Nachrichten 16.09.2019

Mit innovativem Modell Hypertonie-Risiko in der Bevölkerung deutlich gesenkt

Im Rahmen einer Bevölkerungsstudie in Kolumbien und Malaysia gelang es einem Forscherteam, das Risiko für Bluthochdruck der dort lebenden Menschen signifikant zu senken. Die Maßnahmen wurden von nichtärztlichem Personal geleitet.

Hypertonie ist weltweit die häufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, besonders in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Trotz entsprechenden Empfehlungen sind Blutdruckkontrolle und die Verwendung von Statinen in vielen Regionen zu selten. Forschern gelang es, diese und weitere Maßnahmen in Gemeinden in Kolumbien und Malaysia mithilfe von nichtärztlichem Gesundheitspersonal und Angehörigen der Patienten umzusetzen.

Der Anteil der Patienten mit gut eingestelltem Blutdruck verdoppelte sich

Sie reduzierten dadurch das kardiovaskuläre Risiko der Interventionsgruppe um 75%. Studienleiter Dr. Jon-David Schwalm von der McMaster Universität in Hamilton, Kanada fasste zusammen: „Der Anteil der Patienten mit gut kontrolliertem Blutdruck verdoppelte sich, ihr Cholesterinspiegel sank, sie nahmen regelmäßiger Medikamente ein, bewegten sich mehr und ernährten sich gesünder.“

Schwalm präsentierte die randomisierte HOPE-4-Studie beim ESC-Kongress 2019. Es hatten mehr als 1.300 Hypertonie-Patienten im Alter von über 50 Jahren daran teilgenommen. Sie stammten aus 30 Gemeinden in Kolumbien und Malaysia. 14 davon wurden nach dem Zufallsprinzip einem innovativen Versorgungsprogramm zugeteilt, 16 dienten als Kontrollgruppe, sodass dort nichts verändert wurde.

Zuerst wurde in den Gemeinden mit der neuen Versorgungsstruktur ein Screening durchgeführt, um Patienten mit Hypertonie zu identifizieren, die noch nichts von ihrem Bluthochdruck wussten oder nichts dagegen unternahmen. Nichtärztliches Gesundheitspersonal führte Beratungsgespräche, leitete Behandlungen ein und kontrollierte die Risikofaktoren der Patienten. Sie stellten kostenlose Medikamente (Blutdrucksenker und Statine) zur Verfügung, die unter ärztlicher Aufsicht empfohlen wurden. Jeweils ein Familienangehöriger oder Freund des Patienten wurde als Helfer eingesetzt, um das Einhalten der Medikamenteneinnahme und der Lebensstiländerungen zu erleichtern.

Framingham Risk Score nach einem Jahr durchschnittlich um 11,2% niedriger

Die Forscher untersuchten, inwiefern sich der Framingham Risk Score, das geschätzte 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, innerhalb eines Jahres verändert hatte. In der Interventionsgruppe war der Framingham Risk Score nach einem Jahr um 11,2% gesunken. In der Kontrollgruppe sank er dagegen nur um 6,4%.

In der Interventionsgruppe sank der systolische Blutdruck der Patienten um 11,5 mmHg mehr und der LDL-Cholesterinspiegel um 0,4 mmol mehr als in der Kontrollgruppe. Es gab in der Interventionsgruppe mehr als doppelt so viele Patienten mit kontrollierter Hypertonie wie in der Kontrollgruppe (69% vs. 31%).

„Die Strategie von HOPE4 ist pragmatisch und effektiv und hat im Vergleich zu gegenwärtigen Methoden, die ausschließlich von Ärzten angewandt werden, das Potenzial Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit erheblich zu reduzieren. Sie könnte dazu beitragen, das Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen, die kardiovaskuläre Mortalität bis 2030 um ein Drittel zu senken“, so Mitautor Prof. Salim Yusuf von der McMaster Universität in Hamilton.

Literatur

Schwalm J et al. “Rationale and design of a cluster randomized trial of a multifaceted intervention in people with hypertension: The Heart Outcomes Prevention and Evaluation 4 (HOPE-4) Study“, präsentiert bei der Pressekonferenz “Hot line 3” am 02.09.2019, ESC-Kongress 2019, Paris

ESC-Pressemitteilung: Tailored community intervention lowers cardiovascular risk in patients with hypertension. 02.09.2019.

Neueste Kongressmeldungen

Ausblick auf die DGK Herztage: „Endlich wieder ein persönlicher Austausch“

Die DGK Herztage finden vom 30.9 bis 02.10.2021 als Hybridkongress in Bonn und online statt. Es besteht somit seit Langem wieder die Möglichkeit eines persönlichen Austausches. Der Tagungspräsident für Kardiologie aktuell, Dr. Nobert Smetak, erzählt, worauf er sich besonders freut.

Neuer Therapieansatz enttäuscht bei Patienten im kardiogenen Schock

Die Hoffnung, mit einem neuen, am Gefäßregulator Adrenomedullin ansetzenden Therapiekonzept die Behandlung von Patienten im kardiogenem Schock verbessern zu können, hat sich in einer Studie deutscher Kardiologen nicht erfüllt.

Blutdrucksenkung: Vierer-Kombi in niedriger Dosierung schlägt Monotherapie

Mit einer Fixkombination, die vier sehr niedrig dosierte Antihypertensiva in einer Kapsel vereint („Quadpill“), gelingt der Einstieg in eine blutdrucksenkende Therapie wesentlich besser als mit einer antihypertensiven Monotherapie, zeigt die QUARTET-Studie.

Neueste Kongresse

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

HRS-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) hatte rhythmologisch einige zu bieten: neue Pacing-Methoden, provokative Ergebnisse in puncto Alkohol und Vorhofflimmern und vieles mehr. Seit langem fand ein Kongress mal wieder als Vor-Ort-Event statt, in diesem Fall trafen sich die Experten in Boston. Alle Sessions konnten aber auch virtuell verfolgt werden. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier.

EuroPCR-Kongress 2021

Einer der weltweit führenden Kongresse für interventionelle kardiovaskuläre Medizin – der EuroPCR – fand in diesem Jahr vom 17. bis 20. Mai 2021 virtuell statt. Die wichtigsten Studienergebnisse sind für Sie in diesem Dossier zusammengetragen. 

ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2021/© mandritoiu / stock.adobe.com
EuroPCR-Kongress 2021