Nachrichten 05.09.2019

Herzinsuffizienz: Betablocker reduzieren Mortalität auch bei eingeschränkter Nierenfunktion

Niereninsuffizienz ist kein Grund, bei systolischer Herzinsuffizienz auf Betablocker zu verzichten. Bis zu einer eGFR von 30 ml/min/1,73m2 sind sie effektiv und sicher und senken die Mortalität, so das Ergebnis einer neuen Analyse.

Im Praxisalltag weisen viele Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) eine eingeschränkte Nierenfunktion auf. Diese Patienten werden von randomisierten Studien in der Regel ausgeschlossen. Deshalb war bis dato nicht bekannt, ob Betablocker bei HFrEF-Patienten mit Nierenschwäche nützlich und sicher sind.

Diese Wissenslücke schließt jetzt die „Beta-blockers in Heart Failure Collaborative Group“ mit einer aktuellen Studie, deren Ergebnisse in einer „Hot Line“-Sitzung auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC 2019) in Paris vorgestellt wurden.

Metaanalyse von Daten aus zehn "Landmark"-Studien

Die Autoren hatten individuelle Patienten-Daten aus zehn großen Doppelblindstudien analysiert, die Betablocker mit Placebo bei systolischer Herzinsuffizienz verglichen. In den Studien fanden sich 16.740 Patienten mit Herzinsuffizienz und eingeschränkter Nierenfunktion, die im Schnitt 1,3 Jahre beobachtet wurden.

Die Sterblichkeit lag höher, wenn eine Nierenschwäche vorlag. Bei Patienten mit Sinusrhythmus reduzierten Betablocker sowohl bei leichter renaler Dysfunktion (eGFR 45-59 ml/min/1,73m2) als auch bei mittelgradiger Niereninsuffizienz (eGFR 30-44 ml/min/1,73m2) die Mortalität, und zwar um 27% bzw. 29%, berichtete Studienautor Dr. Dipak Kotecha von der Universitätsklinik in Birmingham.

Gleicher Nutzen wie bei Nierengesunden

In der Gruppe mit der stärker eingeschränkten Nierenfunktion belief sich absolute Mortalitätsreduktion auf 4,7%. Die NNT, um einen Todesfall zu verhindern, betrug 21. Insgesamt war der Nutzen der Betablockade bei Nierenschwäche nicht geringer als bei erhaltener Nierenfunktion.

Darüber hinaus hatte die Betablockade keine negativen Auswirkungen auf die Nierenfunktion. Das Nebenwirkungsspektrum glich demjenigen bei Nierengesunden. Patienten mit Nierenschäden konnten Betablocker meist problemlos auftitrieren. 

Leider werden Betablocker HFrEF-Patienten mit Nierenschwäche häufig vorenthalten oder sie werden unterdosiert. Dies sollte nach Vorliegen dieser Daten nicht mehr passieren, sagte Kotecha.

Ausnahme: Patienten mit Vorhofflimmern

Anders sah es aus bei HFrEF-Patienten mit Vorhofflimmern. Diese profitierten grundsätzlich nicht von der Betablockade, unabhängig von der Nierenfunktion.

Unklar bleibt die Situation bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 30 ml/min/1,73m2). Hierzu fanden sich in den Studien nicht ausreichend Patienten.

Literatur

Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), Paris, 31.08.-04.09.2019, Hot Line Session 4, BB meta HF-Studie

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