen Erprobung. 1-Jahres-Ergebnisse einer Phase-II-Studie sind beim ESC-Kongress vorgestellt worden.

11.09.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Sartan verlangsamt Aortendilatation bei Marfan-Syndrom

Patienten mit Marfan-Syndrom könnten von einer frühen Irbesartan-Gabe profitieren. In einer randomisierten Studie konnte das Sartan die progrediente Ausdehnung der Aortenwurzel hinauszögern, sowohl alleine als auch ergänzend zu einer Betablocker-Therapie.

Neueste Kongresse

TCT-Kongress 2018

Die Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie, findet vom 21.–25.09. 2018 in San Diego statt. Die Highlights finden Sie hier.

ESC-Kongress 2018

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), der weltweit größte Herz-Kreislauf-Kongress, findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. August in München statt. Ein Highlight sind die Hot-Line-Sessions. Die dort vorgestellten Studienergebnisse könnten die Praxis verändern. In unserem ESC-Kongressdossier können Sie diese und viele weitere spannende Themen nachlesen.

EuroPCR-Kongress 2018

Vom 22 bis 25. Mai 2018 findet in Paris der EuroPCR statt, einer der weltweit wichtigsten Kongresse zum Thema Interventiologie. Viele spannende Studien werden erwartet. Die Highlights haben wir für Sie in diesem Dossier zusammengefasst.

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise