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03.09.2019 | ESC-Kongress 2019 | Nachrichten

Unterschiede abhängig vom Einkommen

Weltweit häufigste Todesursache: Überholt Krebs kardiovaskuläre Erkrankungen?

Autor:
Joana Schmidt

Momentan sterben die meisten Menschen weltweit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einkommensstarken Ländern gibt es jedoch bereits doppelt so viele Krebstote wie kardiovaskulär bedingte Todesfälle, im Gegensatz zu ärmeren Regionen.

Auch wenn kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt Todesursache Nummer eins sind, holt Krebs besonders in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen auf. Laut den beim ESC-Kongress präsentierten Ergebnissen der PURE-Studie liegt das daran, dass sich Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einkommensstarken Ländern stetig verbessern. Würde dies auf alle Länder ausgeweitet, könnte die Anzahl der kardiovaskulären Erkrankungen noch deutlich weiter reduziert werden.

Die Forscher um Dr. Salim Yusuf von der kanadischen McMaster University verglichen für ihre Studie 21 Länder, vier mit hohem Einkommen (HIC), 12 mit mittlerem (MIC) und fünf mit niedrigem Einkommen (LIC). Sie beobachteten fast zehn Jahre lang mehr als 162.500 Menschen zwischen 35 und 70 Jahren. Diese kontaktierten sie mindestens alle drei Jahre, um ihren Gesundheitszustand und eventuelle Krankenhausaufenthalte zu erfassen.

In den reichen Ländern starben die Menschen doppelt so oft an Krebs

Die Gesamtmortalität war in den armen Ländern am höchsten, in den Ländern mit mittlerem Einkommen etwas niedriger und in den reichen Ländern am geringsten. Das galt für alle Todesursachen abgesehen von Krebs: Hier waren die Mortalitätsraten bei allen drei Regionen ähnlich. Kardiovaskuläre Erkrankungen waren insgesamt die häufigste Todesursache.

Überraschend groß waren die Unterschiede der Todesart abhängig vom Einkommen: In den reichen Ländern starben die Menschen fast doppelt so häufig an Krebs (55%) wie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (23%). In den einkommensschwachen Gebieten waren kardiovaskuläre Todesfälle (43%) dagegen fast dreimal so häufig wie Krebstodesfälle (15%). Die Zahlen in den mittleren Ländern lagen dazwischen.

„Abgesehen von der Eindämmung des Tabakkonsums konnten Krebserkrankungen und dadurch bedingte Todesfälle mithilfe von Prävention und Behandlung noch nicht nennenswert verringert werden“, so Mitautor Dr. Gilles Dagenais vom Quebec Heart and Lung Institute in Kanada. Es sei jedoch zu erwarten, dass die jüngsten Fortschritte bei der Krebsbehandlung die Überlebensrate erhöhen werden. Das erfordere aber einen besseren Zugang zu diesen Therapien.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen enden in armen Ländern häufiger tödlich

Im Vergleich zu den einkommensschwachen und den mittleren Ländern war es bei den Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen aus den reichen Ländern weniger wahrscheinlich, dass sie daran starben. „Die hohen Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die damit verbundene Mortalität in Ländern mit niedrigem Einkommen hängen wahrscheinlich mit mangelnder gesundheitlicher Versorgung zusammen. Das zeigen der geringere Einsatz von Präventivmedikamenten und die selteneren Klinikkaufenthalte bei kardiovaskulären Erkrankungen“, sagte Prof. Salim Yusuf, der die Studie präsentierte.

Den Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung zu verbessern, sei der Schlüssel, um kardiovaskuläre und weitere Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu verringern. "Da die kardiovaskulären Erkrankungen in vielen Ländern abnehmen, wird Krebs in Zukunft wahrscheinlich die häufigste Todesursache sein", resümierte Yusuf.

Literatur