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28.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Zweifel an kardioprotektiver Wirkung

Wie schlecht ist „gutes“ Cholesterin? Hohe HDL-Werte unter Verdacht

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Eine amerikanische Kohortenstudie kratzt am guten Image des HDL-Cholesterins, das bis dato mit positiven kardioprotektiven Eigenschaften punkten konnte. Denn es zeigte sich, dass bei Werten über 60 mg/dl die Gesamtmortalität und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ansteigen.

Bisher war die Welt des Cholesterins ganz klar in „gut“ und „böse“ eingeteilt: Zu hohe LDL-C-Werte sind eindeutig mit dem Anstieg des kardiovaskulären Risikos, mit Koronarerkrankungen und Myokardinfarkten assoziiert, während hohen HDL-C-Werten eine schützender Effekt zugeschrieben wird: Diese Partikel sind am Abtransport von Fetten aus Blut und Zellwänden der Blutgefäße beteiligt und tragen so dazu bei, die Bildung schädlicher Plaques zu verhindern.

Doch die Cholesterinwelt ist offenbar nicht nur gut oder böse bzw. schwarz oder weiß, es gibt dazwischen auch Grauschattierungen. Der Wert des „guten“ HDL-Cholesterins kann nicht nur zu niedrig sein, um eine schützende Funktion auszuüben, sondern ab Konzentrationen über 60 mg/dl (1,5 mmol/l) auch mit unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen einhergehen. Das zeigen zumindest die Ergebnisse einer retrospektiven amerikanischen Kohortenstudie, die Dr. Marc Allard-Ratick, Atlanta, USA, bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Kongresses der European Society of Cardiology (ESC) 2018 in München vorstellte.

Daten von mehr als 5.000 Personen analysiert

Ausgewertet wurden Daten der Emroy Cardiovascular Biobank von über 5.000 Patienten, um einen Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterinwerten und dem Risiko für Herzinfarkt oder Tod zu analysieren. Die Patienten waren im Mittel 63 Jahre alt und die meisten hatten bereits eine Herzerkrankung. Auf Basis ihrer HDL-C-Werte wurden sie in fünf verschiedene Gruppen im Bereich zwischen unter 30 und über 60 mg/dl (bzw. unter 0,78 über 1,5 mmol/l) eingeteilt. Die durchschnittliche Follow-up-Zeit lag bei 4 Jahren und insgesamt 13 % (n = 769) starben aufgrund eines Herzinfarktes oder anderer kardiovaskulärer Ursachen.

Das niedrigste Risiko für diese Todesursachen hatten dabei Patienten mit HDL-C-Werten zwischen 41 und 60 mg/dl (1,1 und 1,5 mmol/l), während dieses Risiko bei Patienten mit Werten darüber oder darunter höher war. Bei Werten ab 60 mg/dl (1,5 mmol/l) stieg dieses Risiko sogar um fast 50 %. Auch nach Adjustierung auf weitere kardiovaskuläre Risiken (Rauchen, Diabetes, LDL-C-Werte) und Anpassung von Familienanamnese, Medikamenteneinnahme und HDL-C-assoziierten Faktoren wie Geschlecht oder Alkoholkonsum blieb dieser Zusammenhang bestehen.

Die Ergebnisse bestätigen Ergebnisse neuerer Publikationen zu nachteiligen Effekten erhöhter HDL-C-Level auf das Herz-Kreislaufsystem, so Allard-Ratick. Der Mechanismus dahinter ist allerdings noch unklar und muss weiter erforscht werden. Derzeit wird vermutet, dass bei sehr hohen HDL-C-Konzentrationen dysfunktionale HDL-Partikel entstehen, die dann ihre protektive Wirkung verlieren.

Literatur

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