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25.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

In Phase-1-Studie getestet

Impfung gegen hohe LDL-Cholesterinspiegel? Das Prinzip funktioniert

Autor:
Veronika Schlimpert

Vielleicht kann man sich bald gegen hohe Cholesterinspiegel „impfen“ lassen. Eine gegen PCSK9 gerichtete aktive Immunisierung hat sich in einer Phase-1-Studie jedenfalls als sicher und effektiv erwiesen.

Ein neuer Therapieansatz zur Senkung erhöhter LDL-Cholesterinspiegel könnte funktionieren: eine Art Impfung gegen PCSK9. Das Enzym hat in den letzten Jahren durch die Entwicklung der PCSK9-Inhibitoren Bekanntheit erlangt hat.

Eine Impfung gegen PCSK9 müsste aber nur einmal jährlich vorgenommen werden, wie Dr. Martin Bauer von der medizinischen Universität in Wien auf dem ESC-Kongress in München erläutert. Die bereits zugelassenen PCSK9-Inhibitoren Alirocumab und Evolucumab müssen dagegen alle zwei Wochen injiziert werden.

Impfstoff gegen PCSK9

Der neue Impfstoff  enthält spezielle Peptidabschnitte (Epitope), die das Immunsystem dazu anregen, spezifische Antikörper gegen PCSK9 zu bilden. Eine Reduktion der PCSK9-Konzentrationen führt – wie bereits in großen klinischen Studien mit PCSK9-Inhibitoren demonstriert wurde – zu einer beträchtlichen Reduktion der LDL-Cholesterinspiegel im Blut.

Eine Senkung der PCSK9-Spiegel kann aber offensichtlich nicht nur durch die Zufuhr von synthetisch hergestellten monoklonalen Antikörpern erreicht werden, sondern auch durch die Induktion körpereigener Antikörper.

Proof-of-Principle gezeigt

Das Proof-of-Principle einer solchen aktiven Immunisierung wurde nun in einer Phase-1-Studie gezeigt. Dr. Bauer hat die Studienergebnisse auf einer Late Breaking Science-Session beim ESC-Kongress in München vorgestellt.

72 Probanden hatten in der Woche 0, 4 und 8 entweder den gegen PCSK9 gerichteten Impfstoff AT04A oder AT06A oder Placebo injiziert bekommen. Nach 60 Wochen folgte eine Booster-Impfung.

Impfung ist sicher

Die erste wichtige Nachricht: die Impfung ist sicher. Bis auf lokale meist geringfügige Reaktionen an der Einstichstelle scheint der Impfstoff keine Nebenwirkungen zu verursachen, zumindest sind für AT04A in dem 90-wöchigen Untersuchungszeitraum weniger unerwünschte Effekte dokumentiert worden als für Placebo (für AT06A waren es mehr).

Bei über 90% der Personen, die geimpft worden sind, ließen sich in der Folge spezifische Antikörper gegen PCSK9 nachweisen, die Spiegel ließen erst ab 30 bis 40 Wochen nach der ersten Impfung wieder nach.

Immunantwort führt zur LDL-C-Reduktion

Die erfreuliche Nachricht: Die Antikörperproduktion ging mit einer statistisch signifikanten Senkung der LDL-Cholesterinspiegel einher. Nach 70 Wochen waren die Spiegel der mit AT04A geimpften Personen um 13,3% niedriger als mit Placebo, nach 90 Wochen betrug der Unterschied 9,0%  und über die gesamte Studienzeit 7,2% (p<0001).

Die Immunantwort korrelierte mit der zum jeweiligen Zeitpunkt gemessenen LDL-C-Reduktion.

Als nächsten Schritt planen Bauer und Kollegen eine Phase-2-Studie, in der sie eine bessere Formulierung des Impfstoffes mit einer höheren Immunogenität und ein optimiertes Dosisregime einsetzen wollen.  

Literatur

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