Nachrichten 12.09.2022

KHK-Sekundärprävention besser mit einem P2Y12-Hemmer?

Sind P2Y12-Hemmer Acetylsalicylsäure in der KHK-Sekundärprävention überlegen, und wenn ja, wie groß ist der Unterschied? Antworten gibt jetzt eine neue Metaanalyse von 7 Studien mit 24.325 Patienten.

Der Frage nach der optimalen Sekundärprävention ging schon die 1996 publizierten CAPRIE-Studie nach, als Clopidogrel auf den Markt kam. Damals zeigte der P2Y12-Hemmer eine zarte, aber signifikante Überlegenheit gegenüber ASS in der Atherothrombose-Sekundärprävention bei Patienten und Patientinnen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder PAVK.

Fokus auf KHK-Sekundärprävention in Monotherapie

Die nun beim ESC 2022 vorgelegten Ergebnisse der PANTHER-Studie fokussierten allerdings auf das chronische Koronarsyndrom. Entsprechend wurde nur das Drittel der KHK-Patienten von CAPRIE betrachtet, zusammen mit den Daten aus sechs anderen Studien. Retrospektiv analysiert wurden die individuellen Patientendaten von jeweils gut 12.000 Patienten, die entweder mit Clopidogrel (62%) oder Ticagrelor (38%) oder eben mit ASS behandelt worden waren, und zwar jeweils in Monotherapie. Die Patienten waren im Schnitt 64 Jahre alt, 22% waren Frauen, die Behandlung erfolgte im Median über 1,5 Jahre.

5,5% vs. 6,3% primäre Endpunkte

Das Risiko für einen primären Endpunkt, definiert als kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall lag in der P2Y12-Inhibitoren-Gruppe mit 5,5% vs. 6,3% signifikant geringer (HR: 0,88; p=0,014). Fast die ganze Differenz erkläre sich durch eine niedrigere Herzinfarktrate (2,3% vs. 3,0%, HR: 0,77; p<0,001), berichtete Studienautor Prof. Marco Valgimigli vom Cardiocentro Ticino Institute in Lugano/Schweiz.

Die Number Needed to Treat über 1,5 Jahre von 123 Patienten für den kombinierten primären Endpunkt sowie von 136 für den Herzinfarkt bringt jedoch zum Ausdruck, dass die Differenz nicht groß ist.

Weniger hämorrhagische Insulte und Stentthromosen

Schwere Blutungen waren mit 1,2% (P2Y12-Hemmer) und 1,4% (ASS) statistisch gleich häufig. Allerdings wurden – bei geringen Fallzahlen – in der P2Y12-Inhibitoren-Gruppe signifikant weniger hämorrhagische Schlaganfälle (HR: 0,32), Stentthrombosen (HR: 0,42) und gastrointestinale Blutungen (HR: 0.75) beobachtet.

Fazit von Valmigli: Aufgrund des niedrigeres Blutungsrisiko, der 12%igen bzw. 23%igen Risikosenkung für den kombinierten Endpunkt bzw. für den Herzinfarkt sollte die langfristige Sekundärprävention mit einem P2Y12-Hemmer erfolgen.

Literatur

Valgimigli M: PANTHER - P2Y12 inhibitor versus aspirin monotherapy in patients with coronary artery disease. Hotline-Session 9, ESC Congress 2022, 26. bis 29. August in Barcelona

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