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26.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

CAMELLIA-TIMI 61-Studie prüft Lorcaserin

Erste Abnehmpille mit dokumentierter kardiovaskulärer Sicherheit

Autor:
Peter Overbeck

Die klinische Sicherheitsprüfung des Wirkstoffs Lorcaserin in einer großen Studie hat bestätigt, dass dieser zur Gewichtsreduktion genutzte Appetitzügler in kardiovaskulärer Hinsicht unbedenklich ist.  Er empfiehlt sich damit auch für die Gewichtsreduktion bei kardiovaskulären Risikopatienten.

In der aktuell  beim europäischen Kardiologenkongress in München vorgestellten CAMELLIA-TIMI 61-Studie war die Behandlung mit dem Appetitzügler Lorcaserin mit keiner Zunahme von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen (major adverse cardiac events, MACE:  kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall) im Vergleich zu Placebo assoziiert.  Nach  im Median 3,3-jähriger Beobachtungsdauer waren die entsprechenden MACE-Raten mit  6,1% (oder  2,0% pro Jahr) in der Lorcaserin –Gruppe und 6,2% (oder 2,1% pro Jahr) in der Placebogruppe  nahezu gleich (Hazard Ratio 0,99; p<0.001 für Nicht-Unterlegenheit), so das Ergebnis der Sicherheitsanalyse.

Eine klinische Überlegenheit des Appetitzüglers konnte in einer Wirksamkeitsanalyse, die sich auf einen erweiterten Endpunkt (MACE-Ereignisse plus Hospitalisierung wegen instabile Angina, Herzinsuffizienz und koronare Revaskularization)  stützt, jedoch nicht nachgewiesen werden: Hier unterschieden sich die Ereignisraten mit 11,8% (Lorcaserin) und 12,1%  (Placebo) nicht signifikant (p=0,55).

FDA forderte Prüfung der Sicherheit 

Wegen struktureller Ähnlichkeiten von Lorcaserin mit den Appetitzüglern Fenfluramin und Dexfenfluramin, die vor Jahren wegen eines erhöhten Risikos für die  Entstehung von Herzklappen-Veränderungen vom Markt genommen worden waren, ist bei  3270 Teilnehmern mit wiederholten  echokardiografischen Messungen gezielt nach einer möglichen Valvulopathie-Entwicklung  geschaut worden. Neue oder ausgeprägter gewordene Valvulopathien, die alle asymptomatisch und nicht behandlungsbedürftig waren,  sind bei  30 Patienten  (1.8%) in der Lorcaserin-Gruppe und bei  22 Patienten  (1.3%) in der Placebogruppe festgestellt worden (p= 0,24).

Diabetes-Inzidenz reduziert

Auch ein günstiger Einfluss auf die Diabetes-Inzidenz wurde beobachtete: Von den Teilnehmern, bei denen zu Studienbeginn ein „Prä-Diabetes” festgestellt worden war (34% des Studienkollektivs), entwickelten  8,5% in der Lorcaserin-Gruppe 10,3% in der Placebogruppe einen manifesten Diabetes (relative Risikoreduktion: 19%).  Zudem zeigten sich die Werte für Parameter wie Blutdruck, Serumlipide, Blutzucker und Nierenfunktion  unter Lorcaserin  im Vergleich zu Placebo leicht , aber signifikant verbessert worden.   

In der Lorcaserin-Gruppe hatten die Teilnehmer,  deren medianes  Ausgangsgewicht 102,0 kg  betrug, nach einem Jahr im Schnitt 4,2 kg an Körpergewicht abgenommen, in der Placebo waren es 1,4 kg (Differenz 2,8 kg, p<0.001).  Nach 40 Monaten  hatte sich die Differenz zwar etwas verringert (auf 1,9 kg), sie war aber nach wie vor signifikant. Der Anteil der Teilnehmer mit einer Gewichtsreduktion um mindestens  5% und mehr war mit 38,7%  versus 17,4% unter Lorcaserin signifikant höher als unter Placebo (p<0,001).

In der EU (noch) nicht verfügbar

CAMELLIA-TIMI 61 (Cardiovascular And Metabolic Effects of Lorcaserin In Overweight And Obese Patients) ist die bis dato größte klinische Studie zur Frage der kardiovaskulären Sicherheit eines gewichtsreduzierenden  Medikaments.  In die randomisierte  Studie waren in acht Ländern 12.000 übergewichtige oder fettleibige Personen, die entweder bereits kardiovaskulär erkrankt waren oder zumindest kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen,  aufgenommen worden. Sie erhielten zur Unterstützung gewichtsreduzierender Maßnahmen (kalorienreduzierte Ernährung, mehr körperliche Bewegung) eine medikamentöse Behandlung mit Lorcaserin (10 mg zweimal täglich) oder Placebo.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Serotoninrezeptor-Agonisten Lorcaserin, der über eine Aktivierung von serotoninergen 5-HT2C-Rezeptoren im Gehirn sättigend und appetitmindernd wirkt, schon 2012 in den USA zugelassen – unter Auflage, dass die kardiovaskuläre Sicherheit in Postmarketing-Studien geprüft wird. Der Appetitzügler darf in den USA zur Behandlung von adipösen (BMI von 30 oder höher) sowie von übergewichtigen Patienten (BMI von 27 oder höher) genutzt werden, wenn Letztere gewichtsbezogene Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Dyslipidämie aufweisen.  

In den Ländern der EU ist Lorcaserin bislang nicht zugelassen. Ob durch CAMELLIA-TIMI 61 die von der europäischen Zulassungsbehörde EMA zuvor geäußerten Bedenken  ausgeräumt werden können, bleibt abzuwarten.

Literatur

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