Nachrichten 01.09.2019

Herzinsuffizienz: Dapagliflozin reduziert Klinikeinweisungen und Todesfälle

Der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin hat sich bei chronischer Herzinsuffizienz als sehr wirksam erwiesen: Klinikeinweisungen wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz und die kardiovaskuläre Mortalität wurden in der DAPA-HF-Studie signifikant reduziert – auch bei Patienten ohne Diabetes.

In der Phase-III-Studie DAPA-HF (Dapagliflozin And Prevention of Adverse-outcomes in Heart Failure) hat der bislang als Blutzuckersenker bei Typ-2-Diabetes genutzte SGLT2-Hemmer Dapagliflozin seinen therapeutischen Nutzen bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF: Heart Failure with reduced Ejection Fraction) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Damit gibt es bei dieser Indikation nun eine neue Therapieoption zur Prognoseverbesserung, von der auch Herzinsuffizienz-Patienten ohne Diabetes profitieren, betonte Studienleiter Professor John McMurray von der University of Glasgow. Er hat die Ergebnisse in einer „Late-breaking Clinical Trials“-Sitzung beim Kongress der europäischen Kardiologengesellschaft ESC in Paris vorgestellt.

Das Risiko für den primären Studienendpunkt (klinische Verschlechterung der Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität) wurde durch Dapagliflozin im Vergleich zu Placebo relativ um 26% reduziert. Im Follow-up-Zeitraum von  18 Monaten war die Inzidenzrate für diese Ereignisse mit 16,3% versus 21,2% in der Dapagliflozin-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio [HR] 0,74; 95% Konfidenzintervall [CI] 0,65 – 0,85; p<0,00001). Auch die Herzinsuffizienz-Symptomatik wurde deutlich verbessert, berichtete McMurray.

Kardiovaskuläre Mortalität um 18% reduziert

Auch die separaten Analysen beider Komponenten des primären Endpunktes ergaben jeweils signifikante Reduktionen durch Dapagliflozin. So wurde das Risiko für Ereignisse im Zusammenhang mit einer Herzinsuffizienz-Verschlechterung (ungeplante Klinikeinweisungen, notfallmäßiger Kontakt mit nachfolgender intravenöser Therapie) relativ um 30% gesenkt (Inzidenz: 10,0% vs. 13,7%;  HR 0,70; 95% CI 0,59 – 0,83; p<0,00004). Den größten Anteil daran hatte die relative Reduktion von Klinikeinweisungen infolge sich verschlechternder Herzinsuffizienz um 30% durch Dapagliflozin (9,7% vs. 13,4%, HR 0.70; 95% CI CI 0,59 – 0,83; ; p<0,001).

Die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität wurde von 11,5% (Placebo) auf 9,6% gesenkt, was einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 18%  entspricht (HR 0,82; 95% CI 0,69 – 0,98; p=0,029). Und auch die Gesamtmortalität nahm unter Dapagliflozin signifikant um 17% ab (11,6% vs. 13,9%, HR 0,83, 95% CI 0,71 – 0,97). Damit sei nach fünf Jahren erstmals wieder eine Therapie gefunden worden, die das Sterberisiko bei Herzinsuffizienz nachweislich reduziert. Dies sei ein „wichtiger Durchbruch“ für Patienten mit einer „schrecklichen Erkrankung“.

Auch Patienten ohne Diabetes profitierten

McMurray bewertete die gezeigten relativen und absoluten Risikoreduktionen als „substanziell“ und „klinisch bedeutsam“. Diese Risikoreduktionen seien in allen wichtigen Subgruppen einschließlich Patienten mit und ohne Diabetes konsistent nachweisbar. Die Verträglichkeit von Dapagliflozin sei gut, die Rate an Therapieabbrüchen niedrig gewesen.

SGLT2-Hemmer hatten zuvor schon in Studien bei Patienten mit Diabetes günstige Effekte auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz gezeigt. DAPA-HF ist die erste große Endpunktstudie, in der ein SGLT2-Hemmer auf Wirksamkeit und Sicherheit speziell in der Behandlung von Patienten mit manifester Herzinsuffizienz mit und ohne Typ-2-Diabetes geprüft worden ist.

Wirkungen auf Basis einer exzellenten Standardtherapie

In der Studie waren  4.744 Patienten (mittleres Alter 66 Jahre, 23% Frauen) mit symptomatischer Herzinsuffizienz  (NYHA-Klasse II-IV) auf Basis einer eingeschränkten systolischen Funktion (linksventrikuläre Auswurffraktion ≤ 40%) und erhöhten NT-proBNP-Werten per Randomisierung einer Behandlung mit Dapagliflozin (10 mg/Tag) oder Placebo additiv zu einer exzellenten Standardtherapie zugeteilt worden. So wurden 94% aller Studienteilnehmer bereits mit einem ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker oder  Angiotensinrezeptor-Neprilysininhibitor (ARNI),  96% mit einem Betablocker und 71% mit einem Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA) behandelt.

Von den Teilnehmern hatten 42% einen bereits diagnostizierten und 3% einen bis dato unerkannten Typ-2-Diabetes (HbA1c ≥ 6,5%). Von den  übrigen Teilnehmern wurden 67% als Personen mit „Prä-Diabetes“ (HbA1c ≥ 5,7%) klassifiziert, 33% hatten normale HbA1c-Werte.

Literatur

McMurray P.: DAPA HF The Dapagliflozin And Prevention Of Adverse-outcomes In Heart Failure Trial, vorgestellt in der Sitzung “Hot Line 1” beim beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) 2019, 31. August – 4. September 2019, Paris