Nachrichten 09.09.2020

Verdacht entkräftet: Kein Krebsrisiko durch Blutdrucksenker

Manche Blutdrucksenker stehen im Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen zu können. Eine große Analyse räumt nun auf mit den Spekulationen, und gibt Patienten wie Ärzten Gewissheit.

Für keine einzige Antihypertensiva-Klasse ließ sich ein Krebsrisiko nachweisen, so das Ergebnis einer sehr großen Metanalyse, für die Daten von 32 randomisierter Studien mit insgesamt 261.000 Bluthochdruckpatienten ausgewertet worden sind.

Ärzte und Patienten können beruhigt sein

„Die wichtigste Konsequenz aus der Studie ist, Ärzten und Patienten eine Rückversicherung über die Sicherheit antihypertensiver Medikamente bzgl. deren Krebsrisikos zu geben“, lautete das Fazit von Emma Copland, die die Ergebnisse beim diesjährigen ESC-Kongress präsentiert hat. Diese Bestätigung sei so wichtig, da diese Medikamente das kardiovaskuläre Risiko senken können, machte die Statistikerin aus Oxford die Bedeutung dieser Daten deutlich.

Eine Sorge: ACE-Hemmer könnten Lungenkrebs begünstigen

Für Unsicherheit gesorgt haben in den letzten Jahren immer wieder Nachrichten, dass manche Blutdrucksenker mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen könnten, ACE-Hemmern beispielsweise wurde aufgrund von Ergebnissen einer britischen Kohortenstudie ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs attestiert.

Auch ACE-Hemmer wurden in der aktuellen Analyse der „Blood Pressure Lowering Treatment Trialists’ Collaboration“ (BPLTTC) von diesem Krebsverdacht „freigesprochen“, daneben wurden Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB), Betablocker, Kalziumkanalblocker und Diuretika untersucht.

Egal ob im Vergleich zu Placebo oder einer jeweils anderen Wirkstoffklasse, die Wissenschaftler um Copland konnten keine Risikoerhöhung für irgendeine Tumorart feststellen, weder für Brustkrebs oder Lungenkrebs noch für kolorektale Karzinome oder Hautkrebs usw.. „Keine Wirkstoffklasse hatte einen wichtigen Einfluss auf die krebsbedingte Sterblichkeit“, berichtete Copland; auch auf den Verlauf der Krebserkrankungen wirkte sich die Behandlung nicht aus. Ein geringfügiger Anstieg der Mortalität war einzig für Diuretika nachzuweisen (Hazard Ratio, 1,14; 95%-KI: 1,03–1,27), woraus sich aber keine Kausalität ableiten lässt.

Die Dauer der Einnahme berücksichtigt, zeichnete sich ebenfalls kein Trend zu einer Risikoerhöhung ab.

Literatur

Copland E: Antihypertensive drugs and cancer risk: an IPD meta-analysis in the BPLTTC, vorgestellt in der Late-Breaking Science in Hypertension-Session am 31.08.2020 beim ESC Congress 2020 - The Digital Experience  

Neueste Kongressmeldungen

Neuer Therapieansatz enttäuscht bei Patienten im kardiogenen Schock

Die Hoffnung, mit einem neuen, am Gefäßregulator Adrenomedullin ansetzenden Therapiekonzept die Behandlung von Patienten im kardiogenem Schock verbessern zu können, hat sich in einer Studie deutscher Kardiologen nicht erfüllt.

Blutdrucksenkung: Vierer-Kombi in niedriger Dosierung schlägt Monotherapie

Mit einer Fixkombination, die vier sehr niedrig dosierte Antihypertensiva in einer Kapsel vereint („Quadpill“), gelingt der Einstieg in eine blutdrucksenkende Therapie wesentlich besser als mit einer antihypertensiven Monotherapie, zeigt die QUARTET-Studie.

SGLT2-Hemmer schützt evtl. auch vor lebensbedrohlichen Arrhythmien

Die Wirkweise der SGLT2-Inhibitoren könnte sich noch um einen Aspekt erweitern. Dapagliflozin hat in einer Post-hoc-Analyse das Risiko für Rhythmusstörungen deutlich reduziert. Noch ist aber unklar, ob diese Wirkung auf direkten antiarrhythmischen oder indirekten Effekten beruht.

Neueste Kongresse

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

HRS-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) hatte rhythmologisch einige zu bieten: neue Pacing-Methoden, provokative Ergebnisse in puncto Alkohol und Vorhofflimmern und vieles mehr. Seit langem fand ein Kongress mal wieder als Vor-Ort-Event statt, in diesem Fall trafen sich die Experten in Boston. Alle Sessions konnten aber auch virtuell verfolgt werden. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier.

EuroPCR-Kongress 2021

Einer der weltweit führenden Kongresse für interventionelle kardiovaskuläre Medizin – der EuroPCR – fand in diesem Jahr vom 17. bis 20. Mai 2021 virtuell statt. Die wichtigsten Studienergebnisse sind für Sie in diesem Dossier zusammengetragen. 

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Bereits moderater Alkoholkonsum könnte Bluthochdruck begünstigen

Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

TAVI: Zerebrale Thromboembolien nur direkt danach nachweisbar

Ischämische Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen nach einer TAVI. Doch wann besteht ein erhöhtes Risiko? In MRT-Untersuchungen aus Deutschland ließen sich zerebale Thromboembolien nur in einer bestimmten Phase nachweisen.

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In einer randomisierten Studie ergänzen ältere Menschen zwei Jahre lang ihre Ernährung täglich um eine Portion Walnüsse. Daraufhin verbessern sich ihre Cholesterinwerte – allerdings gibt es Geschlechterunterschiede.

Aus der Kardiothek

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ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2021/© mandritoiu / stock.adobe.com
EuroPCR-Kongress 2021
DGK.Online 2021/© DGK
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Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg