Skip to main content
main-content

05.09.2019 | ESC-Kongress 2019 | Nachrichten

Embolie-Prophylaxe bei Vorhofflimmern

NAXOS-Analyse gibt Einblick in die Praxis der oralen Antikoagulation im Versorgungsalltag

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Eine umfangreiche retrospektive Auswertung von „Real World“-Daten aus Frankreich gibt Aufschluss über Wirksamkeit und Sicherheit verfügbarer oraler Antikoagulanzien im Versorgungsalltag.

Trotz etlicher Studien, welche die klinischen Vorteile von direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) im Vergleich zu den Vitamin-K-Antagonisten (VKA) offenbart haben, wird nach wie vor eine signifikante Anzahl von Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern (NVAF) zur Schlaganfall-Prophylaxe mit VKA behandelt. Allerdings stammen die eine Antikoagulation mit DOAKs stützenden Daten überwiegend aus großen randomisierten Vergleichsstudien. Was noch fehlt, sind sogenannte „real-life data“ aus dem Versorgungsalltag.

Diese Lücke wollte das französische Team um Prof. Gabriel Steg aus Paris schließen. Ihr Ziel war es zum einen, das alltägliche Verschreibungsverhalten bezüglich oralen Antikoagulanzien bei NVAF zu beleuchten und zum anderen die Sicherheit und Effektivität von VKA im Vergleich zu DOAKs zu untersuchen.

Hilfreich war in diesem Zusammenhang, dass in Frankreichs nationalem Gesundheitssystem „SNDS“ von mehr als 90% aller Bürger Daten zur Demographie, medizinischen Vorgeschichte, Krankenhausaufenthalten, Diagnosen und Eingriffen, Behandlungsprozeduren sowie ambulanten Vergütungen und Sterblichkeit dokumentiert sind.

Mittels dieser Datenbank wurden aus dem Zeitraum von 1/2014 – 12/2016 alle Patienten >18 Jahre mit neu eingeleiteter orale Antikoagulation (OAK) aufgrund von NVAF identifiziert. Weitere Einschlusskriterien waren: mindestens eine OAK Behandlung, gesicherte Diagnose von VHF innerhalb des Studienzeitraums. Patienten mit mehreren OAK Behandlungen, valvulärem VHF oder anderen Indiationen zur OAK wurden ausgeschlossen.

Im Blickpunkt dieser Kohortenstudie stand zum einen die Effektivität der OAK, gemessen an der Inzidenz für Schlaganfälle und systemische Embolienen sowie die Gesamtsterblichkeit, zum anderen die Therapiesicherheit, gemessen am Blutungsrisiko. Von fast 2 Millionen erfassten Patienten wurden ca. 400.000 in die Auswertung eingeschlossen. Es wurden vier Patientengruppen entsprechend den vier unterschiedlichen Antikoagulanzien (VKA, Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran) analysiert.

Die meisten Patienten noch auf VKA eingestellt

Interessanterweise waren immer noch die meisten Patienten auf einen VKA eingestellt (N=112.628), gefolgt von Rivaroxaban (N=100.063), Apixaban (N=87.565) und Dabigatran (N=21.245). Die mit VKA behandelten Patienten waren im Vergleich kränker, ablesbar an einem höheren durchschnittlichen CHADS2VASC2 Scores (VKA: 3,9; Apixaban: 3,1; Rivaroxaban: 2,8; Dabigatran: 2,7), HAS-BLED Score (VKA: 2,6; Apixaban: 2,2; Rivaroxababn: 2,1; Dabigatran: 2) und Charlson Index (VKA: 5,9; Apixaban: 4,5; Rivaroxaban: 4,1; Dabigatran: 4).

Die Autoren stellten fest, dass unter VKA die Gesamtsterblichkeit mit 27,7% innerhalb des Beobachtungszeitraums von drei Jahren am höchsten war. Die Therapie mit den DOAKs Apixaban (9,8%), Rivaroxaban (9,7%) und Dabigatran (10,1%) war dagegen mit niedrigeren und sich nur wenig unterscheidenden Sterberaten assoziiert.

Auch die Blutungsrate war unter VKA-Antikoagulation am größten, während innerhalb der DOAK-Gruppe die Therapie von Apixaban und Dabigatran mit etwas geringeren Blutungskomplikationen assoziiert war (VKA: 9,7%, Apixaban: 4,1%; Rivaroxaban: 6,1%; Dabigatran: 4,1%).  In Hinblick auf die Effektivität, bezogen auf thromboembolische Ereignisse, waren die DOAKs ebenfalls überlegen (VKA: 6,2%, Apixaban: 2,9%; Rivaroxaban: 3,1%; Dabigatran: 3,1%). 

Wenngleich das VKA Patientenkollektiv insgesamt kränker war, schwerer erkrankte Patienten unter Umständen unterrepräsentiert waren und die Daten einer solchen Studie nie vollständig sein können, erscheint angesichts der Ergebnisse dieser großen Versorgungsstudie der Einsatz von VKA bei Patienten mit NVAF nicht mehr up to date zu sein.

Literatur