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27.08.2015 | Nachrichten

London 2015

ESC-Kongress: Was „heiße“ Studien an neuen Erkenntnissen bringen könnten

Autor:
Peter Overbeck

In diesem Jahr ist erstmals London Schauplatz des europäischen Kardiologenkongresses. Auch 2015 gibt es wieder mit neuen Studien vollgepackte „Hotline“-Sitzungen für auf die Ergebnisse gespannte Teilnehmer.

Der in diesem Jahr am 29. August beginnende Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist längst zum weltweit größten internationalen Kardiologen-Treffen avanciert. Neue Erkenntnisse in kardiologischen Fragen erhoffen sich die Experten nicht zuletzt von jenen Studien, die von der ESC-Programmkommission für so wichtig befunden wurden, dass ihnen die privilegierte Präsentation in einer von sechs „Hotline“-Sitzungen zugebilligt wurde.

Hotline I

Die erste Hotline-Sitzung am Sonntag, den 30. August, kreist thematisch vor allem um die Frage, wie sich nach akutem Myokardinfarkt durch frühe Intervention strukturelle Herzveränderungen (kardiales remodeling) verhindern lassen, die als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer manifesten Herzinsuffizienz gelten.

In der ALBATROSS-Studie ist geprüft worden, ob eine sehr früh nach dem Infarkt eingeleitete Aldosteron-Blockade diesbezüglich von Vorteil ist. Schon in der EPHESUS-Studie hat sich dieser Ansatz – behandelt wurde damals mit Eplerenon – bei Postinfarkt-Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion und Herzinsuffizienz als erfolgreich erwiesen. Allerdings wurde mit der Behandlung in EPHESUS frühestens am dritten Tag nach dem Akutereignis begonnen.

ALBATROSS sollte nun klären, ob ein noch früherer Therapiebeginn innerhalb der ersten 72 Stunden von Vorteil ist. An der Studie waren rund 1.600 Patienten mit akutem Myokardinfarkt beteiligt. Die Behandlung in der Verum-Gruppe erfolgte initial mit einer Kaliumcanrenoat-Infusion, gefolgt von einer oralen Therapie mit Spironolacton. Primärer Endpunkt ist die Rate kardiovaskulärer Ereignisse nach sechs Monaten.

Zwei völlig neue Ansätze sind in der PROMPT- und CIRCUS-Studie verfolgt worden. In der PROMPT-Studie ging es um die Frage, ob eine innerhalb von zehn Tagen begonnene Schrittmacher-Stimulation in den Randzonen des infarzierten Myokards den Remodeling-Prozess infolge eines Verlusts von vitalem Myokard günstigen beeinflussen kann. Im Fokus stehen dabei primär Veränderungen der linksventrikulären enddiastolischen Volumina. Die Rationale dabei ist, dass die Schrittmacher-Therapie dazu beitragen könnte, die Belastung („wallstress“) im stimulierten Myokard deutlich zu verringern.

CIRCUS markiert ein weiteres Kapitel in der langen Reihe der Studien, die zum Ziel hatten, der durch Reperfusion bedingten Schädigung des Myokards vorzubeugen. Bisher waren die Ergebnisse allesamt enttäuschend. Ob CIRCUS daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Diesmal sind die Hoffnungen auf das Immunsuppressivum Ciclosporin gerichtet, das den Infarktpatienten in der Verum-Gruppe vor der Revaskularisation durch perkutane Koronarintervention (PCI) injiziert wurde.

Hotline II

In der zweiten „Hotline“-Sitzung am Sonntag stehen Vorhofflimmern und Schrittmacher-Stimulation im Blickpunkt. Erwartet werden unter Anderem neue Daten zur Effektivität und Sicherheit eines kabellosen und via Herzkatheter in der rechten Herzkammer implantierten Herzschrittmachers (LEADLESS-II-Studie mit dem Nanostim-System).

Von der EAST-AF-Studie erhofft man sich neue Erkenntnisse zum möglichen Nutzen einer kurzfristigen Therapie mit Antiarrhythmika nach erfolgreicher Katheterablation von Vorhofflimmern.

Die Autoren der AEGEAN-Studie haben untersucht, ob sich durch ein spezielles Schulung- und Beratungsprogramm die Therapieadhärenz bei Patienten verbessern lässt, die mit dem Antikoagulans Apixaban behandelt werden.

Hotline III

Die dritte Hotline-Sitzung am Montag, den 31. August, ist ganz auf die Themen Diabetes mellitus und Pharmakotherapie fokussiert. Neues könnte es zur kardiovaskulären Sicherheit der beiden Antidiabetika Sitagliptin und Lixisenatid geben, die in zwei großen Endpunktstudien (TECOS, ELIXA) geprüft worden sind. Deren Hauptergebnisse sind im Juni bereits beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Boston vorgestellt und simultan publiziert worden.

Finerenone (BAY 94-8862) ist ein neuer nicht steroidaler Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist (MRA), der über Mineralokortikoidrezeptoren vermittelte schädliche Aldosteron-Effekte hemmen soll. In der Phase-IIb-Studie ARTS-HF ist Finerenone bei 1.060 Hochrisiko-Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Auswurffraktion, die zudem Typ-2-Diabetes und/oder eine eingeschränkte Nierenfunktion aufwiesen, mit Eplerenon verglichen worden. Primärer Maßstab für die Wirksamkeit war die Reduktion des kardialen Biomarkers NT-pro-BNP.

In Blickpunkt der SCOT-Studie steht die Sicherheit des COX-2-Hemmers Celecoxib, der bei mehr als 7.300 Patienten über mehrere Jahre mit einer NSAR-Standardtherapie verglichen worden ist.

In der OPTIDUAL-Studie ging es einmal mehr um die viel diskutierte Frage nach der optimalen Dauer einer dualen Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel nach Implantation von Medikamente freisetzenden Stents. Diesmal ist bei rund 1.800 Patienten eine einjährige mit einer vierjährigen Behandlungsdauer verglichen worden.

Hotline IV

Die vierte „Hotline“-Sitzung beschäftigt sich mit dem Thema Hypertonie. Auf dem Programm steht unter anderem die PARAMETER-Studie mit dem Angiotensinrezeptor/Neprilysin-Inhibitor (ARNI) LCZ696, der bereits in der PARADIGM-HF-Studie bei der Indikation Herzinsuffizienz überzeugen konnte. In der aktuellen Studie ist LCZ696 mit Olmesartan in seiner Wirkung auf den zentralen Blutdruck in der Aorta verglichen worden.

Japanische Untersucher haben in der ATTEMPT-CVD-Studie bei mehr als 1.200 Patienten die präventive Wirkung von Telmisartan auf kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu einer Standardtherapie geprüft. Das Interesse richtete sich dabei speziell auf die prädiktive Bedeutung diverser Biomarker.

Hotline V/VI

Die beiden letzten „Hotline“-Sitzungen am Dienstag, den 1. September, warten mit diversen Themen auf. Dabei geht es in der OptiLink-HF-Studie um die Effektivität eines Herzinsuffizienz-Managements, bei dem ein Monitoring mittels eines in einem Spezialschrittmacher integrierten „Flüssigkeitsmelders“ (OptiVol) in Kombination mit dem Medtronic CareLink-Netzwerk genutzt wird.

Daten aus mehreren Studien könnten zudem dazu beitragen, den klinischen Stellenwert von bioresorbierbaren Gefäßgerüsten – sogenannte Scaffolds – besser beurteilen zu können. In zwei Studien ist speziell die Leistungsfähigkeit dieser nach einiger Zeit aus dem Körper wieder verschwundenen Gefäßstützen bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt beleuchtet worden.

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