Nachrichten 27.05.2021

Ultradünne Stents auf lange Sicht vorteilhafter als der Klassenprimus

Medikamentenfreisetzende Stents (DES) der zweiten Generation gelten immer noch als der Klassenprimus unter den Koronarstents. Eine neue Metaanalyse sieht jetzt aber Vorteile für die Konkurrenz mit ultradünnen Streben.

Mit ihren schon relativ dünnen Stentstreben sind die DES der zweiten Generation seit Jahren der Standard für Koronarinterventionen. Es bleibe allerdings ein Problem, sagte Prof. Yousif Ahmad vom Smidt Heart Institute am Cedars Sinai Medical Center in Los Angeles, und das seien Stent-bezogene Komplikationen jenseits des ersten Jahres nach Implantation. Letztlich seien die DES – bei allen unbestrittenen Vorteilen im ersten Jahr – zu diesem späteren Zeitpunkt nicht mehr besser als Bare Metal Stents, so Ahmad bei der EuroPCR 2021-Tagung.

Erster Direktvergleich zum Langzeitoutcome

Ist das bei Stents mit ultradünnen Stentstreben anders? Schlägt sich deren bessere Gefäßverträglichkeit und raschere Endothelialisierung längerfristig in weniger späten Stent-Ereignissen nieder? Ahmad präsentierte beim EuroPCR eine Metaanalyse zu dieser Fragestellung, seiner Aussage nach die erste Metaanalyse, die Stents mit ultradünnen Streben und DES der zweiten Generation längerfristig, über das erste Jahr hinaus, verglichen hat. 

Eine erste Metaanalyse von Prof. Sripal Bangalore und Kollegen aus dem Jahr 2018 hatte die Grenze bei einem Jahr gezogen. Mittlerweile gebe es aber mehrere neue randomisierte Studien und Daten zu längeren Follow-up-Zeiträumen schon damals berücksichtigter Studien, sodass eine Neuauflage gerechtfertigt sei.

Insgesamt 16 randomisierte Studien mit fast 21.000 Patienten konnten Ahmad und Kollegen berücksichtigen: „Das sind doppelt so viele wie in der bisherigen Metaanalyse.“ Der mittlere Follow-up-Zeitraum betrage etwas mehr als zweieinhalb Jahre, sodass eine Analyse mit sehr großer statistischer Aussagekraft resultiere. 

Primärer Endpunkt war Target-Lesion-Failure (TLF), ein Komposit aus kardialem Tod, Myokardinfarkt im Zielgefäße und Revaskularisation der Zielläsion. Erfasst wurde außerdem der Target-Vessel-Failure (TVF), in den bei sonst gleichem Komposit die Revaskularisationen des Zielgefäßes eingehen. Diverse sekundäre Endpunkte sowie eine ganze Reihe von präspezifizierten Subgruppen runden die Metaanalyse ab.

"15 Prozent geringeres Langzeitrisiko für TLF"

„Insgesamt sind DES mit ultradünnem Stent-Design mit einem um 15 Prozent geringeren Langzeitrisiko von TLF assoziiert“, fasste Ahmad das Hauptergebnis zusammen. Klarer Punktsieg also für die ultradünnen Stents, der Unterschied war mit einem p=0,008 hoch signifikant. Das Ergebnis im TVF-Endpunkt war fast analog. 

Treiber des Vorteils für die „Ultradünnen“ waren nicht Todesereignisse und auch nicht Myokardinfarkte, sondern praktisch ausschließlich die Revaskularisation der Zielläsion. Es sind also weniger Folgekatheter nötig, und zwar 25 Prozent weniger.

Hinsichtlich der Stentthrombose unterschieden sich die Gruppen nicht, und es gab auch keine besondere Subgruppe, in der sich der Vorteil nicht oder in der sich ein besonders ausgeprägter Vorteil dargestellt hätte. Insgesamt sei die Metaanalyse die erste derartige Analyse, in der eine neue Stenttechnologie einen langfristigen Vorteil gegenüber Zweitgenerations-DES demonstrieren kann: „Für keine andere neue Stenttechnologie konnte das bisher konsistent belegt werden“, so Ahmad.

Literatur

Ahmad Y. Ultrathin versus Conventional Second-Generation DES: Meta-Analysis of RCTs; Late-Breaking Clinical Trials Session. EuroPCR 2021

Ahmad Y et al. Long-term follow-up after ultrathin vs. conventional 2nd-generation drug-eluting stents: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Eur Heart J 2021; DOI: 10.1093/eurheartj/ehab280

Neueste Kongressmeldungen

Welche Antikoagulation bei Dialyse-Patienten mit Vorhofflimmern?

Apixaban scheint in der Antikoagulation bei Patienten mit dialysepflichtigem Nierenversagen und Vorhofflimmern ebenso wirksam und sicher zu sein wie ein Vitamin-K-Antagonist. Das legen Ergebnisse der deutschen AXADIA-AFNET-8-Studie nahe.

Schwere PAVK: Ist Bypass-OP hier vorteilhafter als endovaskuläre Therapie?

Ohne Revaskularisation droht PAVK-Patienten mit kritischer Extremitätenischämie die Amputation. Welches Verfahren – chirurgischer Bypass oder endovaskuläre Therapie – ist dann die beste Wahl? Die randomisierte BEST-CLI-Studie liefert dazu jetzt evidenzbasierte Entscheidungshilfe.

Was nützt spezielles Fischöl ergänzend zur Statintherapie?

Neue Daten zur Wirksamkeit eines speziellen Fischöls (Icosapent-Ethyl) heizen die Debatte um diese Therapieoption erneut an. In der RESPECT-EPA-Studie deutet sich ein prognostischer Nutzen an, das Ergebnis dürfte in Deutschland aber erstmal keine bedeutsame Rolle für die Praxis spielen.

Neueste Kongresse

DGK.Herztage 2022

Vom 29.9.-1.10.2022 finden die DGK.Herztage in Bonn statt.

TCT-Kongress 2022

Hier finden Sie die Highlights der Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference 2022, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

Highlights

Neuer Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

Auf Kardiologie.org gibt's jetzt auch Podcasts! In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

PCI nach Herzstillstand: Schnellere Plättchenhemmung durch Cangrelor?

Überlebende eines Herzstillstandes sind nach einer PCI einem erhöhten Risiko für Stentthrombosen ausgesetzt. In einer kleinen randomisierten Studie wurde nun ein Plättchenhemmer getestet, der eine schnelle und starke Thrombozytenaggregationshemmung verspricht.

Vorhofflimmern: Verbessert Katheterablation den Blutfluss im Hirn?

Einer kleinen Studie zufolge scheint eine Katheterablation bei Patienten mit Vorhofflimmern die zerebrale Durchblutung verbessern zu können. Ist das gut, um möglichen Verschlechterungen der kognitiven Funktion vorzubeugen?

Gibt’s bald eine alternative Thromboseprophylaxe für Kinder?

Zur Thromboseprophylaxe werden bei herzkranken Kindern traditionell niedermolekulare Heparine oder Vitamin-K-Antagonisten eingesetzt. Durch eine randomisierte Studie tut sich jetzt eine Alternative auf, die einfacher zu handhaben ist.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Computertomographie einer Patientin mit kongenitalem Herzfehler.
Was ist zu sehen?

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

DGK.Herztage 2022/© DGK
TCT-Kongress 2022/© mandritoiu / stock.adobe.com
DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
Kardio-Quiz Dezember 2022/© Stephan Achenbach, Medizinische Klinik 2, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org