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28.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten | Onlineartikel

Neue Erkenntnisse aus PURE

Die beste Ernährung für ein langes Leben – rotes Fleisch und Milchprodukte gehören dazu

Autor:
Veronika Schlimpert

Forscher glauben jetzt, die optimale Ernährungsweise für ein langes Leben gefunden zu haben – und wider Erwarten gehören rotes Fleisch und Milchprodukte dazu.

Das Thema Ernährung ist ein Dauerbrenner. Wissenschaftler auf der ganzen Welt beschäftigen sich damit, welche Ernährung das Herz bestmöglich schützt, Krebs verhindert, das Hautbild verbessert usw.. Empfehlungen werden ausgesprochen und wieder revidiert.  

Auch auf dem diesjährigen ESC-Kongress in München hat es eine Ernährungs-Analyse in eine Hotline-Session geschafft, was das Interesse an diesem Thema unterstreicht. Dr. Andrew Mente und Kollegen haben eine Art Ernährungs-Formel für ein langes Leben entwickelt. Anhand der PURE-Daten haben sie Nahrungsmittel ausfindig gemacht, die mit einer niedrigeren Sterblichkeit einhergehen.

Welche Lebensmittel und wie viel?

Zur Erinnerung: Die PURE-Studie ist die bisher größte Studie, die das Ernährungsverhalten der Bevölkerung prospektiv erfasst hat; mehr als 138.000 Personen aus 21 Ländern wurden hierfür im Schnitt 7,4 Jahre lang nachbeobachtet.

Demnach sind Gemüse, Früchte, Nüsse, Hülsenfrüchte und Fisch förderlich für ein langes Leben - aber überraschenderweise auch Milchprodukte und nicht-verarbeitetes rotes Fleisch.

Doch wie viel sollte man von dem jeweiligen Lebensmittel am besten konsumieren? Mente und Kollegen haben einen Score entwickelt, der die optimale Portionsmenge quantifizieren soll.  Schafft man in diesem Score die höchste Punktzahl – das wären 35 - hat man die besten Chancen auf ein langes Leben und umgekehrt. Und wie erreicht man die Maximalpunktzahl?

8,4 Portionen Früchte und Gemüse pro Tag, 2,5 Portionen Nüsse und Hülsenfrüchte pro Tag, 2 mal Fisch pro Woche – und mehr als 1 Portion rotes Fleisch (1,4) und 3 Portionen Milchprodukte täglich. Der Kohlenhydratanteil sollte optimalerweise 54,0%, der Fettanteil 28,3% und der Proteinanteil 17,9% der täglichen Energiezufuhr betragen ­­.

Zur Erklärung: Die angegebenen Portionsgrößen stellen die oberste Quintile des durchschnittlich erfassten Konsums dar. Schafft man es in die oberste Quintile, gibt es 5 Punkte, für die unterste Quintile gibt es einen Punkt, die Minimalpunktzahl sind also 7 Punkte.

PURE Diet-Score

Die Gültigkeit dieses „PURE Healthy Diet-Scores“ haben die Wissenschaftler daraufhin an insgesamt 218.000 Personendaten getestet,  neben der PURE-Studie nutzten sie dafür die Daten dreier weiterer großer Bevölkerungsstudien (ONTARGET, INTERHEART, INTERSTROKE).

Letztlich ging in allen vier Studien eine hohe Punktzahl im PURE-Score (≥ 18 bzw. ≥ 19) mit einem statistisch signifikant geringerem Sterberisiko einher als eine niedrige Punktzahl (≤ 11 bzw. ≤10), auch nach Adjustierung auf diverse Einflussfaktoren wie Rauchen, Energiezufuhr, Bewegung, Bildungsgrad usw.  (­­-25% in PURE; - 24% in ONTARGET, -22% in INTERHEART, -25% in INTERSTROKE). Auch die durch kardiovaskuläre Erkrankungen bedingte Sterblichkeit war dann niedriger, wenngleich diese Risikoreduktion deutlich geringer ausgefallen war, z. B. – 9% und – 14% in PURE und ONTARGET, und die Assoziation auch keine eindeutig lineare Beziehung aufwies.

Mehr als 1 × rotes Fleisch  ist förderlich

 Wer mit den aktuellen Empfehlungen der großen Fachgesellschaften vertraut ist, dem werden einige Aspekte des PURE-Scores nicht neu sein: viel Früchte und Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch – all das wird bereits als herzgesunde Ernährung propagiert.

Doch man wird auch stutzig: Von zu viel rotem Fleisch wurde bisher doch abgeraten, nun scheint Rindfleisch also rehabilitiert. Milchprodukte waren bis dato eher umstritten. Insbesondere Butter und Käse standen im Verruf, den Cholesterinspiegel zu erhöhen und gingen in Beobachtungsstudien mit einer erhöhten Sterblichkeit einher.

Bisherige Empfehlungen sind veraltet

Die aktuellen Empfehlungen würden auf Jahrzehnte zurückliegende Studien basieren, die sich hauptsächlich mit der Ernährungsweise in Industriestaaten auseinandergesetzt hätten, erläutert Mente. In der PURE-Studie sei dagegen das gesamte Spektrum abgebildet, von Ländern, in denen eher ein Nahrungsüberangebot besteht bis Gegenden, in denen ein Mangel herrscht.

Die Frage, die sich einem hier allerdings stellt: Kann man in Sachen Ernährung eine Empfehlung formulieren, die für alle Gültigkeit hat? Gibt es die „optimale Ernährung“ überhaupt oder ist das vielleicht von Land zu Land und von Person zu Person unterschiedlich zu bewerten? 

Literatur

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