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23.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Kongress der European Society of Cardiology

Kardiologen-Elite kommt zum größten Kardiologen-Kongress nach München

Autor:
Veronika Schlimpert

Der Europäische Kardiologenkongress (ESC) findet dieser Tage in München statt. Die bayerische Metropole hat nicht nur in Bezug auf die Bierkruggröße Weltruhm erlangt. Auch die Herzkreislaufforschung bewegt sich hier auf Spitzenniveau – nicht nur in München, sondern in ganz Deutschland.

Alles was in der Kardiologen-Szene Rang und Namen hat, wird sich diese Tage in München einfinden. Der Kongress der „European Society of Cardiology“ (ESC) ist der zweitgrößte medizinische Fachkongress weltweit. Bereits zum vierten Mal findet er in München statt (das letzte Mal im Jahr 2012). 31.000 Besucher aus 150 Ländern werden erwartet, 3.000 Teilnehmer kommen aus Deutschland.

Kein Wunder also, dass bei den Vertretern der deutschen Kardiologengemeinschaft auf einer Vorabpressekonferenz ein wenig Stolz herauszuhören war, dass der Kongress wieder in einer deutschen Stadt tagt.

Herzmedizin in Deutschland auf Spitzenniveau

So weist der gewählte Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Andreas Zeiher, auf die Erfolge der deutschen Herzkreislaufmedizin hin. Der Rückgang der kardiovaskulären Mortalität in den letzten Jahrzehnten sei zu zwei Drittel der verbesserten Diagnostik und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen zu verdanken, berichtete der in Frankfurt tätige Kardiologe.

Dazu einige eindrückliche Zahlen: Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 898.000 Linksherz-Katheteruntersuchungen und 378.000 perkutane Koronarinterventionen durchgeführt sowie 82.000 Ablationen und 17.100 TAVI-Eingriffe vorgenommen.

Allerdings hat es im Jahr 2016 erstmals seit Jahrzehnten wieder einen Anstieg der Sterbeziffer von kardiovaskulären Erkrankungen gegeben, wie in dem Herzbericht von 2017 belegt ist: von 256,1 Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2015 auf 269,6 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr 2016. Laut Prof. Udo Sechtem, lokaler Pressekoordinator der ESC in München, ist dieser Anstieg durchaus ernst zu nehmen: „Das sind immerhin etwa 8.000 Tode im Jahr mehr“.  Sechtem vermutet, dass die Zunahme gewisser Risikofaktoren in der Bevölkerung wie Adipositas, Bewegungsmangel usw. die Fortschritte der Herzmedizin „neutralisiert haben“ und betont in diesem Kontext die Bedeutung von Prävention und Früherkennung.

Motto: Herzklappenerkrankungen

Das Motto des diesjährigen ESC-Kongresses sind Herzklappenerkrankungen. Dafür habe man sich entschieden, einerseits weil die Anzahl der Patienten mit Klappenerkrankungen aufgrund des zunehmenden Alters und der verbesserten Diagnostik deutlich angestiegen sei, erläuterte der Vorsitzende der diesjährigen Programmkommission, Prof. Stephan Achenbach aus Erlangen. „Zum anderen hat es in letzter Zeit erhebliche Entwicklungen in der Therapie von Herzklappenerkrankungen gegeben.“

Neue Rekorde aufgestellt

Was wird die Besucher des diesjährigen ESC-Kongresses erwarten? Eines ist klar, was die Themenvielfalt und das Expertenreichtum betrifft, wird der diesjährige Kongress neue Rekorde aufstellen: 1.613 geladene Redner aus 76 Ländern, 1.484 Vorträge, 4.500 Abstracts... Die meisten Redner kommen aus Deutschland, gefolgt von den USA und  Großbritannien.

Das Herzstück des Kongresses sind die sog. Late-Breaking-Trials, denn diese wissenschaftlichen Studien könnten die Praxis verändern. Wird ASS in die kardiovaskuläre Primärprävention Einzug erhalten? Nach der Präsentation der Studienergebnisse von ARRIVE und ASCEND werden wir mehr wissen (eine Vorschau auf die Hotline-Sessions lesen Sie hier: Weltgrößter Kardiologen-Kongress in München: Vorschau auf wichtige neue Studien)

Neue Leitlinien

Mit Spannung erwartet werden auch vier neue Leitlinien, die auf dem Kongress vorgestellt werden. Gemeinsam mit der europäischen Herzchirurgie-Gesellschaft (EACTS) hat die ESC eine neue Leitlinie zur myokardialen Revaskularisation erstellt. Ein ganz besonderes Augenmerk liegt auch auf den neuen Hypertonie-Leitlinien. Die Kernpunkte dieser Leitlinie wurden bereits auf dem europäischen Hypertonie-Kongress vorgestellt (Neue Hypertonie-Leitlinie in Europa: Was ändert sich, was bleibt?.) Es ist daher kein Geheimnis mehr: Die Europäer werden den Amerikanern in Bezug auf die Hypertonie-Definition nicht folgen und bei ihrem Grenzwert von 140/90 mmHg bleiben (in den USA gilt seit 2017 ein Grenzwert von 130/80 mmHg). Daneben gibt es neue Leitlinien zu kardiovaskulären Erkrankungen während der Schwangerschaft, zum Management von Synkopen und zur Definition eines Myokardinfarkts.

In unserem Kongressdossier halten wir Sie über das Kongressgeschehen auf dem Laufenden. 

Literatur

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