Nachrichten 30.08.2018

Empfehlenswert: Im Fall von Magen-Darm-Blutungen nach Krebs fahnden

Nach jeder Blutung im Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt sollte zeitnah eine Karzinomabklärung erfolgen, raten Experten. Denn eine Analyse der COMPASS-Studie zeigt: Bei jedem zehnten Patienten, der eine schwere Blutung erleidet, wird Krebs diagnostiziert.

Bei mehr als 20% der neu entdeckten Karzinome waren zuvor Blutungen aufgetreten, das zeigt eine aktuell beim ESC-Kongress in München präsentierte Analyse der COMPASS-Studie. Nach Ansicht des Studienautors Prof. John William Eikelboom aus Kanada sollten Blutungen daher Anlass zur intensiveren Karzinomabklärung geben.

In der 2017 publizierten COMPASS-Studie sind 27.395 Patienten mit stabiler KHK oder PAVK randomisiert entweder mit 2,5 mg Rivaroxaban plus ASS, 5 mg Rivaroxaban allein oder 100 mg ASS allein behandelt worden. Im Ergebnis hatte die Gruppe mit 2,5 mg plus ASS ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, aber höhere Blutungsraten im Vergleich zur Gruppe mit alleiniger ASS-Therapie. Unter der 5 mg-Dosis war die Prognose vergleichbar und das Blutungsrisiko ebenfalls erhöht.

COMPASS: Mehr Blutungen unter Rivaroxaban als unter ASS

Schon länger ist bekannt, dass Blutungen im Gastrointestinaltrakt und Urogenitaltrakt mit der Entstehung von Karzinomen assoziiert sind. Wie oben aufgeführt, kommt es unter einer Rivaroxaban-Therapie vermehrt zu Blutungen. 

In der aktuellen Analyse der COMPASS-Studie wurde deshalb untersucht, ob eine erhöhte Blutungsrate mit einer erhöhten Krebsrate vergesellschaftet ist.

Untersucht wurde:

  1. Der Anteil an neu entdeckten Karzinomen vor und nach Blutungen.
  2. Die Koinzidenz von Blutung und neu entdecktem Karzinom.
  3. Die Anzahl von Karzinomen im Rahmen der Behandlung.

Insgesamt wurden 1.082 Karzinome entdeckt, davon 257 (23,8%) nach einer Blutung. Gastrointestinale Tumoren fanden sich bei 307 Patienten, davon waren 70 Fälle (22,8%) nach einer Blutung diagnostiziert worden.138 Patienten entwickelten Karzinome im Urogenitaltrakt, davon 62 (44,9%) nach einer Blutung.

Ort der Blutung = Ort des Karzinoms

Somit bestand ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen dem Ort der Blutung und der Karzinom-Lokalisation. Oder anders ausgedrückt: Blutungen außerhalb des Gastrointestinaltraktes oder Urogenitaltraktes wie Epistaxis waren seltener mit einer Karzinomdiagnose vergesellschaftet.

Die häufigsten Blutungen und Diagnosen von Karzinomen gab es innerhalb der ersten sechs Monate: nämlich 54 (77,1%) im Gastrointestinaltrakt und 55 (88,7%) im Urogenitaltrakt. Die Häufigkeit von Blutungen war im ersten Jahr mit 3% am höchsten und flachte dann auf 1% pro Jahr ab.

Nach Blutungen gibt es generell mehr Krebsdiagnosen

In der Diskussion wies Prof. Lars Wallentin auf vorliegende Daten zu Blutungen unter Antikoagulanzien oder antithrombozytären Substanzen im Gastrointestinaltrakt und Urogenitaltrakt hin, die ähnliche Ergebnisse aufzeigten. Der schwedische Kardiologe berichtete aber auch über eine Arbeit des BMJ, in der unabhängig von beispielsweise Medikamenten bei Patienten mit Blutungen innerhalb von sechs Monaten nach der Blutung eine hohe Rate an Karzinomen entdeckt wurde, mit dann deutlicher Abflachung.

Anhand der COMPASS-Analyse berechnete Wallentin, dass 14 Blutungen im Gastrointestinaltrakt zu einem 1 Karzinom führen, bei schweren Blutungskomplikationen gehen zehn Fälle mit einer Krebsdiagnose einher. Im Urogenitaltrakt kommt es bei 1 von 37 Blutungen und 1 von 6 schweren Blutungsereignissen zu einer Krebsdiagnose.

Insgesamt kam der Kardiologe zu dem Schluss, dass bei jeder Blutung im Gastrointestinaltrakt und Urogenitaltrakt eine zeitnahe Abklärung in Richtung Karzinom erfolgen sollte.

Diesem Vorsatz kann man sich sicher anschließen. Ob dies dann die Prognose verbessert, muss noch weiter untersucht werden.

Literatur

JW Eikelboom für die COMPASS Investigator. Cancer risk in patients with vascular disease treated with Rivaroxaba, Clinical Trial Update, ESC-Kongress, 26. August in München.

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