Nachrichten 11.06.2019

Renale Denervation: Kommt zur Blutdrucksenkung auch noch antiarrhythmisches Potenzial hinzu?

Das primär für die Blutdrucksenkung entwickelte Katheterverfahren der renalen Denervation scheint auch bezüglich einer prophylaktischen Wirkung gegen Vorhofflimmern Potenzial zu besitzen. Schon die mittlerweile zweite Studie deutet in diese Richtung.

Ist die interventionelle Methode der renalen Denervation auf dem besten Weg, in Sachen Prophylaxe von Vorhofflimmern der Katheterablation ernsthaft Konkurrenz zu machen? Nach der jüngst bei der  Jahrestagung der Heart Rhythm Society vorgestellten ERADICATE-AF-Studie suggeriert nun schon eine zweite Studie diese Möglichkeit. Nach ihren vom südafrikanischen Studienleiter Dr. Marshall Heradien von der Stellenbosch University beim EuroPCR-Kongress in Paris präsentierten Ergebnissen scheint die renale Denervation asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern wirksam reduzieren zu können.

In der randomisierten kontrollierten Studie sind 80 Patienten mit hypertensiver Herzerkrankung (Linksherzhypertrophie oder atriale Dilatation im Herz-Echo), die alle drei oder mehr Blutdrucksenker einnahmen,  zwei Gruppen zugeteilt worden. Sie wurden dann entweder einer renalen Denervation (n = 42)  oder einer Scheinprozedur (n = 38)  als Kontrolle (sham control) unterzogen. Mithilfe eines implantierten Herzmonitors ist dann drei Jahre lang der Herzrhythmus bei allen Teilnehmern kontinuierlich überwacht worden.

Asymptomatisches Vorhofflimmern um 60% reduziert

Nach drei Jahren zeigte sich, dass der Anteil an Patienten mit einer ersten asymptomatischen Vorhofflimmern-Episode von mindestens sechsminütiger Dauer in der Gruppe mit renaler Denervation deutlich niedriger war als in der Kontrollgruppe ((8 von 42 Patienten = 19%  vs. 18 von 38 Patienten = 47%). Der Unterschied entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 60% (p = 0,011).

Im Schnitt mussten bei 3,5 Patienten eine Denervation sympathischer Nervenfasern in den Nierenarterien erfolgen, um eine Arrhythmie-Episode zu verhindern (number needed to treat: 3,5). Hochfrequente Vorhofflimmern-Episoden (> 100 Schläge/Minute) waren in der Kontrollgruppe signifikant häufiger zu beobachten (2 vs. 12 Patienten, p = 0,002). Heradien interpretiert diesen Unterschied als Hinweis darauf, dass die Reduktion der Sympathikusaktivität wohl der entscheidende Mechanismus für die arrhythmieprophylaktive Wirkung der Denervation sei.

Kardiovaskuläre Mortalität signifikant unterschiedlich

Der systolische Blutdruck (Praxismessung) war in der Gruppe mit renaler Denervation nach sechs Monaten zwar signifikant niedriger als zu Beginn, jedoch erwies sich der Unterschied im Vergleich zur Kontrollgruppe (- 5,2 mmHg) zu diesem Zeitpunkt als nicht signifikant (p=0,33).

Statistisch signifikant war dagegen der Unterschied bezüglich  der Zahl der im Follow-up-Zeitraum registrierten Todesfälle mit kardiovaskulären Ursachen (1/38 vs. 6/42, p=0,04). Der sich darin widerspiegelnden relativen Risikoreduktion um 85% sollte allerdings besser keine allzu große Bedeutung beigemessen werden. Denn die Studie ist viel zu klein angelegt, als dass sie Unterschiede bezüglich der Mortalität zuverlässig aufdecken könnte.


Literatur

Heradien M.: Renal denervation prevents atrial fibrillation and reduces cardiovascular death in patientes with hypertensive heart disease. Vorgestellt beim Kongress EuroPCR 2019, 21. – 24. Mai 2019, Paris

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