Onlineartikel 07.06.2016

FDA ruft Lebensmittelindustrie zur freiwilligen Salzrestriktion auf

Die FDA beabsichtigt, die Lebensmittelindustrie zur freiwilligen Salzeinsparung ihrer Produkte zu bewegen. Damit soll der Salzkonsum der amerikanischen Bevölkerung gesenkt werden – ein Versuch, der auch kritisch gesehen wird.

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) möchte den Salzkonsum der amerikanischen Bevölkerung verringern. Um dies zu erreichen, hat die Behörde nun einen Leitlinienentwurf entwickelt, der freiwillige Zielvorgaben für die Lebensmittelindustrie und Gastronomiebetriebe enthält.

Die Ziele sind laut Pressemitteilung der FDA in zwei Stufen unterteilt: Kurzfristig, also in den nächsten zwei Jahren, soll der Salzkonsum der amerikanischen Bevölkerung von durchschnittlich 3,4 Gramm Natrium (entspricht etwa 8,6 Gramm Kochsalz) auf etwa 3 Gramm pro Tag (= 7,6 Gramm Kochsalz) gesenkt werden. Als langfristiges Ziel (innerhalb der nächsten zehn Jahre) wird eine Reduktion auf 2,3 Gramm Natrium (= 5,8 Gramm Kochsalz) pro Tag angedacht.

Salz in verarbeiteten Lebensmitteln reduzieren

Damit reagiert die FDA auf den deutlich erhöhten Salzkonsum der US-amerikanischen Bevölkerung, der nach Angaben der Behörde mit durchschnittlich 3,4 Gramm Natrium täglich fast doppelt so hoch sei wie es von den meisten Experten empfohlen werde. Da die Mehrheit des aufgenommen Kochsalzes durch verarbeitete Lebensmittel zugeführt wird, zielen die Empfehlungen vor allem auf industriell verarbeitete Lebensmittel – von Backwaren bis hin zu Suppen – ab sowie auf die Zubereitung von Speisen in Restaurants und andere Gastronomiebetrieben. 

Ziel sei es, das Kochsalz, das in der Verarbeitung, Herstellung und Zubereitung von Lebensmitteln zugesetzt werde, zu reduzieren, formuliert die FDA in einer Mitteilung, und zwar vor allem bei Lebensmitteln, bei denen das Natriumchlorid nicht zur Konservierung, Stabilität oder physikalischen Integrität benötigt werde. Mit diesem Vorhaben beabsichtige man, die Anstrengungen der Industrie, die teilweise schon angelaufen seien, zu unterstützten. Spezielle Empfehlungen, welche technologischen Verfahren zur Salzeinsparung zu Anwendung kommen könnten, wird die FDA allerdings nicht machen. 

"An der Zeit, in den Dialog zu treten"

„Wir glauben, dass es an der Zeit ist, in den nationalen Dialog zu treten und das Problem des übermäßigen Salzkonsums anzugehen. Die Publikation dieser Zielvorgaben ist ein wichtiger Schritt für den Eintritt in diesen Dialog“, wird Dr. Susan Mayne, Leiterin des „FDA’s Center for Food Safety and Applied Nutrition“, in der Pressemitteilung zitiert. 

Die Assoziation zwischen Salzreduktion und gesundheitlichen Folgen werde durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien bestätigt und sei eindeutig, steht in der Pressemitteilung. „In einigen Studien schätzen Wissenschaftler, dass eine Reduktion des Natriumkonsums um 40 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts etwa 500.000 Leben retten und 100 Milliarden Dollar Kosten im Gesundheitswesen einsparen könnte.“ 

Kommentierung erwünscht

Die Ergebnisse einer kürzlich publizierten Studie in „The Lancet“ (http://www.kardiologie.org/neue-analyse-generelle-salzrestriktion-doch-nicht-sinnvoll/10209730) deuten allerdings darauf hin, dass die optimale Salzzufuhr zwischen 4 und 5 Gramm täglich zu liegen scheint und eine noch geringere Salzaufnahme eher von Nachteil sein könnte. Zudem ist in dieser Untersuchung ein erhöhter Salzkonsum nur bei Hypertonikern mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert gewesen. Die Studienautoren um Andrew Mente bewerten daher die generelle Empfehlung zur Salzrestriktion kritisch. 

Ehe die endgültige Version der Leitlinie erscheinen wird, hält die FDA ihr Vorhaben für Kommentare und Anregungen offen:  http://www.federalregister.gov/articles/2016/06/02/2016-12950/voluntary-sodium-reduction-goals-target-mean-and-upper-bound-concentrations-for-sodium-in

Literatur

FDA Pressemitteilung: FDA issues draft guidance to food industry for voluntarily reducing sodium in processed and commercially prepared food – Action aims to empower consumers and reduce sodium consumption to prevent premature illnesses and deaths, June 1, 2016
Voluntary Sodium Reduction Goals: Target Mean and Upper Bound Concentrations for Sodium in Commercially Processed, Packaged, and Prepared Foods; Draft Guidance for Industry; Availability, A Notice by the Food and Drug Administration on 06/02/2016