Nachrichten 10.09.2018

Stetige Abnahme der Infarktsterblichkeit – das war einmal

Die Mortalität nach akutem  Myokardinfarkt war im Zuge der Einführung  neuer Therapien in die Praxis lange Zeit stark rückläufig. Doch in den letzten  Jahren  scheint  sich dieser positive Trend nicht mehr fortgesetzt zu haben, wie Daten aus dem schwedischen  SWEDEHEART-Register nahelegen.

In der Zeit  zwischen  1995 und  2010 hat in Schweden  sowohl die In-Hospital-Sterblichkeit  als auch die 1-Jahres-Mortalität  bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt  kontinuierlich abgenommen. Dies ist derselbe Zeitraum, in dem evidenzbasierte Therapien wie die Revaskularisation durch primäre perkutane Koronarintervention (PPCI), duale Antiplättchen-Therapie (DAPT), Lipidsenkung mit Statinen und  Behandlung mit ACE-Hemmern/AT1-Rezeptorantagonisten  Einzug in die Praxis gehalten haben. 

Doch in den letzten sechs bis acht  Jahren ist kein weiterer  nennenswerter Rückgang der Sterblichkeit  nach Infarkten mehr zu beobachten, berichtete  Prof.  Tomas Jernberg  vom Karolinska Institut in  Stockholm mit Hinweis auf eine Analyse von Daten des SWEDEHEART-Registers  beim ESC-Kongress in München.  Im landesweiten  SWEDEHEART  (Swedish Web-system for Enhancement and Development of Evidence-based care in Heart disease Evaluated According to Recommended Therapies)-Register werden Charakteristika, Therapiestrategien und klinische Ergebnisse bei allen schwedischen Patienten mit akutem Myokardinfarkt  lückenlos dokumentiert.

Daten von mehr als 370.000 Infarktpatienten

Für die aktuelle Analyse haben Jernberg und sein Team  die Daten von  371,431 zwischen 1995 und 2018  im Register erfassten Infarktpatienten genauer unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist das Alter der vom Myokardinfarkt betroffenen Personen mit im Schnitt rund 72 Jahren weitgehend konstant geblieben. Auch an der Tatsache, dass rund zwei Drittel der Betroffenen Männer waren, hat sich wenig verändert.

Zugenommen hat zwischen 1995 und 2018 allerdings der Anteil an Patienten mit  Komorbiditäten wie Diabetes (von 21,7% auf  27,2%) und Hypertonie  (von 35,3% auf  66,9%) oder einer schon erfolgten perkutanen Koronarintervention (PCI) in der Vorgeschichte (von 2,5% auf 20,7%). Auch stieg der Anteil der Infarktpatienten,  die zum Zeitpunkt der Klinikaufnahme  bereits  eine Behandlung mit Statinen erhielten (von 4,5% auf  32,7%). Verringert hat sich dagegen der Anteil der Infarktpatienten mit bei der Auskultation in der Klinik festgestellten Rasselgeräuschen  (von 36,8% auf 8,9%).

In der nicht adjustierten Analyse  zeigte sich, dass  sich die Rate für die In-Hospital-Mortalität in der Zeit zwischen  1995 bis 2010 von etwa 13%  auf knapp unter  5% verringert hatte, die Rate für die 1-Jahres-Mortalität von etwa  25% auf rund 15%. In der Zeit nach 2010 waren jedoch keine wesentlichen  Abnahmen bei  der Sterblichkeit  mehr zu verzeichnen.

Plateau auch bei genutzten Therapien erreicht

Das Plateau bei der Mortalitätssenkung korrelierte zeitlich mit einem  gewissen Plateau bei  der  Nutzung von Therapien mit dokumentierter prognoseverbessernder Wirkung. So erhöhte sich im Gesamtzeitraum  der Anteil der Patienten mit invasiver Revaskularisation durch PPCI bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) von anfänglich rund 5% auf deutlich über 80% in 2018. Bis etwa 2010 war ein steiler Anstieg auf etwa 75% zu verzeichnen, danach flachte die Kurve deutlich ab.  Auch die zum Teil deutlichen Verbesserungen bei  medikamentösen Therapien mit Plättchenhemmern, Betablockern, ACE-Hemmern/AT1-Blockern und Statinen vollzogen sich ganz  überwiegend im Zeitraum bis 2010. Danach stagnierte der Anteil damit behandelter Patienten – allerdings auf hohem Niveau.

Diese Zahlen  sollten nach Ansicht Jernbergs  ein Stimulus dafür sein, nach neuen Therapiemöglichkeiten zu suchen, um die Prognose der Patienten nach akutem Myokardinfarkt  weiter zu verbessern.  

Literatur

Jernberg  T.: No changes in survival after acute myocardial infarction in the last decade – new date from SWEDEHEART. Vorgestellt  in der Sitzung „Late Breaking Registry Results  1” beim ESC-Kongress 2018, 25. – 29. August 2018, München.

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell