Nachrichten 18.09.2019

Senkt Grippeimpfung die Mortalität bei Menschen mit Hypertonie?

Eine Impfung gegen Influenza ist bei Patienten mit Bluthochdruck mit einem niedrigeren Sterberisiko assoziiert, so das Ergebnis einer bevölkerungsbasierten dänischen Kohortenstudie, die auf dem ESC-Kongress in Paris präsentiert wurde.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt eine Impfung gegen Influenza bereits vor dem 60. Lebensjahr, wenn Herz-oder Kreislauferkrankungen vorliegen. Patienten mit Hypertonie zählen nicht dazu.

Auswertung der Sterbefälle in den Wintermonaten

Die Daten einer dänischen Kohortenstudie an über 600.000 Erwachsenen lassen diese Empfehlungen überdenken. Die Autoren werteten dazu die Daten derjenigen Dänen aus, die aufgrund von Bluthochdruck behandelt wurden. Alle an der Erhebung teilnehmenden Patienten erhielten mindestens zwei Präparate aus der Gruppe der Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten oder Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, wiesen aber keine weiteren kardiologischen Erkrankungen auf. Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen nahmen nicht an der Studie teil. Erfasst wurden die Sterbefälle in der Wintersaison (Dezember bis März) der Jahre 2007 bis 2016.

Studienendpunkt war die Mortalität. Insgesamt starben innerhalb dieses Zeitraums mit rund 21.500 Patienten etwa 3,5 Prozent der Studienteilnehmer, davon zwei Prozent aufgrund kardiovaskulärer Ursachen und 0,6 Prozent an Herzinfarkt.

Sterberisiko bei Geimpften um 18 Prozent niedriger

Wer gegen Grippe geimpft war, wies insgesamt ein relativ um 18 Prozent niedrigeres Sterberisiko auf (Hazard Ratio 0,82; 95% CI 0,70 bis 0,85). Die Sterblichkeit aufgrund kardiovaskulärer Probleme war 16 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,84; 95% CI 0,80 bis 0,89), an Herzinfarkt oder Schlaganfall starben rund 10 Prozent weniger (Hazard Ratio 0,90; 95% CI 0,82 bis 0,98).

Grippeimpfung für alle Hypertoniker?

Wie Influenza Menschen mit Bluthochdruck schaden könnte, ist nicht geklärt. Die Autoren vermuten, dass die starke Immunreaktion auf die Influenza-Viren dafür verantwortlich sein könnte. Sie vermuten, dass durch den Entzündungsprozess die Stabilität der Plaques beeinträchtigt wird. Deswegen plädieren sie für eine generelle Influenza-Impfung für alle Patienten mit Hypertonie.