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02.06.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Krebs und Herz

Flimmert der Vorhof, ist das Krebsrisiko erhöht

Autor:
Philipp Grätzel

Eine neue Analyse aus dem Datenschatz der Women’s Health Study deutet darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen Vorhofflimmern und Krebserkrankungen geben könnte. Die Kausalität ist fraglich.

Große, prospektive epidemiologische Studien sind auch Jahrzehnte nach ihrer Initiierung noch für Korrelationen gut. Wissenschaftler um David Conen vom Brigham and Women’s Hospital in Boston haben sich 34.691 Datensätze der Women’s Health Study durch eine kardio-onkologische Brille hindurch angesehen. Ergebnis: Bei Frauen mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern ist es dreieinhalb Mal so wahrscheinlich, dass innerhalb von drei Monaten eine Krebserkrankung diagnostiziert wird wie bei Frauen ohne Vorhofflimmern.

Über ein Jahr gerechnet ist das Risiko immer noch um knapp die Hälfte und damit signifikant erhöht (HR 1,42; 95%-KI 1,18–1,71, p < 0,001). Der Zusammenhang hält auch in umgekehrter Richtung, wenngleich nicht ganz so ausgeprägt: Frauen, bei denen eine Krebserkrankung neu diagnostiziert wird, haben ein um ein Fünftel höheres Risiko für Vorhofflimmern. Auch das ist statistisch signifikant (p = 0,04).

Entzündung als Arrhythmie-Trigger?

Zwei Fragen stellen sich bei solchen Daten: Gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen Krebs und Vorhofflimmern? Und: Sollten praktische Konsequenzen gezogen werden, etwa indem bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern ein Krebs-Screening empfohlen wird?

Was den Zusammenhang zwischen Krebs und Vorhofflimmern angeht, diskutieren die Autoren unterschiedliche Hypothesen. So wäre denkbar, dass eine systemische Entzündungsreaktion bei frühen, noch nicht diagnostizierten Krebserkrankungen das Auftreten von Vorhofflimmern triggert. Möglich wären auch gemeinsame Pathomechanismen. So weisen die Autoren darauf hin, dass sowohl bei Krebserkrankungen als auch beim Vorhofflimmern die Apoptose gestört sei. Vielleicht liegen Vorhofflimmern und Krebs aber auch nur einige gemeinsame Risikofaktoren zugrunde, die sich statistisch nicht gänzlich herausrechnen lassen.

Keine Konsequenzen für die Praxis

Unmittelbare Folgen für das klinische Management lassen sich aus den Daten in jedem Fall nicht ableiten. Für ein obligates Krebs-Screening bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern ist das absolute Risiko zu gering. Konkret betrug die Krebsinzidenz bei Frauen mit neuem Vorhofflimmern 1,4 pro 100 Personenjahre, bei Frauen ohne Vorhofflimmern 0,8 pro 100 Personenjahre.

Literatur

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