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25.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

TIM-HF2-Studie vorgestellt

Deutsche Großstudie zum Telemonitoring bei Herzinsuffizienz endet mit Erfolg

Autor:
Philipp Grätzel

Nicht-depressive Patienten, die einen Klinikaufenthalt wegen Herzinsuffizienz hinter sich haben und eine Auswurffraktion  von maximal  45% aufweisen, profitieren stark von einer telemedizinischen Überwachung. Sterblichkeit und Krankenhaustage wurden in der TIM-HF2-Studie reduziert.

Die TIM-HF2-Studie war eine langjährige Studie zum Herzinsuffizienz-Telemonitoring, die ursprünglich im Raum Berlin gestartet war und dann auf fast ganz Deutschland ausweitet wurde. Am Ende haben 113 kardiologische Praxen und Zentren sowie zusätzlich 87 Hausarztpraxen Patienten für die Studie rekrutiert, sodass das ehrgeizige Rekrutierungsziel erreicht werden konnte: 1538 Patienten nahmen teil.

Strenge  Einschlusskriterien

Die Teilnehmer mussten in den zwölf Monaten vor Studienbeginn zumindest einmal wegen Herzinsuffizienz im Krankenhaus gewesen. Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion  (EF) durfte außerdem maximal 45% betragen. Patienten mit höherer EF waren nur zugelassen, wenn sie orale Diuretika einnahmen.

Schließlich wurden auch noch all jene Patienten von der Studie ausgeschlossen, die im Depressions-Screening auffällig waren. Hierzu wurde der PHQ-Score herangezogen, der maximal 9 Punkte erreichen durfte.

Die strengen Einschlusskriterien – ein Drittel der gescreenten Patienten fielen heraus – gingen auf die Vorgängerstudie TIM-HF zurück, eine damals vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Telemonitoringstudie bei Herzinsuffizienz mit breit gefassten Einschlusskriterien. In dieser Studie hatte die telemedizinische Überwachung keinen Vorteil gehabt.

Überlegenheit der Telemonitoring-Strategie

Diesmal sieht es anders aus. Die Telemonitoring-Gruppe der vom Bundesforschungsministerium geförderten TIM-HF2-Studie war der Standardgruppe beim  primären Studienendpunkt – „Zahl der durch ungeplante kardiovaskulär bedingte Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle verlorenen Tage“ –  deutlich überlegen: 17,8 Tage gingen in der Interventionsgruppe innerhalb eines Jahres „verloren“, gegenüber 24,2 Tagen in der Kontrollgruppe (p=0,046).

 Anschaulicher sind die sekundären Endpunkte: Die Gesamtsterblichkeit war um 30 Prozent geringer, sie betrug in der Telemonitoring-Gruppe 7,9% und bei Standardversorgung 11,3% in einem Jahr. Auch bei den ungeplanten Krankenhaustagen wegen Herzinsuffizienz gab es mit 3,8 gegenüber 5,6 Tagen einen signifikanten Vorteil. Bei den kardiovaskulär bedingten Krankenhaustagen insgesamt gab es keinen Unterschied, die kardiovaskuläre Mortalität war 33% niedriger, was knapp nicht signifikant war.

Sehr enge Betreuung als Erfolgsgarant?

Studienleiter Prof. Friedrich Köhler von der Charité Berlin, der die zeitgleich im Fachblatt „The Lancet“ publizierten Ergebnisse bei der Jahrestagung der ESC in München vorstellte, machte vor allem die sehr enge Betreuung der Patienten durch das telemedizinische Service-Center verantwortlich für den positiven Studienausgang. Je nach Bedarf wurden bei den Patienten telefonisch die Diuretikadosierungen angepasst, Arzttermine vereinbart oder Krankenhausaufenthalte organisiert. Basis war eine einmal tägliche Übertragung von Blutdruck, EKG, Gewicht, Sauerstoffsättigung und einem klinischen Kurzfragebogen.

Wie eng der Kontakt war, können die Berliner Forscher anhand ihrer elektronischen Patientenakten im telemedizinischen Servicecenter illustrieren. Über eine Million Vitalparameter wurden übermittelt, im Median 1421 pro Patient. Die Krankenakten wurden im Median während des einen Studienjahres 36 Mal pro Patient angesehen. Jeden Monat gab es bei jedem Patienten ein strukturiertes Telefongespräch. Im Median viermal wurde das Service-Center von sich aus aktiv und kontaktierte den Patienten wegen auffälliger Vitalwerte. Und pro Patient wurde im Median dreimal die Medikation geändert.

Literatur

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