Nachrichten 30.08.2018

Bluttransfusion bei Herz-OP: Restriktive Handhabung hat auch langfristig keine negativen Folgen

Bei Herzoperationen ist es offensichtlich auch langfristig unproblematisch, wenn die Indikation für eine Bluttransfusion restriktiver gehandhabt wird.  

In der 2017 beim ESC-Kongress in Barcelona vorgestellten Analyse der TRICS III-Studie ist bereits belegt worden, dass restriktive Indikationsstellung für eine Bluttransfusion im Rahmen von Herzoperationen nach 28 Tagen genauso sicher ist wie eine liberalere Handhabung.

Nun wurden die 6-Monats-Daten auf dem ESC-Kongress in München präsentiert. Und auch hier konnte die Nichtunterlegenheit der restriktiven Strategie belegt werden.

Bei Herzoperationen treten Blutverluste auf, die eine Anämie verursachen können. Eine Anämie kann die Prognose der Patienten verschlechtern. Auf der anderen Seite bergen aber auch Transfusionen von Fremdblut Risiken.

Bei einem Hb unter 7,5 oder unter 9,5 g/dl

Ziel der TRICS III-Studie war es deshalb herauszufinden, ob bei Patienten mit einem EuroScore I ≥ 5 eine restriktive Indikationsstellung – also eine Bluttransfusion auf Intensivstation (ICU) oder Normalstation erst bei einem Hämoglobin (Hb) unter 7,5 g/dl einzuleiten – genauso sicher ist wie eine liberale Vorgehensweise, bei welcher die Transfusion schon dann eingeleitet wurde, wenn der Hb unter 9,5 g/dl (ICU) bzw. 8,5 g/dl (Normalstation) gefallen war.

Der primäre Endpunkt umfasste die Gesamtmortalität, Myokardinfarkt, Dialyse wegen neu aufgetretenem Nierenversagen und neue fokale neurologische Defizite nach sechs Monaten.  Sekundäre Endpunkte waren Rehospitalisation, Vorstellung in der Notfallambulanz und erneute Bypass-Op innerhalb von sechs Monaten.

Analysiert wurden schlussendlich 4.860 Patienten mit jeweils 2.430 pro Gruppe. Hierbei kam es bei 402 (17,4%) der restriktiven Gruppe und bei 402 Patienten der liberalen Gruppe (17,1%) zu einem primären Endpunkt, womit die Nichtunterlegenheit gezeigt werden konnte

Gleiches beim sekundären Endpunkt  mit 1.015 (43,8%) in der restriktiven und 1.006 Ereignissen (42,8%) in der liberalen Gruppe.

Ältere Patienten profitieren von der restriktiven Handhabung

In den Subgruppen zeigte sich einzig beim Alter ein Unterschied zwischen beiden Strategien: Patienten über 75 Jahre profierten signifikant vom restriktiven Protokoll, während jüngere Patienten tendenziell, aber nicht signifikant von der liberalen Vorgehensweise profitierten.

Etwas kritisch beurteilte Prof. Miguel Sousa Uva die aktuellen Ergebnisse. So machte der  in Portugal tätige Herzchirurg darauf aufmerksam, dass ziemlich viele Patienten aus unbekannten Gründen ausgeschlossen worden sind, nämlich 2.900 von insgesamt 14.700 möglichen Patienten. Letztlich seien nur 5.200 Patienten (35%) randomisiert worden und 9,7% seien innerhalb von 6 Monaten verloren gegangen.

Weiterhin wies Uva auf die erstaunlich guten Hb-Werte der Teilnehmer vor der Op (13 g/dl) und postoperativ (8 g/dl) hin. Er plädiert dafür, die Indikation zur Bluttransfusion nicht nur vom Hb, sondern auch von anderen klinischen Parametern abhängig zu machen.  

Unklar ist darüber hinaus, inwieweit das Alter der Patienten dabei eine Rolle spielt. Dies sollte man in weiteren Studien klären.

Literatur

C. David Mazer: TRICS III: Restrictive versus liberal red blood cell transfusion in cardiac surgery: 6 Month Data, ESC-Kongress, 26. August in München

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