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06.05.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Vorhofflimmern häufiger

Gehen Langzeitopioide aufs Herz?

Autor:
Philipp Grätzel

In der bevölkerungsbasierten REGARDS-Kohorte haben US-Kardiologen einen Zusammenhang zwischen chronischer Opioideinnahme und Vorhofflimmern gefunden. Ob es eine Kausalität gibt, ist unklar, aber es gäbe zumindest einen plausiblen Mechanismus.

Der Opioidkonsum ist in den letzten Jahren in den meisten Industrienationen deutlich angestiegen. Aus Tiermodellen ist bekannt, dass bei Vorhofflimmern oft Opioidrezeptoren herunterreguliert sind. Das haben Kardiologen um Dr. Waqas T. Qureshi von der Wake Forest School of Medicine in North Carolina jetzt einmal bei Menschen untersucht.

Sie nutzten dafür in einer retrospektiven Auswertung Daten der REGARDS-Kohorte, für die zwischen 2003 und 2007 bevölkerungsbasiert gut 30.000 Teilnehmer rekrutiert wurden. Die Teilnehmer lieferten Informationen über ihre medizinische Anamnese per Fragebogen und wurden außerdem zu Hause besucht. Dabei wurden unter anderem EKG angefertigt, außerdem wurde eine detaillierte Arzneimittelanamnese erhoben.

Risiko für Vorhofflimmern um 35% höher

Für die aktuelle Analyse wurden Daten von 24.632 Teilnehmern mit einem medianen Alter von 65 Jahren ausgewertet. 7,7% nahmen Opioide in der Dauertherapie ein, 8,5% hatten Vorhofflimmern.

Die Wissenschaftler fanden bei Opioidkonsumenten ein um 35% erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, was statistisch deutlich signifikant war (HR 1,35; 95% CI 1,16–1,57; p<0,001). Diese Assoziation war unabhängig vom Vorliegen eines Bluthochdrucks, einer KHK und eines Diabetes sowie unabhängig von Alter und Geschlecht.

In weiteren Adjustierungsschritten wurden außerdem Patienten mit möglichem Substanzmissbrauch sowie Patienten, die das (heute nicht mehr eingesetzte) kardiotoxische Opioid Propoxyphen einnahmen, aus den Ergebnissen herausgerechnet. Auch in dieser Analyse blieb der Zusammenhang in praktisch unveränderter Größenordnung bestehen.

Kausalität fraglich, aber Mechanismus denkbar

Aufgrund des retrospektiven Querschnittsdesigns lässt diese Analyse keine Aussagen darüber zu, ob Opioide Vorhofflimmern begünstigen oder nicht. Die Autoren diskutieren aber zumindest einen denkbaren Mechanismus.

So tragen endogene Opioide dazu bei, dass mitochondriale ATP-abhängige Kaliumkanäle offen gehalten werden. Die Mitochondrien werden dadurch unempfindlicher gegen oxidativen Stress. Bei pharmakologischer Opioidtherapie werden endogene Opioidrezeptoren herunterreguliert. Das könnte dazu führen, dass die mitochondrienreichen Kardiomyozyten oxidative Schädigungen erleiden, die letztlich Vorhofflimmern begünstigen.

Klinisch wurde der Zusammenhang zwischen Langzeitopioidtherapie und Vorhofflimmern bisher nicht untersucht. Eine PubMed-Suche nach „opioids AND atrial fibrillation“, Stand 6.5.2015, liefert lediglich 81 Einträge, die allermeisten davon aus der Anästhesie.

Literatur