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05.02.2018 | Gefäßchirurgie | Nachrichten

Natriumfluorid-PET/CT

Selektiverer Blick auf Bauchaorten-Aneurysmen durch neue Bildgebung?

Autor:
Philipp Grätzel

Eine Natriumfluorid-Bildgebung mittels PET/CT liefert zusätzliche Hinweise darauf, wie schnell und wo genau ein Bauchaorten-Aneurysma in Zukunft wächst. So könnte die Therapie noch stärker personalisiert werden.

Ob ein Bauchaortenaneurysma (AAA) operiert werden muss oder nicht, wird heute in der Regel am Durchmesser festgemacht. Bei Männern gelten gemeinhin 5,5 Zentimeter als Grenze, ab der ein operativer Eingriff vorgenommen werden sollte. Bei Frauen sind es 5 Zentimeter. Zwischen 4,5 und 5,5 Zentimetern liegt eine Grauzone. Unterhalb von 4,5 Zentimeter plädieren die meisten Experten für Verlaufskontrollen ohne sofortigen Eingriff.

Dass diese starren Grenzwerte ihre Grenzen haben, ist kein Geheimnis. Insbesondere ältere Menschen können mit teilweise deutlich größeren Aneurysmen zum Teil jahrelang komplikationslos leben. Umgekehrt gibt es auch Fälle von Patienten, bei denen kleinere Aneurysmen eine lebensgefährliche Blutung verursachen.

Daten der SoFIA-Studie

Die jetzt in der Zeitschrift JACC publizierte SoFIA-Studie versuchte sich vor diesem Hintergrund an einer weiteren Personalisierung der Versorgung von Patienten mit AAA. In einer prospektiven Beobachtungsstudie mit Fall-Kontroll-Arm wurden 72 zu Studienbeginn noch nicht operationspflichtige Patienten mit einem AAA-Durchmesser von mehr als vier Zentimetern sowie 20 Patienten mit einem AAA-Durchmesser von unter 3 Zentimetern zusätzlich zur üblichen Bildgebung mit einer Natriumfluorid-PET/CT (18F-NaF-PET/CT) untersucht.

18F-NaF gilt als ein Marker für pathologischen Gewebeumbau durch Entzündungsprozesse. Konkret werden Areale mit Mikrokalzifizierungen sichtbar gemacht, die ein Ergebnis nekrotischer Entzündungen sind. Eingesetzt wird das Verfahren bisher unter anderem in der Atherosklerosediagnostik.

In der SoFIA-Studie konnte jetzt gezeigt werden, dass die 18F-NaF-Aufnahme in den Wänden des Aneurysmas signifikant stärker ist als in nicht betroffenen Arealen der Aorta. Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass Aneurysmen im höchsten Tertial der 18F-NaF-Aufnahme zweieinhalb Mal schneller expandierten als solche im unteren Tertial, und die Wahrscheinlichkeit, dass bei diesen Patienten das Aneurysma entweder rupturierte oder Ärzte eine Operationsindikation sahen, war dreimal höher.

Mögliche Option für bessere Risikostratifizierung

Das Studienteam um Dr. Rachael Forsythe von der Universität Edinburgh hält die 18F-NaF-PET/CT vor diesem Hintergrund für ein vielversprechendes Verfahren, um bei AAA-Patienten von der reinen Stratifizierung nach Durchmesser wegzukommen. In einem begleitenden Editorial sehen das die beiden US-Kardiologen Dr. Parmamand Singh und Dr. Jagat Narula ähnlich, betonen allerdings, dass es sich vorläufig nur um eine Proof-of-Concept-Studie handele.

Für das Verfahren spreche unter anderem, dass die mit der 18F-NaF-Bildgebung identifizierten Areale nicht dieselben seien wie jene, bei denen in normalen CT-Untersuchungen Makrokalzifizierungen auftreten. Dies könnte bedeuten, dass tatsächlich aktuell ablaufende Umbauprozesse im Gewebe visualisiert würden, und nicht nur irgendwelche Kalkablagerungen.

Insgesamt gehen die Kommentatoren davon aus, dass sich das AAA-Management durch dieses und andere bildgebende Verfahren, die bei dieser Indikation derzeit evaluiert werden, künftig deutlich verändern wird.

Literatur

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