Onlineartikel 05.04.2016

Für ältere Patienten inzwischen das Standardverfahren

Ob eine Aortenklappe interventionell oder chirurgisch ersetzt wird, hängt in erster Linie vom Alter ab. Aktuelle Registerdaten zeigen: Bei Senioren ist TAVI längst der Standard, Komplikationsraten und Sterblichkeit sinken kontinuierlich.

Seit 2008 werden im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen externen Qualitätssicherung sämtliche Eingriffe an der Aortenklappe im deutschen AQUA-Register erfasst; ab 2016 werden die Daten vom IQTIK-Institut ausgewertet.

Rasanter Anstieg bei TAVI, leichter Rückgang bei der Operation

Die Ergebnisse für 2014 zeigen, dass bei 13.264 Patienten die Aortenklappe per TAVI ersetzt wurde. Dies ist ein rasanter Anstieg gegenüber den Vorjahren, berichtete Prof. Holger Eggebrecht, Cardioangiologisches Centrum Bethanien in Frankfurt a.M. bei einer Pressekonferenz der DGK-Frühjahrstagung 2016. 2013 waren 10.441 Patienten mit TAVI behandelt worden, 2012 9.335 Patienten, 2011 7.252 Patienten und 2010 4.858 Patienten.

Insgesamt fast 30.000 Aortenklappen-Eingriffe im Jahr 2014

Gleichzeitig ging die Zahl der chirurgisch behandelten Patienten leicht zurück. 2014 erhielten 9.953 Patienten (2011: 10.289) eine isolierte Aortenklappen-OP und 6.612 Patienten eine Aortenklappe plus Bypass (2011: 7.252).

Krankenhaus-Sterblichkeit sinkt auf aktuell ca. 4 %

Die Krankenhaus-Sterblichkeit nach TAVI lag 2014 bei 4,2%, nach 5,7, 5,8, 7,1 und 7,8% in den Vorjahren. Sie ist also kontinuierlich rückläufig und liegt mit den neuesten Verfahren im Bereich von 1–2 %, berichtete Eggebrecht. Als Gründe für die erfreuliche Entwicklung nannte der Kardiologe Verbesserungen der Klappensysteme, Fortschritte in der Bildgebung, bessere Patientenauswahl, und zunehmende Routine der Behandler. In der Tat zeigen Daten, dass die Sterblichkeit geringer ist, wenn der Operateur über 50 Eingriffe pro Jahr durchführt.

Eggebrecht betonte, dass ein Quervergleich der Mortalitäten zwischen Operation und TAVI im AQUA-Register ohne Adjustierung für Risiko und Alter nicht sinnvoll ist: Die OP-Patienten sind im Schnitt 68 Jahre und die TAVI-Patienten 80 Jahre alt. Entsprechend sind TAVI-Patienten deutlich kränker, das Eingriffsrisiko ist erheblich höher. Tatsächlich wurden 2014 89 % aller Eingriffe bei über 80-Jährigen und 99 % aller Eingriffe bei über 90-Jährigen interventionell durchgeführt.

Alter entscheidet, nicht das Risiko

„Das Alter entscheidet, ob wir interventionell oder chirurgisch vorgehen“, sagte Eggebrecht: Bei über 80-Jährigen ist TAVI Standard, bei unter 75-Jährigen ist es in der Regel die Operation. Bei Patienten zwischen 75 und 80 Jahren kommt es darauf an, wie fit der Patient ist. Hauptgrund für die Bevorzugung der Operation bei jüngeren Patienten liegt in der Unsicherheit, wie lange die TAVI-Klappen halten.

Die Höhe des Risikos spielt hingegen nicht mehr die Rolle wie früher. Zu Beginn war TAVI bei nicht operablen Patienten eingesetzt worden. Anschließend konnte gezeigt werden, dass auch noch operable Patienten mit hohem Risiko mit einer TAVI besser versorgt sind. Nun zeigte die PARTNER-IIa-Studie jüngst, dass auch bei intermediärem OP-Risiko TAVI in vielen Fällen mit günstigeren Ergebnissen einhergeht im Vergleich zur Operation, v.a. beim transfemoralen Eingriff.

Auch die Nebenwirkungshäufigkeiten sind bei dem interventionellen Dreiviertelstundeneingriff rückläufig. Für den Schlaganfall werden 2014 1,4 % angegeben, für die Anulusruptur 0,24 %, für die Aorten-Dissektion 0,18 %, für die Koronarokklusion 0,29 %. Bei 0,64 % der Patienten muss notfallmäßig oder dringlich chirurgisch weiter vorgegangen werden.