Nachrichten 17.09.2019

Auch bei Patienten mit TIA lohnt sich die Suche nach Vorhofflimmern

Nach unklaren Schlaganfällen oder transitorischen ischämischen Attacken (TIA), bei denen vermutlich Embolien die Ursache waren, lässt sich durch kontinuierliches Monitoring relativ häufig ein bis dato unerkanntes Vorhofflimmern detektieren, so die im deutschen SPIDER-AF-Register gemachte Erfahrung.

Für die Detektion von Vorhofflimmern nach unklaren zerebrovaskulären Ereignissen scheint es unerheblich zu sein, ob es sich dabei um einen Schlaganfall oder eine TIA handelt: In beiden Fällen ist die Detektionsrate relativ hoch und kaum unterschiedlich. Dafür sprechen Ergebnisse einer neuen Analyse von Daten aus dem SPIDER-AF-Register, die Dr. Franz Goss aus München beim ESC-Kongress in Paris vorgestellt hat.

SPIDER-AF ist ein in 34 kardiologischen Praxen in Deutschland angesiedeltes und vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK Service GmbH, München) durchgeführtes  Projekt, an dem 500 Patienten mit Schlaganfall (72,6%) oder TIA (27,4%) beteiligt sind. Bei allen Patienten sprach die zerebrale MRT- oder CT-Bildgebung für ein typisches thromboembolisches Entstehungsmuster.

Die Teilnehmer, die alle zu Beginn Sinusrhythmus aufwiesen,  sind zur kontinuierlichen Rhythmusüberwachung mit einem implantierbaren Loop-Recorder (ILR, Reveal LinQ) versorgt worden, der unregelmäßige Herzaktionen automatisch aufzeichnete und die Daten an den behandelnden Kardiologen übermittelte. Die Follow-up-Dauer betrug 12 Monate. In dieser Zeit sahen die beteiligten Kardiologen die Patienten alle drei Monate in ihrer Praxis.

Detektionsrate betrug 26,8% nach einem Jahr

Bei insgesamt 134 der 500 Studienteilnehmer (26,8%) wurde im Verlauf von 12 Monaten nach ILR-Implantation ein neu entdecktes Vorhofflimmern  diagnostiziert. Mit 29,4% (TIA-Subgruppe) und 25,6% (Schlaganfall-Subgruppe) lagen die Detektionsraten nicht weit auseinander.

Unter den Patienten mit detektiertem Vorhofflimmern bildeten diejenigen die größte Gruppe, bei denen im Überwachungszeitraum ein bis zwei Arrhythmie-Episoden (> 30 Sekunden) dokumentiert wurden (48% in der TIA- und 55% in der Schlaganfall-Subgruppe). Der Anteil der Patienten, bei denen die Dauer der längsten detektierten Vorhofflimmern-Episode zwischen 0,5 und 5 Minuten betrug, war mit 40% in beiden Subgruppen gleich.

In den meisten Fällen (61%) lag der Zeitpunkt der Entdeckung von Vorhofflimmern in den ersten sechs Monaten nach ILR-Implantation. Der Anteil der Patienten mit später detektierter Arrhythmie war in der TIA-Subgruppe höher als in der Schlaganfall-Subgruppe, berichtete Goss. Diabetes mellitus (in der Schlaganfall-Subgruppe) sowie das Alter (in beiden Subgruppen) waren nach seinen Angaben die entscheidenden Risikofaktoren für das Auftreten von Vorhofflimmern.

Nach Einschätzung von Goss sprechen diese Ergebnisse dafür, dass eine ILR-Implantation nicht nur nach unklarem Schlaganfall, sondern auch nach TIA zum Aufspüren von unbekanntem Vorhofflimmern in Betracht gezogen werden sollte.