Skip to main content
main-content

30.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

6-Monats-Daten der TRICS-III-Studie

Bluttransfusion bei Herz-OP: Restriktive Handhabung hat auch langfristig keine negativen Folgen

Autoren:
Dr. Norbert Smetak, PD Dr. Stefan Perings

Bei Herzoperationen ist es offensichtlich auch langfristig unproblematisch, wenn die Indikation für eine Bluttransfusion restriktiver gehandhabt wird.  

In der 2017 beim ESC-Kongress in Barcelona vorgestellten Analyse der TRICS III-Studie ist bereits belegt worden, dass restriktive Indikationsstellung für eine Bluttransfusion im Rahmen von Herzoperationen nach 28 Tagen genauso sicher ist wie eine liberalere Handhabung.

Nun wurden die 6-Monats-Daten auf dem ESC-Kongress in München präsentiert. Und auch hier konnte die Nichtunterlegenheit der restriktiven Strategie belegt werden.

Bei Herzoperationen treten Blutverluste auf, die eine Anämie verursachen können. Eine Anämie kann die Prognose der Patienten verschlechtern. Auf der anderen Seite bergen aber auch Transfusionen von Fremdblut Risiken.

Bei einem Hb unter 7,5 oder unter 9,5 g/dl

Ziel der TRICS III-Studie war es deshalb herauszufinden, ob bei Patienten mit einem EuroScore I ≥ 5 eine restriktive Indikationsstellung – also eine Bluttransfusion auf Intensivstation (ICU) oder Normalstation erst bei einem Hämoglobin (Hb) unter 7,5 g/dl einzuleiten – genauso sicher ist wie eine liberale Vorgehensweise, bei welcher die Transfusion schon dann eingeleitet wurde, wenn der Hb unter 9,5 g/dl (ICU) bzw. 8,5 g/dl (Normalstation) gefallen war.

Der primäre Endpunkt umfasste die Gesamtmortalität, Myokardinfarkt, Dialyse wegen neu aufgetretenem Nierenversagen und neue fokale neurologische Defizite nach sechs Monaten.  Sekundäre Endpunkte waren Rehospitalisation, Vorstellung in der Notfallambulanz und erneute Bypass-Op innerhalb von sechs Monaten.

Analysiert wurden schlussendlich 4.860 Patienten mit jeweils 2.430 pro Gruppe. Hierbei kam es bei 402 (17,4%) der restriktiven Gruppe und bei 402 Patienten der liberalen Gruppe (17,1%) zu einem primären Endpunkt, womit die Nichtunterlegenheit gezeigt werden konnte

Gleiches beim sekundären Endpunkt  mit 1.015 (43,8%) in der restriktiven und 1.006 Ereignissen (42,8%) in der liberalen Gruppe.

Ältere Patienten profitieren von der restriktiven Handhabung

In den Subgruppen zeigte sich einzig beim Alter ein Unterschied zwischen beiden Strategien: Patienten über 75 Jahre profierten signifikant vom restriktiven Protokoll, während jüngere Patienten tendenziell, aber nicht signifikant von der liberalen Vorgehensweise profitierten.

Etwas kritisch beurteilte Prof. Miguel Sousa Uva die aktuellen Ergebnisse. So machte der  in Portugal tätige Herzchirurg darauf aufmerksam, dass ziemlich viele Patienten aus unbekannten Gründen ausgeschlossen worden sind, nämlich 2.900 von insgesamt 14.700 möglichen Patienten. Letztlich seien nur 5.200 Patienten (35%) randomisiert worden und 9,7% seien innerhalb von 6 Monaten verloren gegangen.

Weiterhin wies Uva auf die erstaunlich guten Hb-Werte der Teilnehmer vor der Op (13 g/dl) und postoperativ (8 g/dl) hin. Er plädiert dafür, die Indikation zur Bluttransfusion nicht nur vom Hb, sondern auch von anderen klinischen Parametern abhängig zu machen.  

Unklar ist darüber hinaus, inwieweit das Alter der Patienten dabei eine Rolle spielt. Dies sollte man in weiteren Studien klären.

Literatur

Neueste Kongressmeldungen

12.06.2019 | Heart Failure 2019 | Nachrichten

Erhöht In-vitro-Fertilisation das Risiko für schwangerschaftsbedingte Herzerkrankungen?

Eine schwangerschaftsbedingte Herzschwäche tritt selten auf, kann aber lebensbedrohlich sein. Bei Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, ist das Risiko dafür fünfmal höher. Darauf weist eine neue Studie hin, die beim Heart Failure Kongress 2019 präsentiert wurde.

11.06.2019 | EuroPCR 2019 | Nachrichten

Renale Denervation: Kommt zur Blutdrucksenkung auch noch antiarrhythmisches Potenzial hinzu?

Das primär für die Blutdrucksenkung entwickelte Katheterverfahren der renalen Denervation scheint auch bezüglich einer prophylaktischen Wirkung gegen Vorhofflimmern Potenzial zu besitzen. Schon die mittlerweile zweite Studie deutet in diese Richtung.

06.06.2019 | Heart Failure 2019 | Nachrichten

Direkte Druckmessung im linken Vorhof: Erste Patienten erhalten neues LAP-Implantat

Eine dauerhafte Druckmessung im linken Vorhof könnte bei Herzinsuffizienz sowohl in der diagnostischen Abklärung als auch in der Therapiesteuerung helfen. Jetzt wurde bei zwei Patienten erstmals ein neues, drahtloses Implantat eingesetzt.

Neueste Kongresse

EuroPCR 2019

Zum 30-jährigen Jubiläum der diesjährigen EuroPCR-Tagung vom 21. bis 24. Mai in Paris werden wieder mehr als 11.000 Teilnehmer aus über 120 Ländern erwartet. Der Kongress gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen weltweit im Bereich interventionelle Kardiologie. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

DGK-Jahrestagung 2019

„Kardiovaskuläre Inflammation“ lautet das Thema der diesjährigen 85. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 24. bis 27. April in Mannheim, für die mehr als 8.000 Teilnehmer erwartet werden. In unserem Dossier haben wir die Highlights für Sie zusammengestellt.  

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Bildnachweise