Nachrichten 21.08.2020

Kongressvorschau ESC 2020: Die wichtigen neuen Studien

Am 29. August startet der ESC-Kongress 2020 – nicht wie geplant in Amsterdam, sondern als digitales Ereignis („The Digital Experience“) mit Online-Plattform. Die Präsentation wichtiger neuer Studien in „Hot Lines“ gehört nach wie vor dazu. Auch neue Leitlinien wird es geben.

Auch als virtuelle Kardiologentagung dürfte der ESC-Kongress 2020 mit dort präsentierten Studien wieder wichtige Impulse für die künftige kardiologische Praxis geben.

Im letzten Jahr war die beim ESC-Kongress in Paris vorgestellte DAPA-HF-Studie ein viel diskutiertes Highlight. Erstmals konnte gezeigt werden, dass mit Dapagliflozin ein SGLT2-Hemmer bei Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter Auswurffraktion (HFrEF: Heart Failure with reduced Ejection Fraction) klinische Ereignisse einschließlich kardiovaskuläre Todesfälle signifikant verringert – unabhängig davon, ob ein Typ-2-Diabetes bestand oder nicht.

EMPEROR-Reduced: SGLT2-Hemmer erfolgreich bei Herzinsuffizienz

In diesem Jahr wird die ähnlich konzipierte EMPEROR-Reduced-Studie wohl für Gesprächsstoff sorgen. Darin sollte der SGLT2-Hemmer Empagliflozin seinen therapeutischen Nutzen bei Herzinsuffizienz des HFrEF-Subtyps unter Beweis stellen. Einer dürren Vorankündigung zufolge war auch diese Studie ein Erfolg: Mit Empagliflozin konnte demnach das Risiko für kardiovaskulär verursachte Todesfälle und Klinikaufenthalte wegen Herzinsuffizienz signifikant reduziert werden.

Die kompletten Ergebnisse gibt es nun beim ESC-Kongress. Der Stellenwert von SGLT2-Hemmern als neue genuine Herzinsuffizienz-Therapie dürfte damit vermutlich weiter gefestigt werden.

EAST-AFNET-4: Was bringt eine frühe rhythmuserhaltende Therapie?

Viel Aufmerksamkeit wird auch die randomisierte EAST-AFNET-4-Studie (Early treatment of atrial fibrillation for stroke prevention trial) auf sich ziehen, die vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) in Kooperation mit der European Heart Rhythm Association (EHRA) europaweit durchgeführt worden ist. Es geht darin um den Nutzen einer frühen rhythmuserhaltenden Therapie als Strategie zur Verhinderung von Todesfällen und Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

Eine solche Strategie stand bekanntlich schon einmal in der 2018 vorgestellten CABANA-Studie auf dem klinischen Prüfstand. Allerdings konnte in der maßgeblichen Intention-to-Treat-Analyse ihrer Studiendaten keine signifikante Reduktion von Mortalität, Schlaganfällen und schweren Blutungen durch eine Katheterablation im Vergleich zu einer auf Rhythmuserhalt zielenden medikamentösen Therapie nachgewiesen werden.

Die Spannung ist deshalb groß, zu welchen Ergebnissen EAST–AFNET-4 wohl kommen würde. Sie sollte die Hypothese überprüfen, dass eine bei Vorhofflimmern früh initiierte und umfassende rhythmuserhaltende Therapie den Sinusrhythmus effektiver stabilisiert und erhält als eine konventionelle und eher verzögert begonnene Therapie und so in eine Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen mündet. Mit 2789 beteiligten Patienten ist EAST–AFNET-4 größer als CABANA mit rund 2200 Teilnehmern.

EXPLORER-HCM: Erfolg bei obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie

Nach einer positiven Vorankündigung ist auch der Ausgang der EXPLORER-HCM-Studie zumindest im Grundsatz schon bekannt. Demnach hat sich mit dem Wirkstoff Mavacamten erstmals ein spezifisch zur Behandlung der obstruktiven Form einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) eingesetztes Medikament unter funktionellen Aspekten als hochwirksam erwiesen. In der EXPLORER-HCM-Studie sind 251 Patienten mit symptomatischer obstruktiver HCM (NYHA-Klasse II oder III) randomisiert entweder mit Mavacamten oder Placebo behandelt worden.

Wie nützlich ist Trimetazidin bei stabiler KHK?

Der Wirkstoff Trimetazidin kann derzeit als Zusatztherapie zur symptomatischen Behandlung bei stabiler Angina pectoris in Kombination mit antianginösen First-Line-Therapien oder im Fall von deren Unverträglichkeit genutzt werden. In der beim ESC-Kongress erwarteten ATPCI-Studie sollte Trimetazidin, das zwar metabolisch, aber nicht  hämodynamisch wirksam ist,  unter Beweis stellen, dass sich damit bei KHK-Patienten mit kurz zuvor durchgeführter Koronarintervention (PCI) auch klinische Ereignisse reduzieren lassen.

In die Studie sind zwischen 2014 und 2016  insgesamt rund 6000 Patienten nach vorangegangener elektiver oder dringlicher PCI aufgenommen worden. Primärer Wirksamkeitsendpunkt ist eine Kombination aus klinischen Ereignissen und Symptomen (kardiovaskulär bedingte Todesfälle und Klinikaufenthalte, Wiederkehr oder Persistenz von Angina pectoris). Eine Frage wird vermutlich sein, wie sinnvoll eine Kombination dieser sehr heterogenen Endpunkt-Ereignisse ist.

Antithrombotische Therapie nach TAVI

Neues gibt es auch von der POPULAR-TAVI-Studie zur Frage der antithrombotischen Therapie nach Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI). Ergebnisse dieser Studie speziell bei TAVI-Patienten mit Indikation zur oralen Antikoagulation sind bereits im März 2020 beim virtuellen ACC-Kongress vorgestellt worden. Beim ESC-Kongress soll es nun um die Frage gehen, wie es um die Wirksamkeit und Sicherheit einer alleinigen Therapie mit ASS im Vergleich zur dualen Therapie (ASS plus Clopidogrel) nach TAVI-Prozeduren steht.

PARALLAX: Was bringt Sacubitril/Valsartan bei HFpEF?

Mit PARALLAX steht auch eine neue randomisierte kontrollierte Multicenterstudie zur Wirksamkeit des Herzinsuffizienz-Medikaments Sacubitril/Valsartan speziell bei HFpEF (Heart Failue with preserved Ejection Fraction) auf dem ESC-Programm. Darin ging es um die Frage, ob sich mit Sacubitril/Valsartan Symptome und körperliche Belastbarkeit von Patienten mit Herzinsuffizienz und weitgehend erhaltender Ejektionsfraktion (EF >40%) im Vergleich zu einer individualisierten medizinischen Behandlung möglicher Begleiterkrankungen ihrer Herzschwäche (etwa Hypertonie und Diabetes) verbessern lassen.

Taugt Cholchicin zur Sekundärprävention  bei KHK?

LoDoCo2  ist das Akronym einer großen randomisierten kontrollierten Endpunktstudie australischer Forscher zur Wirksamkeit von Colchicin in der Sekundärprävention bei KHK-Patienten, die ebenfalls in der „Hot Line“ des ESC-Kongresses vorgestellt werden soll.  Geprüft wurde, ob Colchicin (0.5mg einmal täglich) bei Patienten mit stabiler KHK die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall, koronare Revaskularisation wegen Ischämie) im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert. Geplant war eine Zahl von rund 5.500 Studienteilnehmern.

Auch Therapie bei COVID-19-Infektionen ist ein Thema

Und auch die Behandlung von Patienten mit schweren COVID-19-Infektionen ist diesmal nicht überraschend Thema in der Studien-„Hot Line“ des Kongresses. Mit BRACE-CORONA wird eine Studie bei rund 500 Patienten erwartet, die Aufschluss darüber geben soll, ob es für den klinischen Verlauf besser ist, eine vorbestehende Therapie mit ACE-Hemmern/AT1-Rezeptorblockern bei Patienten mit COVID-19-Infektionen beizubehalten oder vorübergehend abzusetzen.

Vier neue Leitlinien werden vorgestellt

Auch die Präsentation neuer Leitlinien steht auf dem Programm des virtuellen ESC-Kongress. Neue Empfehlungen gibt es etwa zum Management bei Vorhofflimmern und bei Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI). Zwei weitere Leitlinien sind auf Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) und das Thema Sportkardiologie und körperliche Bewegung bei Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung fokussiert.


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