Nachrichten 29.08.2018

Gichtmittel Febuxostat scheint sicher, aber wirkt nicht kardioprotektiv

Ist das Gichtmittel Febuxostat kardiovaskulär sicher? Das haben japanische Wissenschaftler nun versucht zu klären.

Das Gichtmittel Allopurinol hat bekanntlich einige Nebenwirkungen wie unerwünschte allergische Reaktionen und Störungen der Nierenfunktion. Febuxostat ist ein selektiver Nicht-Purin-Hemmer der Xanthinoxidase, der seit 2009 zugelassen ist und von dem man sich deutlich weniger Nebenwirkungen erhofft, gerade für Nierenpatienten.

Höhere Sterblichkeit als mit Allopurinol

Allerdings hat die beim diesjährigen ACC-Kongress vorgestellte, von der FDA geforderte Sicherheitsstudie CARES für Verunsicherung gesorgt.  Im Vergleich zur Allopurinol ging Febuxostat mit einer um 22% erhöhten Sterblichkeit und einer um 34% erhöhten kardiovaskulären Mortalität einher. 

Das brachte die Studienautoren in Erklärungsnot: Entfaltet Febuxostat eine Wirkung, die dem Herzen Schaden zufügen könnte? Oder wirkt das Urikostatikum im Vergleich zu Allopurinol einfach nur weniger kardioprotektiv?

Geklärt werden kann diese Frage nur durch eine randomisierte Studie, in der Febuxostat mit Placebo verglichen wird. Die Ergebnisse einer solchen Studie mit dem Akronym FREED (Febuxostat for Cerebral and caRdiorenovascular Events PrEvEntion StuDy) wurden nun von Prof. Kunihiko Matsui, Kumamoto Universität in Japan, auf einer Hotline-Session beim ESC-Kongress in München präsentiert.

Sehr weit gefasster primärer Endpunkt

Insgesamt 1.070 Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten (> 7,0 bis ≤ 9,0 mg/dl) und einem Alter von 65 Jahren oder älter erhielten 36 Monate lang entweder Febuxostat (Auftitration auf 40 mg innerhalb von 8 Wochen) oder Placebo. In der Placebo-Gruppe durften die Ärzte bei einem Anstieg der Harnsäure-Konzentrationen Allopurinol (100 mg) verabreichen.

Der sehr weit gefasste primäre Endpunkt dieser Studie macht die Interpretation der Ergebnisse allerdings schwierig. Dieser beinhaltete nämlich Tod jeglicher Ursache, zerebrovaskuläre Erkrankungen, nichttödliche KHK, Herzinsuffizienz, die eine Klinikeinweisung bedurfte, atherosklerotische Erkrankung, die eine Therapie bedurfte, Nierenfunktionsstörungen und Vorhofflimmern.

Studie ist "underpowered"

Dieser primäre Endpunkt wurde durch Febuxostat um relativ 25% signifikant reduziert (23,3% vs. 28,7%). Auf die anschließend in der Diskussion gestellte Frage, warum man derart viele Endpunkte eingeschlossen habe, gab Matsui zu, dass man dies aus statistischen Gründen gemacht hat. „Das Hauptproblem unserer Studie ist, dass sie 'underpowered' sein könnte“, fügt er hinzu.

Mit Blick auf die sekundären Endpunkte scheint es so, dass die Patienten vor allem hinsichtlich der Nierenfunktion von dem Gichtmittel profitiert haben (Hazard Ratio: 0,745; p=0,041). Aber mit entsprechend 87 und 109 Fällen an aufgetretenen Nierenfunktionsstörungen waren die Ereignisraten viel zu gering, um Febuxostat eine renoprotektive Wirkung attestieren zu können.

Kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse scheinen wiederum nicht durch die Therapie beeinflusst zu werden. Eine schädliche Wirkung ließ sich aber ebenfalls nicht erkennen. Man muss somit wohl auf die Ergebnisse weiterer Studien warten, um die Frage nach der kardialen Wirkung von Febuxostat endgültig beantworten zu können.

Literatur

K Matsui: FREED - Febuxostat for Cerebral and CaRdiorenovascular Events PrEvEntion StuDy, Late Breaking Hotline-Session 4, ESC-Kongress, 28. August 2018 in München

Neueste Kongressmeldungen

Undichte Trikuspidalklappe: Verbesserung durch Clip-Therapie ist von Dauer

Die funktionellen und klinischen Verbesserungen durch minimalinvasive Clip-Therapie bei undichter Trikuspidalklappe sind anhaltend. Das belegen aktualisierte 1-Jahres-Ergebnisse der TRILUMINATE-Studie.

Sollte man sehr alte NSTEMI-Patienten invasiv behandeln?

Bei über 80-jährigen Patienten mit einem Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) ist der Nutzen einer Revaskularisation bisher wenig erforscht. Eine randomisierte Studie sollte diese Evidenzlücke schließen. Das Ergebnis lässt allerdings Raum für Interpretation.

Schmerzen von Herzinfarkt-Patienten besser mit Paracetamol behandeln?

Patienten mit akutem Koronarsyndrom erhalten häufig Opioide gegen ihre Schmerzen. Doch diese Analgetika können mit der Antiplättchentherapie interagieren. Wissenschaftler haben nun die Eignung eines alternativen Schmerzmittels geprüft.  

Neueste Kongresse

PCR e-course 2020

Auch die diesjährige EuroPCR-Jahrestagung musste wegen Corona gestrichen werden – aber auch hier gab's virtuellen Ersatz: Interessierte Teilnehmer konnten sich bequem von zuhause oder der Praxis aus beim PCR e-Course 2020 über die aktuellen Entwicklungen und Innovationen in der interventionellen Herz-Kreislauf-Medizin informieren. 

Heart Failure 2020

Die Jahrestagung der Heart Failure Association ist der weltweit führende Kongress für kardiologische Experten zum Thema Herzinsuffizienz. Auch dieser Kongress fand dieses Jahr virtuell statt. Die Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Bildnachweise
EuroPCR 2020/© ipopba / stock.adobe.com
Heart Failure 2020/© © ipopba / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock