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21.05.2019 | EuroPCR 2019 | Nachrichten

Daten aus dem schwedischen SCAAR-Register

Koronarstents: Vorteil von dünnen Streben auch im Praxisalltag sichtbar

Autor:
Peter Overbeck

Die in randomisierten Studien gezeigten Vorteile von Koronarstents mit ultradünnen Stentstreben kommen anscheinend auch im klinischen Alltag zur Geltung. Das legen zumindest Ergebnisse einer „Real Life“-Analyse von Daten eines großen schwedischen Registers nahe.

Die Strebendicke scheint bei modernen Medikament-freisetzenden Stents (Drug-eluting Stents, DES) einen sich auch im Praxisalltag widerspiegelnden Unterschied auszumachen. Eine neue Analyse von Daten des schwedischen SCAAR-Registers (Swedish Coronary Angiography and Angioplasty Registry) bescheinigt einem Sirolimus freisetzenden Stent (OSIRO), der sich durch ultradünne Streben (60 μm) auszeichnet, nun Vorteile bezüglich Stentthrombosen und revaskularisierenden Re-Interventionen im Vergleich zu anderen häufig gebräuchlichen modernen Stents. Als Limitierung ist bei der Interpretation der Ergebnisse allerdings das retrospektive und keine Randomisierung beinhaltende Design dieser Vergleichsstudie zu beachten.

Schwedische Untersucher um Dr. Sergio Buccheri von der Universität Uppsala habe für ihre Analyse das landesweite SCAAR-Register genutzt, das die klinischen und prozeduralen Daten aller Patienten mit perkutanen Koronarinterventionen (PCI) in Schweden erfasst. Die Ergebnisse hat Buccheri beim EuroPCR-Kongress 2019 in Paris vorgestellt.

Daten von mehr als 74.000 Patienten als Vergleichsbasis

Basis der Analyse bildeten die Daten von 74.131 Patienten, bei denen zwischen Oktober 2011 und Juni 2017 an schwedischen Herzzentren im Rahmen einer PCI moderne Stents implantiert worden waren. Davon hatten 4.561 Patienten OSIRO-Stents erhalten, während bei 69.570 Patienten diverse andere Stents der modernen DES-Generation genutzt worden waren.

Beide Gruppen sind dann bezüglich der Häufigkeit von Ereignissen wie Tod, Myokardinfarkt, definitive Stentthrombosen, klinisch relevante Restenosen und Zielläsion-Revaskularisierungen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren verglichen worden. Da keine Randomisierung zugrunde lag, haben die Untersucher zwecks Schaffung vergleichbarer Gruppen mithilfe des Propensity-Score-Verfahrens diverse statistische Adjustierungen für bestehende Ungleichheiten vorgenommen.

Signifikanter Unterschied bei  Zielläsion-Revaskularisationen

Mit Blick auf die Mortalität war im Follow-up-Zeitraum kein Unterschied zwischen beiden Gruppen auszumachen (Sterberate jeweils 7,5%). Die Herzinfarktrate war in den Gruppe mit OSIRO-Stents etwas höher (6,0% vs. 5,2%, p=0,06).

Bezüglich In-Stent-Stenosen (1,5% vs. 2,0%, p=0,09) und definitiven Stentthrombosen (0,67% vs. 0,83%, p=0,66)  ergaben sich jeweils numerische Vorteile zugunsten des Stents mit ultradünnen Streben. Als signifikant erwies sich der Unterschied bei den Zielläsion-Revaskularisierungen durch PCI: Das Risiko für entsprechende Ereignisse war in der OSIRO-Gruppe relativ um 25% niedriger als in der mit anderen modernen DES versorgten Vergleichsgruppe (1,6% vs. 2,3%, p=0,013).

Fehlende Randomisierung als Limitierung

Für Studienleiter Buccheri stehen diese „Real Life“-Ergebnisse im Einklang mit den Resultaten randomisierter Studien, die dafür sprächen, dass sich die klinischen PCI-Ergebnisse durch Stents mit geringerer Strebendicke noch weiter verbessern lassen. Dem stimmte in der Diskussion der Studie beim EuroPCR-Kongress als eingeladene Expertin auch Dr. Rasha Al-Lamee aus London zu. Sie rief aber auch die für retrospektive Analysen stets geltende Limitierung in Erinnerung, dass trotz Bildung besser vergleichbarer Gruppen mittels Propensity-Score-Matching ein Einfluss unerkannter Störfaktoren (confounder) auf die Ergebnisse nicht sicher auszuschließen sei.

Literatur