Nachrichten 27.08.2018

Neuer Lipidsenker überzeugt in Phase-3-Studie

Statine allein reichen bei vielen Patienten nicht aus, um den LDL-C-Zielwert zu erreichen. PCSK9-Antikörper sind zwar sehr wirksam, aber auch sehr teuer. Mit Bempedoinsäure könnte sich eine weitere Therapieoption eröffnen.

Mit Bempedoinsäure könnte bald ein weiteres Medikament zur Lipidsenkung zur Verfügung stehen. In der randomisierten doppelblinden Phase-3-Studie CLEAR HARMONY hat sich der Lipidsenker als sicher und effektiv erwiesen.

Bempedoinsäure könne damit eine zusätzliche Therapieoption darstellen, mit der sich das LDL-Cholesterin (LDL-C) bei Hochrisikopatienten, die mit einer Statintherapie ihre Zielwerte nicht erreichen, sicher senken lasse, resümierte Prof. Kausik Ray auf einer Late-Breaking-Science-Session beim ESC-Kongress in München.

Mit PSCK9-Inhibitoren steht für solche Patienten zwar mittlerweile eine sehr effektive und sichere Therapieoption zur Verfügung. Die monoklonalen Antikörper sind aber sehr teuer, sodass deren Einsatz begrenzt und nur für ausgewählte Patienten vorgesehen ist.

CLEAR HARMONY-Studie

Bempedoinsäure ist zwar bei weitem nicht so effektiv wie PCSK9-Inhibitoren. So wurde das LDL-C in der CLEAR HARMONY-Studie durch die Hinzunahme des Medikaments nach 12 Wochen um 19,8% gesenkt (primärer Effizienzendpunkt; p<0,001); nach 24 Wochen waren die LDL-C-Werte im Vergleich zu den Ausgangswerten (im Mittel 104 mg/dl) um 16,1% geringer (sekundärer Endpunkt; p<0,001). Zum Vergleich: PCSK9-Inhibitoren erreichen in derselben Zeit eine mehr als 50%ige Reduktion der LDL-C-Werte.

Non-HDL, Gesamtcholesterin, Apolipoprotein B und hsCRP wurden ebenfalls signifikant gesenkt.

Insgesamt haben in der CLEAR HARMONY-Studie 2.230 Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko und LDL-Ausgangswerten von ≥70 mg/dl trotz einer Hochdosis-Statintherapie entweder Bempedoinsäure (180 mg) oder Placebo über einen Zeitraum von 52 Wochen erhalten.

Fast keine Nebenwirkungen

Das Medikament kann aber offenbar bedenkenlos zusätzlich zu einer Statintherapie gegeben werden. Nebenwirkungen waren in der Summe nicht häufiger als mit Placebo. Einzig bei der Häufigkeit von Gicht-Diagnosen gab es einen signifikanten Anstieg, wobei die Zahl insgesamt gering war (bei 1,2% der mit  Bempedoinsäure behandelten Patienten vs. 0,3% mit Placebo).

Das Diabetes-Risiko – das durch eine Statintherapie bekanntlich geringfügig ansteigt – ist durch die zusätzliche Gabe von Bempedoinsäure sogar signifikant gesenkt worden (3,3% vs. 5,4%; p=0,02). Ein Anstieg der Leberenzyme oder der Kreatinkinase war nicht zu erkennen. Und auch Muskelbeschwerden kamen nicht häufiger vor als mit Placebo.

Wichtiger Sicherheitsnachweis

Dieser Sicherheitsnachweis war wichtig. Denn Bempedoinsäure setzt an demselben Signalweg an wie Statine. Die Substanz hemmt die Cholesterinsynthese in der Leber, indem es das Enzym ATP-Citrat-Lyase inhibiert. Dieses Enzym bildet Acetyl-CoA, was zu HMG-CoA umgesetzt wird. HMG-CoA ist wiederum ein Substrat der HMG-CoA-Reduktase (dem Angriffspunkt von Statinen) und wird durch dieses weiter zu Cholesterin metabolisiert.  

Somit hätte man eine Zunahme der mit einer Statintherapie einhergehenden Nebenwirkungen erwarten können.

Damit Bempedoinsäure wirken kann, muss das Medikament aber zunächst in eine aktive Form umgewandelt werden und das hierfür erforderliche Enzym (ASCVL1) ist in der Leber, nicht aber im Skelettmuskel vorhanden.

Literatur

K Ray: CLEAR Harmony - Long-term safety, tolerability and efficacy of bempedoic acid vs. placebo in high cardiovascular risk patients with LDL-C above 1.8 mmol/L on maximally tolerated statin therapy; Late-Breaking Science-Session beim ESC-Kongress, 25.08.2018 in München

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Bildnachweise
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