Nachrichten 22.05.2018

FFR-gesteuerte Koronarintervention bei stabiler KHK von dauerhaftem Nutzen

Die Strategie der FFR-gesteuerten perkutanen Koronarintervention (PCI) geht bei KHK-Patienten mit stabiler Angina pectoris auch auf längere Sicht mit einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu einer rein medikamentösen Therapie einher. Das belegen aktuelle 5-Jahres-Daten der FAME-2-Studie belegen.

Anhand von Koronarangiogrammen lässt sich visuell nicht zuverlässig beurteilen, ob eine Gefäßstenose Myokardischämien verursacht oder nicht. Präzisere Auskunft über die funktionelle Relevanz von Koronarverengungen gibt die invasive Messung der Fraktionellen Flussreserve (FFR) mittels Druckdraht. Sie wird inzwischen als Grundlage für die Entscheidung über eine PCI auch in den Leitlinien empfohlen.

In der FAME-2-Studie sollte geklärt werden, ob eine FFR-geleitete PCI zusätzlich zu einer optimalen medikamentösen Therapie (OMT) bei stabiler KHK im Vergleich zur alleinigen OMT außer von symptomatischem auch von prognostischem Nutzen ist. Nach den 3-Jahres-Daten zeigen nun auch aktuell vorgestellte 5-Jahres-Daten, dass der klinische Nutzen einer solchen Strategie von Dauer ist.

Signifikanter Unterschied beim primären Endpunkt

Nach diesen Ergebnissen war die Rate kardiovaskulärer Ereignisse (primärer kombinierter Endpunkt: Tod, Myokardinfarkt und ungeplante Hospitalisierung wegen „dringender“ Revaskularisation) in der Gruppe mit FFR-gesteuerter PCI – hier wurde nur bei einem FFR-Wert von 0,80 oder niedriger revaskularisiert – auch nach fünf Jahren signifikant niedriger als in der Gruppe mit alleiniger medikamentöser Therapie.

Anfang 2012 war die Studie nach Randomisierung von 888 KHK-Patienten nach etwa siebenmonatiger Beobachtungsdauer vorzeitig beendet worden. Eine Zwischenanalyse hatte zuvor einen signifikanten Unterschied beim primären Studienendpunkt aufgedeckt. Die entsprechenden Ereignisraten betrugen zu diesem Zeitpunkt 4,3 % in der OMT+PCI-Gruppe und 12,7 % in der OMT-Gruppe (p < 0,001)

Das Muster zieht sich durch

Mit Blick auf die Komponenten dieses Endpunktes zeigte sich, dass es weder bei der Mortalitäts- noch bei der Herzinfarktrate signifikante Unterschiede gab. Der Vorteil beim primären Endpunkt zugunsten der OMT+PCI-Gruppe resultierte allein aus der signifikant niedrigeren Rate für Krankenhaus-Aufnahmen wegen „dringender“ Revaskularisationen. Sie sind definiert als ungeplante und durch Symptome bedingte Klinikeinweisungen, die unmittelbar zu einer PCI führten.

Dieses Muster setzte sich in den Analysen der 2-Jahres- und 3-Jahres-Daten fort: Auch sie dokumentierten jeweils einen signifikanten Vorteil der OMT+PCI-Strategie mit Blick auf den primären Studienendpunkt, der – bei nicht signifikant unterschiedlichen Raten für die Ereignisse Tod und Myokardinfarkt - primär durch die Reduktion von „urgent revascularisations“ getrieben war.

PCI auch nach fünf Jahren noch mit Vorteilen

Daran änderte sich auch in den aktuell beim EuroPCR-Kongress 2018 in Paris vorgestellten 5-Jahres-Ergebnissen im Grundsatz nicht. Nach fünf Jahren war die Rate für den primären Studienendpunkt in der OMT+PCI-Gruppe nach wie vor signifikant niedriger (13,9 vs. 27,0 %; Hazard Ratio 0,46; p < 0,001).

Bei den Raten für die Ereignisse Tod (5,1 vs. 5,2 %) und Myokardinfarkt (8,1 vs. 12,0 %) waren die Unterschiede erneut nicht statistisch signifikant. Jedoch war mit Blick auf Herzinfarkte zumindest ein „Signal“ für eine mögliche Reduktion durch eine initiale PCI zu erkennen. Wieder gab jedoch ein signifikanter Unterschied bei den „dringenden“ Revaskularisationen den Ausschlag zugunsten der OMT+PCI-Strategie (6,3 vs. 21,1 %; p < 0,001).

Insgesamt waren bis zu diesem Zeitpunkt von den Patienten beider Gruppen 13,3 % (OMT+PCI) und 51,1 % (nur OMT) einer Revaskularisation unterzogen worden (p < 0,001). Somit war bei den meisten PCIs keine Dringlichkeit im Spiel.

Nachdem in den Jahren zuvor der Anteil an Patienten mit Angina-pectoris-Symptomen (CCS-Klassen II – IV) in der Gruppe mit initialer PCI jeweils signifikant niedriger war als in der zunächst rein medikamentös behandelten Vergleichsgruppe, erwies sich dieser Unterschied nach fünf Jahren als nicht länger signifikant.

Literatur

P. Xaplanteris: FAME II: five-year results of the FFR-guided PCI vs. medical therapy in stable coronary artery disease trial, vorgestellt in der Sitzung „Late Breaking Trials 1”: Outcomes of PCI for stable angina, beim Kongress EuroPCR 2018, 22.–25. Mai, Paris

Xaplanteris P et al. Five-Year Outcomes with PCI Guided by Fractional Flow Reserve. N Engl J Med. 2018, online 22. Mai, https://doi.org/10.1056/NEJMoa1803538

Neueste Kongressmeldungen

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Neuer Lipidsenker wirkt, wenn nichts mehr zu wirken scheint

Was tun, wenn das LDL-Cholesterin selbst unter PCSK9-Inhibitoren nicht den Zielwert erreicht? Ein neuer Lipidsenker könnte bei einer solchen refraktären Hypercholesterinämie womöglich die letzte Option sein.   

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges ungewöhnliches und spannendes zu berichten. 

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Live-Quiz EKG – melden Sie sich jetzt kostenlos an

Wie gut kennen Sie sich mit dem EKG aus? Und was machen Sie, wenn Sie einen auffälligen Befund vor sich haben? Testen Sie Ihr Wissen in unserem interaktiven Live-Quiz EKG am Mittwoch, 09.12.2020, um 17:00 Uhr auf Kardiologie.org. 
Dr. Martin Neef vom Universitätsklinikum Leipzig stellt Ihnen verschiedene EKG-Befunde vor. Stimmen Sie live für die richtige Antwort ab oder stellen Sie Ihre Fragen im Chat – alles natürlich anonym. Melden Sie sich jetzt kostenlos an, die Plätze sind begrenzt!

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Herzstillstand beim Fußballschauen – wenn's nicht der Herzfehler war, was dann?

Ein 55-jähriger Mann erleidet einen Herzstillstand, während er ein aufregendes WM-Spiel verfolgt. Die Ärzte verdächtigen zunächst einen zufällig entdeckten seltenen Herzfehler – doch die wahre Ursache liegt wo ganz anders.

Neuer Risikofaktor für Herzinsuffizienz entdeckt

Eine ATTR-Kardiomyopathie wird häufig spät erkannt, obwohl eine frühe Diagnose essenziell für die Prognose der Patienten ist. Wissenschaftler haben nun einen Biomarker gefunden, der eine frühe Diagnostik erleichtern könnte.

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
AHA-Kongress 2020
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell
EKG-Quiz/© [M] Syda Productions / stock.adobe.com
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen