Nachrichten 10.09.2019

Registeranalyse: Wie die STEMI-Leitlinien heute im Praxisalltag umgesetzt werden

Wie werden heute die Leitlinien zum Therapiemanagement bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) im Praxisalltag umgesetzt und wie sind die klinischen Ergebnisse? Informationen dazu liefert eine aktuelle Analyse von Daten des EORP-STEMI-Registers der European Society of Cardiology (ESC).

Ziel der Analyse war die Evaluation der aktuellen Behandlungen und des klinischen Verlaufs bei STEMI-Patienten vor dem Hintergrund der ESC-Leitlinien.  Mögliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sowie die 1-Jahres- und Inhospital-Mortalität standen ebenfalls im Blickpunkt. Prof. Uwe Zeymer aus Ludwigshafen hat die Ergebnisse bei ESC-Kongress in Paris vorgestellt.

In das Register waren  im Zeitraum zwischen Januar 2015 und März 2017 insgesamt 11.155 Patienten mit STEMI aus 32 Ländern (davon 29 ESC-Mitglieder und drei Partnerländer) in 193 Kliniken aufgenommen worden. Davon earen  10.962 lebend aus der Klinik entlassen worden.

Als akute Reperfusionstherapie hatten 77% aller Patienten eine primäre perkutane Koronarintervention (PCI) und 16% eine Fibrinolyse erhalten. Bei 7% war auf eine Reperfusion verzichtet worden.  Hauptgründe dafür waren eine zu späte Präsentation des Patienten und eine spontane Reperfusion. Eine primäre PCI erfolgte am häufigsten in Westeuropa mit einer Rate von 97%, deutlich seltener dagegen in Nordafrika mit knapp 50%.

Innerhalb des ersten Jahres nach dem STEMI erlitten 2,4% der Patienten einen Re-Infarkt und 1,0% einen Schlaganfall. Die Rate an Rehospitalisierungen betrug in dieser Zeit 22,6%. Relativ am höchsten waren die entsprechenden Ereignisraten in der Subgruppe ohne Reperfusionstherapie, relativ am niedrigsten in der Subgruppe mit PCI.

Im Verlauf des ersten Jahres nach dem Indexereignis musste bei rund 14% der Patienten erneut eine Revaskularisation durchgeführt werden, mehrheitlich eine PCI (bei knapp über 10%, Bypass-OP in knapp 4%). Am höchsten war die Rate für eine erneute PCI mit über 18% in der Fibrinolyse-Gruppe, am niedrigsten mit rund 6% in der Gruppe mit primärer PCI. Erstaunlich wenig Patienten, nämlich nur 1%, Patienten wurden im ersten Jahr nach dem STEMI mit einem ICD versorgt.

Mehr als 90% erhielten eine Statin-Behandlung

Der Blick auf die medikamentöse Therapie nach STEMI offenbarte eine gute Umsetzung der Leitlinien-Empfehlungen: Mehr als  90% der Patienten hatten ASS und rund 70% eine duale Antiplättchen-Therapie (DAPT), zumeist in Kombination mit Clopidogrel, erhalten.  Jeweils rund 80% waren zur Sekundärprävention auf einen Betablocker und auf einen RAAS-Blocker eingestellt worden. Der Anteil an mit Statinen behandelten Patienten lag bei über 90%.

Die Inhospital-Mortalität betrug im Gesamtkollektiv knapp 4%. Nach einem Jahr hatte sich die Mortalität bei einer Rate von 8,1% verdoppelt. Relativ am höchsten war die  1-Jahresmortalität mit 25,2% in der Fibrinolyse-Gruppe, relativ am niedrigsten mit 5,9% in der PCI-Gruppe.  Regional betrachtet war die 1-Jahresmortalität mit 6,9% in den westeuropäischen Ländern am niedrigsten und in Nordafrika mit 12,2% am höchsten.

Zusammengefasst dokumentiert das EORP-Register bei Patienten mit STEMI inzwischen eine hohe Rate an Reperfusionstherapien (ganz überwiegend PCI) und speziell in der Gruppe mit PCI auch eine relativ niedrige Mortalität.  Allerdings verdoppelt sich die  Mortalität innerhalb des ersten Jahres nach STEMI - dies trotz inzwischen guter Umsetzung der ESC-Leitlinien bezüglich der antithrombotischen und sekundärpräventiven Medikation. Entgegen den Leitlinien wird in der thrombozytenhemmenden Therapie allerdings immer noch überwiegend mit Clopidogrel und nicht mit Prasugrel oder Ticagrelor behandelt.  Auch erstaunt die sehr geringe Rate an ICD-Implantationen.

Literatur

Zeymer U.: One-year outcomes after ST elevation myocardial infarction.The EORP ACCA EAPCI registry on ST-elevation myocardial infarction of the european society of cardiology (ESC). Vorgestellt in der Sitzung “Late Breaking Science in Acute Coronary Syndromes 2” beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) 2019, 31.8. – 04.09. 2019, Paris

Neueste Kongressmeldungen

Wie sich Herzinsuffizienz-Patienten anhand eines EKGs erkennen lassen

Künstliche Intelligenz kann vieles erkennen, was für Menschen kaum oder gar nicht nachvollziehbar ist. Eine randomisierte Studie deutet nun darauf hin, dass ein mit Maschinenlernen hinterlegtes EKG dabei helfen kann, Herzinsuffizienz auf Hausarztebene früher zu erkennen.

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021 und der 87. Jahrestagung 2021 live und on demand.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Echte Statin-Nebenwirkung oder Nocebo? So lässt sich das herausfinden

Wenn Patienten unter einer Statintherapie über Muskelschmerzen klagen, ist oft nicht das Medikament schuld daran. Eine Studie zeigt nun einen Weg auf, mit dem sich der Ursache auf den Grund gehen lässt – und wie sich Patienten zur Therapiefortführung überzeugen lassen.

Neue SARS-CoV-2-Varianten: 5 Dinge, die jeder Kardiologe wissen sollte

Hiobsbotschaften von neuen, ansteckenderen und womöglich virulenteren SARS-CoV-2-Varianten beunruhigen die Bevölkerung. Doch welche Konsequenzen haben sie für die Arbeit der Ärzte? Experten haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Reicht ein Troponin-Test aus, um Patienten zu entlassen?

Bei konventionellen Troponin-Tests wird bei negativem Ergebnis eine serielle Messung empfohlen. Neue Daten aus den USA deuten allerdings an, dass ein einziger Test ausreichen könnte, um Patienten mit anfänglichem Herzinfarkt-Verdacht sicher zu entlassen.

Aus der Kardiothek

80-jähriger Patient im CT – wie lautet Ihre Diagnose?

Kardiale Computertomografie bei einem 80-jährigen Patienten nach STEMI – was ist zu sehen?

62-Jähriger mit Schrittmacher – was ist im Röntgen zu sehen?

62-jähriger Patient mit Zustand nach 2-Kammer-Schrittmacher, aufgenommen bei respiratorischer Insuffizienz. Was ist auf den Röntgenbildern zu sehen?

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell
DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen