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10.09.2019 | ESC-Kongress 2019 | Nachrichten

Erfolgreiches Bevölkerungsexperiment

Wie senkt man den Blutdruck einer ganzen Region?

Autor:
Joana Schmidt

Im Rahmen eines gemeinnützigen Salzsubstitutionsprogramms in Peru gelang es Forschern, den Blutdruck der Einwohner mehrerer Gemeinden signifikant zu senken. Dadurch konnten sie auch neue Fälle von Hypertonie verhindern.

„Weltweit konsumieren viele Gesellschaften mehr als die empfohlene Menge an Salz“, sagte der leitende Autor Dr. Jaime Miranda von der peruanischen Universität Cayetano Heredia in Lima, der die randomisierte Studie beim Kongress der Europäischen Kardiologiegesellschaft (ESC) präsentierte. „Angesichts der alarmierenden Häufigkeit der Nichteinhaltung der medikamentösen Bluthochdruck-Therapie benötigen wir dringend nicht-pharmakologische Maßnahmen auf Bevölkerungsebene, um die Blutdruckkontrolle zu verbessern.“

Deshalb wollte die Arbeitsgruppe um Miranda versuchen, den Blutdruck der Einwohner von sechs peruanischen Dörfern zu senken. Ihre Erwartungen wurden dabei sogar übertroffen: Die Blutdruckwerte der Menschen verbesserten sich signifikant, zudem traten weniger neue Fälle von Hypertonie auf. Sie wählten für ihr Experiment die Region Tumbes im Nordwesten von Peru, da dort der Natriumverbrauch hoch und Bluthochdruck entsprechend verbreitet ist.

Salzersatz verringerte Risiko für Hypertonie um 51%

Die Studienteilnehmer erhielten ein Salzersatzprodukt aus 75% Natrium und 25% Kalium, statt normalem Salz, das zu 100% aus Natrium besteht. Frühere Untersuchungen der Forscher hatten ergeben, dass der Natriumgehalt von Salz ohne merklichen Geschmacksunterschied um bis zu 35% gesenkt werden kann. Der Blutdruck der Teilnehmer wurde zu Beginn der Studie und anschließend sieben weitere Male innerhalb des Beobachtungszeitraums von vier Jahren gemessen.

Die Hälfte der fast 2.400 Personen waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren. Der Salzersatz senkte den systolischen Blutdruck aller Teilnehmer durchschnittlich um 1,23 mmHg und den diastolischen um 0,72 mmHg.

Bei den Dorfbewohnern, die bei Studienbeginn bereits Hypertonie hatten, war der Effekt noch stärker: Ihr systolischer Blutdruck sank durchschnittlich um 1,74 mmHg, ihr diastolischer Blutdruck um 1,25mmHg. 79% der Teilnehmer hatten zu Studienbeginn noch keinen Bluthochdruck. Bei ihnen verringerte das Salzersatzprodukt das Risiko Hypertonie zu entwickeln um 51%.

Ähnliche Projekte im größeren Rahmen könnten viel verändern

Frühere Untersuchungen der Forscher zeigten, dass die Dorfbewohner keinen Zusammenhang zwischen Natriumaufnahme und Blutdruckwerten herstellten und eine Ernährungsumstellung schwierig fanden. Mithilfe einer innovativen Social-Marketing-Kampagne gelang es jedoch, ein neues Produkt einzuführen, das Haushalten, Lebensmittelgeschäften, Gemeinschaftsküchen und Straßenhändlern zur Verfügung gestellt wurde.

„Die Studie zeigt, dass bevölkerungsweite Veränderungen der Natriumaufnahme und der Blutdruckwerte möglich sind“, so Miranda. „Das Eingreifen war einfach, kostengünstig und wurde von den Menschen sehr gut angenommen.“ Das habe auch daran gelegen, dass sie die Teilnehmer mit der Vermarktung eines neuen Produkts beauftragten, statt Verhaltensänderungen zu fordern. Die Teilnehmer durften beispielsweise den Namen des Salzersatzprodukts bestimmen.

„Der Salzersatz kann wie in unserer Studie auf Gemeindeebene verwendet werden. Er könnte aber auch von Lebensmittelherstellern und größeren Geschäften übernommen werden, um das Ernährungsverhalten der Konsumenten in eine gesunde Richtung zu lenken“, resümierte Miranda.

Literatur