Nachrichten 01.06.2022

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Durch den Einsatz von Robotik kann die Strahlenbelastung für die operierenden Kardiologen deutlich reduziert werden, macht eine aktuelle Studie deutlich – bei einer hohen Erfolgsquote. Darüber berichtete Dr. Eric Durand beim diesjährigen EuroPCR-Kongress in Paris.

Interventionalisten sind einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt

Wie der französische Kardiologe ausführte, gehören interventionell tätige Kardiologen zu den Ärzten, die mitunter der höchsten Strahlenbelastung ausgesetzt sind. „Mehrere Studien haben gezeigt, dass wir dadurch ein erhöhtes Risiko für Gehirntumore, Katarakte und DNA-Schäden tragen“, machte Durand die sich daraus ergebenden Gefahren deutlich.  

Arzt kann aus der Ferne agieren

Der Einsatz von ferngesteuerter Robotik in der Durchführung perkutaner Koronarinterventionen könnte eine Lösung zur Reduktion der Strahlenbelastung sein. Solche Systeme sind schon länger in der Erprobung. Doch bisher wurde noch keines dieser Geräte im Hinblick auf seine Sicherheit und Effektivität in einer multizentrischen Studie innerhalb Europas untersucht, wie Durand erläuterte. Die von Durand präsentierte prospektive R-Evolution-Studie stellt deshalb die erste Studie dieser Art dar. Zum Einsatz kam das seit 2019 CE-zertifizierte R-One-System des Herstellers Robocath. Bestandteil dieses Gerätes ist ein Roboterarm, den der behandelte Arzt aus der Ferne über eine mobile, strahlengeschützte Kontrolleinheit mittels Joysticks bedienen kann.

An sechs Zentren in Europa wurde dieses robotergestützte System im Rahmen der Studie zur Behandlung von 64 Patienten mit insgesamt 64 De Novo-Läsionen eingesetzt. 25% der behandelten Läsionen stellten sich dabei als komplex heraus.

Hohe technische Erfolgsrate

Bei 95,2% gelang der Eingriff durch die Robotereinheit, ohne dass der behandelte Kardiologe/die behandelte Kardiologin manuell eingreifen musste. In den Fällen, in denen es auf diese Weise nicht funktionierte, lag es meistens nicht am Roboter selbst, sondern an anderen Faktoren, etwa, weil eine Koronardissektion oder ein Software Error aufgetreten war. In Zentren, die bereits umfassende Erfahrung mit dem System gesammelt hatten, betrug die technische Erfolgsrate sogar 100%.

Die klinische Erfolgsrate bei Einsatz des robotergestützten Systems lag in der Gesamtkohorte bei 100%: Sprich, innerhalb des ersten Monates nach dem Eingriff traten keinerlei schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) auf.

Die Prozedurdauer im Falle eines robotergesteuerten PCI-Eingriffes war im Mittel geringer als bei anderen während des Studienzeitraums (Q4 2019–Q3 2021) manuell vorgenommenen PCI-Prozeduren. Auch musste im Schnitt weniger Kontrastmittel gespritzt werden, wenn der Roboter dem Arzt attestierte.

Deutlich geringere Strahlenbelastung

Der offensichtlichste Vorteil des ferngesteuerten Robotersystems war jedoch eine deutliche Reduktion der Strahlenexposition für die operierenden Kardiologinnen und Kardiologen. In der Studie verglichen wurde die Strahlenbelastung, welcher die aus der Ferne mittels Robotik agierenden Ärzte ausgesetzt waren, mit der Röntgenstrahlung, die die Operateure theoretisch abbekommen hätten, wenn sie direkt neben dem Kathetertisch gestanden hätten. Dabei stellte sich heraus, dass die Strahlenbelastung im Falle einer robotergesteuerten PCI um 84,5% (wenn Dosimeter unter einer Bleischütze getragen wird) bzw. um 77,1% (Dosimeter auf der Bleischütze) geringer ist als bei einer manuell vorgenommenen PCI (0,2 vs. 3,2 µSv bzw. 7,2 vs. 51,1 µSv).

Eine wichtige Limitation der Studie ist ihr nicht randomisiertes Design. Deshalb lässt sich keine Aussage darüber treffen, wie eine Robotik-gesteuerte PCI im direkten Vergleich mit einer manuell vorgenommenen PCI abschneidet. Zudem wird aus der Studie nicht ersichtlich, wie gut eine robotergestützte PCI bei stark kalzifizierten oder gewundenen Gefäßläsionen oder beispielsweise bei Bifurkationsstenosen funktioniert, weil solche abweichenden Läsionsstrukturen von der Studie ausgeschlossen wurden.

Literatur

Durand E: Safety and efficacy of robotic-assisted PCI using R-One device, EuroPCR 2022, 17. – 20. Mai, Paris.

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Degenerierte Bioprothesen: Welche TAVI-Klappe ist die beste Wahl?

Bei Patienten mit degenerierten kleinen Aortenklappen-Bioprothesen scheinen selbstexpandierende Transkatheter-Klappen für den katheterbasierten Klappenersatz (Valve-in-Valve-Prozedur) die bessere Option zu sein – zumindest in hämodynamischer Hinsicht.

Benefit von Empagliflozin bei HFpEF keine Frage des Alters

Für den klinischen Nutzen des SGLT2-Hemmers Empafliflozin bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion ist das Alter der Patienten kein zu berücksichtigender Faktor, zeigt eine neue Subanalyse der Studie EMPEROR-Preserved.

Krebsdiagnose erhöht Herzrisiko – unabhängig von traditionellen Risikofaktoren

Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, sind einem erhöhten kardiovaskulären Risiko ausgesetzt. Doch woran liegt das? Laut einer prospektiven Studie sind die bekannten Risikofaktoren größtenteils nicht dafür verantwortlich – diese Erkenntnis, postulieren die Autoren, könnte die Praxis beeinflussen.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Echokardiographischer Zufallsbefund. Was fällt auf?

Interventionelle Techniken bei Herzinsuffizienz: Bei wem, was und wann?

Für das Management von Herzinsuffizienz-Patienten stehen inzwischen auch interventionelle Techniken zur Verfügung, etwa ein intratrialer Shunt zur HFpEF-Therapie oder invasive Devices für die Fernüberwachung. Dr. Sebastian Winkler erklärt in diesem Video, wann der Einsatz solcher Techniken sinnvoll sein könnte, und was es dabei zu beachten gilt.

SGLT2-Hemmung bei Herzinsuffizienz: Mechanismen und pleiotrope Effekte

Inzwischen ist bekannt, dass SGLT2-Inhibitoren über die blutzuckersenkende Wirkung hinaus andere günstige Effekte auf das Herz und die Niere entfalten. Prof. Norbert Frey wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage und erläutert daran, was über die Mechanismen der SGLT2-Hemmung tatsächlich bekannt ist.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell
Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Juni 2022/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Vortrag vom BNK/© BNK | Kardiologie.org