Skip to main content
main-content

10.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Myokardhypertrophie

Finasterid: Nutzt Testosteronblockade dem Herzen?

Autor:
Philipp Grätzel

Testosteron und seine Derivate könnten eine myokardiale Hypertrophie begünstigen. Wissenschaftler der MH Hannover haben jetzt gezeigt, dass eine Hemmung der 5α-Reduktase diesem Effekt vorbeugen kann – zumindest im Tiermodell.

Die kardiovaskulären Effekte von Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT) sind schon länger in der Diskussion. Noch in den 90er Jahren konnte gezeigt werden, dass über den Androgenrezeptor die Hypertrophie menschlicher Kardiomyozyten stimuliert werden kann. Heißt das im Umkehrschluss, dass antiandrogene Therapien vor kardialer Hypertrophie schützen?

Dr. Carolin Zwadlo aus der Arbeitsgruppe von Professor Joerg Heineke, Klinik für Kardiologie der Medizinischen Hochschule Hannover, ist dieser Frage anhand von Krankheitsmodellen nachgegangen.

Antiandrogen bringt hypertrophes Herz wieder in Form

Im Fokus des Interesses stand dabei der 5α-Reduktase-Hemmer Finasterid, der für die Behandlung von Patienten mit benigner Prostatahyperplasie sowie, in niedrigerer Dosis, für Patienten mit androgenetischer Alopezie zugelassen ist. 

Zwadlo hat zunächst einmal untersucht, ob die 5α-Reduktase, die aus Testosteron dessen aktiven Metaboliten DHT herstellt, in hypertrophischem Myokard des Menschen und der Maus überexprimiert wird. Das war der Fall. Diese Überexpression ging erwartungsgemäß einher mit einer Anreicherung von DHT.

Im nächsten Schritt wurden die Wirkungen von Finasterid im Tierversuch anhand von unterschiedlichen Tiermodellen für die kardiale Hypertrophie untersucht. Im ersten Modell wurde durch Konstriktion der Aorta eine Erhöhung der Nachlast simuliert und so eine kardiale Hypertrophie induziert. Eine Woche später wurde ein Teil der Mäuse dann für zwei Wochen mit Finasterid therapiert. 

Dadurch verbesserte sich nicht nur die Herzfunktion. Auch Hypertrophie, Dilatation und Fibrose gingen zurück, und zwar sowohl bei männlichen wie auch bei weiblichen Tieren. 

Im zweiten Modell wurden Mäuse verwendet, die Gαq überexprimierten, ein an ein G-Protein gekoppeltes Signalmolekül in glatten Muskelzellen. Gαq-Mäuse entwickeln eine kardiale Hypertrophie und sterben früh. Bei Behandlung mit dem Antiandrogen konnte die Progression der Hypertrophie verringert werden. In beiden Modellen war auch die Mortalität geringer.

Klinische Bedeutung unklar

Die klinische Bedeutung dieser Beobachtungen aus Hannover für den Menschen muss vorerst offen bleiben. Die Ergebnisse stehen in einem gewissen Widerspruch zu klinischen Daten, wonach eine niedrig dosierte Testosteronersatztherapie bei einigen Patienten mit Herzinsuffizienz eher günstige klinische Effekte aufweist. 

Nicht verschwiegen werden darf auch, dass Finasterid für die Behandlung der Mäuse in der hohen Dosis von 25 mg pro Kilogramm und Tag eingesetzt wurde. Zum Vergleich: Die empfohlene Dosis bei der benignen Prostatahyperplasie des Menschen beträgt 5 mg pro Tag, bei der androgenetischen Alopezie sogar nur 1 mg pro Tag. Gewichtsbezogen ist das mehrere hundertmal weniger.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

15.10.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

EMA-Ausschuss: Kein Herzrisiko durch Testosteron-Präparate