Nachrichten 27.05.2021

Neuer Marker für Stent-Malappositionen erweist sich als ziemlich genau

Bei der Behandlung von Bifurkationsstenosen liegt der Stent oft nicht richtig an der Gefäßwand, das Risiko für Komplikationen steigt dadurch. Kardiologen haben nun eine Methode gefunden, mit der sich Stent-Malappositionen einfach und effektiv ausfindig machen lassen.

„Einfach, kostenfrei und effektiv“, so verspricht der Kardiologe Dr. Farhang Aminfar, lassen sich Stent-Malappositionen bei der Behandlung von Bifurkationsstenosen durch einen neuen Marker ausfindig machen: POT-Puff wird er genannt. Aminfar hat den angiografischen Marker beim diesjährigen EuroPCR-Kongress vorgestellt, inklusive aktueller Daten, die dessen Genauigkeit belegen.

Worum geht es? Bei der Behandlung von Bifurkationsstenosen kommt es häufig vor, dass der Stent nicht richtig an Gefäßwand anliegt. Das passiert u.a., wenn die proximale Optimierungstechnik, kurz POT, suboptimal verläuft. Bei der POT wird im Bereich des proximalen Hauptastes eine Postdilatation vorgenommen, mit dem Ziel, den Stent an die Gefäßwand optimal zu positionieren.

Malappositionen sind häufig

Nicht selten gelingt dieses Vorhaben allerdings nicht. Bei über 30% der behandelten Bifurkationsstenosen entstehe eine Malapposition, meistens wegen einer suboptimalen POT, berichtete Aminfar beim Kongress. Als Folge davon können Thrombosen und Restenosen auftreten. Der in Lausanne tätige Kardiologe betonte deshalb die Notwendigkeit, nach solchen Malappositionen zu suchen. Dies sei essenziell, um damit assoziierte Komplikationen zu verhindern. Doch wie sollte die Suche vonstattengehen?

Derzeitiger Goldstandard zur Erkennung von Stent-Malappositionen ist die optische Kohärenztomografie (OCT). Doch im Alltag werde die OCT bei Bifurkationsstenosen, die nicht im linken Hauptstamm lokalisiert sind, selten vorgenommen, erläuterte Aminfar die Problematik.

Simpler angiografischer Marker

Deshalb haben er und sein Team sich auf die Suche nach einer alternativen Erkennungsmethode gemacht, und sind dabei auf den sog. POT-Puff-Marker gestoßen.

Das Prinzip ist ziemlich simple: Während der POT wird Kontrastmittel gespritzt. Wenn dieses trotz des aufgeblasenen Ballons weiter in das distal befindliche Gefäßsegment fortschreitet, ist der POT-Puff-Marker positiv: Bedeutet, der Stent liegt dann sehr wahrscheinlich nicht korrekt an. Ist keine Progression des Kontrastmittels zu sehen, ist der Marker negativ und der Stent befindet sich ziemlich sicher in optimaler Position.

„POT-Puff-Marker sollte verwendet werden“

Die Genauigkeit der Methode haben Aminfar und Kollegen an 130 Prozeduren getestet. Goldstandard war das OCT. Eine Malapposition war definiert als Abstand des Stents zur Gefäßwand von > 200 µm. Insgesamt trat dies bei 20% der Prozeduren ein.

Die Spezifität des POT-Puff-Markers lag bei 94,2%, die damit laut Aminfar „wirklich hoch ist“. Als „großartig“ bezeichnet der Kardiologe die Sensitivität mit einem Wert von 76,9%. Der negative prädiktive Wert (NPV) wurde mit 94,2% angegeben, die Genauigkeit mit 90,77%.

Oder anders ausgedrückt: Im Falle eines positiven POT-Puff-Markers liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Malapposition vorliegt, bei 77%. Ist er negativ, ist dies mit 5,8% dagegen sehr unwahrscheinlich.

Aminfar ist von den Ergebnissen so überzeugt, dass er den generellen Einsatz des Markers befürwortet: „Der POT-Puff-Marker sollte in jeder, nicht im linken Hauptstamm befindlichen Bifurkationsstenose verwendet werden“.

Literatur

Amnifar F. POT Puff study, EuroPCR 2021

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Bodenverschmutzung mit Herzerkrankungen assoziiert

Während Luftverschmutzung sich leichter beobachten und erforschen lässt, gibt es zu den gesundheitlichen Folgen von Bodenkontamination weniger Daten. Eine deutsche Übersichtsarbeit zeigt, wie Schadstoffe im Boden das Herz schädigen können.

So sicher und effektiv sind Sondenextraktionen in Deutschland

Die Entfernung von Schrittmacher- oder ICD-Elektroden kann eine große Herausforderung sein. Auskunft darüber, wie sicher und effektiv Eingriffe zur Sondenextraktion in Deutschland sind, geben Daten des nationalen GALLERY-Registers.

Sternotomie: Optimaler Start der kardiologischen Reha

Bedeutet ein früher Beginn des Rehabilitationstrainings nach einer Sternotomie ein Risiko für die Heilung oder eine schnellere Genesung, die Muskelabbau und Stürze verhindert? Eine kleine, randomisierte Studie liefert neue Daten dazu.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Echokardiographischer Zufallsbefund. Was fällt auf?

Interventionelle Techniken bei Herzinsuffizienz: Bei wem, was und wann?

Für das Management von Herzinsuffizienz-Patienten stehen inzwischen auch interventionelle Techniken zur Verfügung, etwa ein intratrialer Shunt zur HFpEF-Therapie oder invasive Devices für die Fernüberwachung. Dr. Sebastian Winkler erklärt in diesem Video, wann der Einsatz solcher Techniken sinnvoll sein könnte, und was es dabei zu beachten gilt.

SGLT2-Hemmung bei Herzinsuffizienz: Mechanismen und pleiotrope Effekte

Inzwischen ist bekannt, dass SGLT2-Inhibitoren über die blutzuckersenkende Wirkung hinaus andere günstige Effekte auf das Herz und die Niere entfalten. Prof. Norbert Frey wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage und erläutert daran, was über die Mechanismen der SGLT2-Hemmung tatsächlich bekannt ist.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell
Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Juni 2022/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Vortrag vom BNK/© BNK | Kardiologie.org